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Lesetipp Politik: Die Welt im Wandel

Vier neue Bücher beschäftigen sich mit dem politischen Wandel in der Schweiz und Konfliktzonen in der Welt.
Laura Widmer

Steckt die Schweiz in der Sackgasse?

In der Schweizer Politik gibt es einige Baustellen. Zu den grössten gehört zweifellos unser Verhältnis zu Europa. Dieses nimmt Steffen Klatt zum Anlass, um generell über den Zustand der Schweiz nachzudenken. Sein Befund ist wenig erfreulich: Spätestens seit dem Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative stecke das Land in einer Sackgasse. Die Umsetzung zeige, dass Volksabstimmungen zu blossen Meinungsumfragen degradiert würden. Der Grund: Die Schweiz arbeite mit einem politischen System, das zu einer Zeit entwickelt wurde, als das eigene Land über vieles noch souverän entscheiden konnte. Die heutige Form der direkten Demokratie sei «eine rostig gewordene Maschine», mit der sich das Land selber im Weg stehe.

Der gebürtige Ostberliner, der früher für unsere Zeitung aus Brüssel berichtete und später eine Nachrichtenagentur in Winterthur gründete, fordert neue Formen von Mitsprache, ohne aber konkret zu werden, wie diese im 21. Jahrhundert praktikabel aussehen könnten. Das Buch bringt einen erfrischenden Blick auf die Schweiz, beispielsweise dort, wo es den Aufstieg der SVP analysiert, auf das Ende des Bankgeheimnisses eingeht oder eine viel mutigere Landwirtschaftspolitik fordert. Gleichzeitig muten Klatts Thesen zuweilen gewagt an. Es mag zwar zutreffen, dass die Schweiz an Selbstbewunderung leidet und an den Mythen der Vergangenheit festklebt. Dass sich das satt gewordene Land immer mehr abschottet und es nicht mehr schafft, sich an die sich ­verändernde Welt anzupassen, darf aber ­bezweifelt werden. Kein Land steht in den Innovationsratings schliesslich so oft ­zuoberst wie die Schweiz. (ja)

Steffen Klatt: Blind im Wandel. Ein Nationalstaat in der Sackgasse. Zytglogge. 200 S., Fr. 29.–.

Die Kriege werden weitergehen

Die Konflikte im Nahen Osten basieren auf zerfallenden politischen und sozialen Strukturen. Dies zeigt der deutsche Islamwissenschafter Rainer Hermann. Schuld daran sind auch äussere Einflüsse, zu denen koloniale und postkoloniale Eingriffe der Europäer gehören. Hermann zeigt die Situation in den verschiedenen Ländern und Hintergründe wie den hegemonialen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Er analysiert, wie der Arabische Frühling scheiterte, warum noch Jahrzehnte der Kriege bevorstehen und worin die Hoffnung auf Frieden liegt: Dies wäre eine neue Kultur, die den Menschen Identität jenseits von Feindbildern gibt. (are)

Rainer Hermann: Arabisches Beben. Die wahren Gründe der Krise im Nahen Osten. Klett-Cotta, 378 S., Fr. 27.–.

Gorbatschow: Ein Held des Westens

Er gilt als der Mann, der den Kalten Krieg beendet hat: Michail Gorbatschow, inzwischen 87-jährig, gilt im Westen als Held, in Russland wird er als Totengräber des ­sowjetischen Imperiums gesehen. Der US-Politikwissenschafter William Taubman, 2004 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet, zeichnet in einer gigantischen Biografie das Leben «Gorbis» nach, wie er es an die Spitze des Kremls schafft, wie er sich mit US-Präsident Ronald Reagan anfreundete und schliesslich eine praktisch gewaltlose Wende erreichte. Dass er im Anschluss selber die Macht verlor, ist eine Ironie, die vielleicht nicht untypisch für den ambivalenten Politstar ist. (are)

William Taubman: Gorbatschow. Der Mann und seine Zeit. C. H. Beck. 905 S., Fr. 53.–.

Ukraine: Mitten im Krieg

Zehntausende Tote, Hunderttausende Vertriebene: Dies ist die Zwischenbilanz des Krieges zwischen der ukrainischen Armee und prorussischen Separatisten seit 2014. Im Moment ist der Konflikt vom Radar der grossen medialen Aufmerksamkeit verschwunden. Der Schweizer Journalist André Widmer, ein Experte für das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion, hat auch die Ukraine schon mehrfach bereist. Seine Reportagen zeigen den Alltag von Soldaten und Zivilisten in den Kernregionen des Kampfes, aber auch in von der Aussenwelt abgeschnittenen Dörfern. Er sprach mit Beteiligten, auch mit hohen Vertretern der Regierung und der Separatisten. (are)

André Widmer: Ostukraine – Europas vergessener Krieg. Reportagen aus dem Donbass. Rotpunktverlag, 171 S., Fr. 29.–

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