Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Lesetipps Literatur: ein schrulliges Privatlexikon und künstliche Intelligenz

Der tschechische Autor Emil Hakl erzählt mit freakiger Coolness von einem Humanoiden im heruntergekommenen Prag. Und der Schweizer Schriftsteller Thomas Meyer karikiert den trockenen Bildungsdünkel der Enzyklopädie. Zwei Bücher für Bedeutungssuche statt Ostereiersuche.
Hansruedi Kugler
Emil Hakl: Kiras Version. Roman. Braumüller, 256 S., Fr. 34.– (Bild: PD)

Emil Hakl: Kiras Version. Roman. Braumüller, 256 S., Fr. 34.– (Bild: PD)

Menschenähnliche Roboter sind in Film und Literatur entweder brutal oder sentimental. Oft auch beides: Frankenstein und Blade Runner haben das Genre geprägt. Im neuen, ziemlich freakigen und mit ruppiger Coolness erzählten Roman des tschechischen Autors Emil Hakl neigt der künstliche Mensch, der weibliche Humanoid, im heruntergekommenen Prag zur Romantik. Kira, in einem Hinterhof-Labor erschaffen, will ganz Mensch werden, was nicht gelingen kann. Sie ist attraktiv, jung und ein weit fortgeschrittenes Exemplar: Essen braucht Kira keines, Alkohol macht sie nicht betrunken. Aber sie muss regelmässig mit sonderbaren Flüssigkeiten aufgefüllt werden. Sonst ist Kira autonom, neugierig, sprachgewandt und entfernt sich immer mehr von ihrem Menschenfreund, einem leicht verwahrlosten Designer. Der hat sie als Leihgabe bekommen und verliebt sich in sie. Hakl erzählt aus beider Optik ihre Liebesgeschichte. Das munter-coole Erzählen ist Hakl wichtiger als glaubhafte Szenerien. Die genrehafte Dramaturgie und die flotten Dialoge rufen aber geradezu nach einer Verfilmung. Idealbesetzung für Kira: Scarlett Johannson.

Hintersinnig und sarkastisch

Thomas Meyer: Meyers kleines Taschenlexikon. Salis Verlag, 160 S., Fr. 23.– (Bild: PD)

Thomas Meyer: Meyers kleines Taschenlexikon. Salis Verlag, 160 S., Fr. 23.– (Bild: PD)

Da deutet einer den Zufall als glückliche Fügung: Der Schweizer Schriftsteller Thomas Meyer teilt nämlich den Nachnamen mit Joseph Meyer, dem Begründer des «Meyers grosses Conversationslexikon für die gebildeten Stände» aus dem Jahr 1840. Thomas Meyer, seit «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» bekannt, nimmt 150 Begriffe von A bis Z und versieht sie mit amüsanten, hintersinnigen, sarkastischen Bedeutungen: «schmählich» nennt sie der Autor selbst. Und karikiert damit den trockenen Bildungsdünkel der Enzyklopädie. Beispiel: «Partner – Person, die man für alles verantwortlich machen kann, was im eigenen Leben schiefläuft.» Oder: «nicht schlecht – Schweizer Formulierung für schlecht». Oder: «Religion – Lebensinhalt für Menschen ohne Lebensinhalt.» Oder: «Witz – hastig nachgeschobene Bezeichnung für Frechheiten.» Das schrullige Handbuch ahmt in der Ausstattung das legendäre Lexikon nach und lädt zur eigenen Bedeutungssuche ein.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.