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LESUNG: In der Luzerner «Kneipe» beschäftigt sich eine Lesung mit Verdingbuben

Mit 83 Jahren hat der Willisauer Franz Meier seinen «Lebenslauf eines Verdingbuben» aufgeschrieben. Nun inszeniert ihn Regisseur Louis Naef auf berührende Art in Wort, Bild und Ton.
Romano Cuonz
Der Schauspieler Otto Huber und der Akkordeonist Hans Hassler berichten aus dem Leben von Franz Meier. (Bild: Romano Cuonz (Luzern, 13. 3. 2018))

Der Schauspieler Otto Huber und der Akkordeonist Hans Hassler berichten aus dem Leben von Franz Meier. (Bild: Romano Cuonz (Luzern, 13. 3. 2018))

Romano Cuonz

kultur@luzernerzeitung.ch

Fast zu viele Zuschauer sitzen in der Luzerner «Kneipe». Dicht gedrängt. Still ist es. Fast bedrückend still. Mit einem Mal fällt Scheinwerferlicht auf den Schauspieler Otto Huber, der aus dem Hintergrund auftritt. Im andern, äussersten Winkel der Beiz sitzt der vollbärtige Hans Hassler und entlockt seinem Akkordeon wehmütige Töne. Derweil leuchtet auf zwei Leinwänden über der Theke ein handgezeichnetes, unglaublich stimmiges Bild der Willisauer Altstadt auf.

Genau jenen Ort zeigt es, an dem eine Mitarbeiterin der Pfarrei am 4. Oktober 1917 einen von seinen Eltern völlig im Stich gelassenen, wenige Wochen alten Buben bei kinderlosen Pflegeeltern abgegeben hatte. Und mit diesem Tag beginnt auch eine bald rührende, bald sehr ferne und dann doch wieder erschreckend nahe Geschichte aus dem Alltag im Leben des Verdingbuben Franz Meier.

Einfache Mittel optimal eingesetzt

Dieser selber hat sie im hohen Alter von 83 Jahren noch aufgeschrieben. Aus der Erinnerung: sehr persönlich, aber eben doch ohne jegliche einseitige Schwarz-Weiss-Malerei. Jetzt hat der bekannte Luzerner Regisseur Louis Naef diese Biografie szenisch ausgestaltet. Er führt dem Publikum in der «Kneipe» ein beredtes Sozialgemälde der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen vor Augen. Wird wohl darin beinahe selber zum Protagonisten, kennt er doch das Luzerner Hinterland nur zu gut. Als genauer Beobachter. Dies, obschon er selber unbekümmerter aufwachsen durfte.

Eigentlich liest Schauspieler Otto Huber (einmal lautstark und engagiert, dann wieder mit feinsten melancholischen Nuancen) aus dem authentischen Text vor. Doch Mal für Mal lässt er sich packen. Dann legt er das Manuskript beiseite und schlüpft ganz und gar in die Haut des Verdingbuben. Lebt, fühlt, ja leidet mit ihm. Er schildert beherzt, wie der Bub im Alter von nur zehn Jahren auf einen einsamen Bauernhof verdingt wird. Wie die heile Welt, die er in frühen Jahren bei gütigen Pflegeeltern noch erleben durfte, eins übers andere Mal in Brüche geht. Wie er leidet, weil halt ein Verdingbub nichts war und nichts zu sagen hatte. Aber auch, wie der Franz sich über das Wenige, das ihm blieb, freuen konnte.

Malerische Reise ins Hinterland

Und wie er später als Knecht und Hilfsarbeiter einer grossen Zahl von mächtig auftretenden «Herren» diente und schliesslich mit seiner Frau Hedwig Limacher doch ein wahres Glück findet. Dass man sich einer – im Grunde genommen doch sehr rührseligen – Geschichte keinen Augenblick entziehen kann, liegt ganz stark an der Art und Weise, wie sie erzählt wird.

Der Akkordeonist Hans Hassler spinnt überall dort den Faden weiter, wo dem Verdingbuben beim Erzählen die Worte fehlen. Als Zuhörer versteht man, was Worte nicht mehr auszudrücken vermögen. Das Tüpfelchen aufs i aber setzt die Künstlerin Monika Müller, die wie der Verdingbub aus dem Hinterland stammt. Ihr gelingt es, das Publikum, weg aus der Beiz, an Orte mit Namen wie Schwanderholz, Schülern, Käppelimatt oder eben auch Willisau – dorthin, wo Franz Meiers Geschichte spielt – zu entführen. Mit kunstvollen, aber nie detailliert überzeichneten Bildern.

Die Luzerner «Kneipe» wird übrigens geführt von der Tochter von Franz Meier. Irene Bergmans war auch eine der treibenden Kräfte dahinter, dass Meier seine Memoiren veröffentlicht hat.

Hinweis

Die weiteren Aufführungen in Luzern sind ausverkauft. Weitere Aufführungen gibt es im Agrarmuseum in Burgrain und im Literaturhaus Zentralschweiz in Stans.

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