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Liebe, das knapp Mögliche

Mit dem Roman «Mermaid» legt der Schweizer Schriftsteller Ernst Halter ein leidenschaftlich-persönliches Buch vor.
Charles Linsmayer
Schreibt vorwiegend Erzählungen und Romane: Der Schriftsteller und Publizist Ernst Halter. (Bild: Alois Lang)

Schreibt vorwiegend Erzählungen und Romane: Der Schriftsteller und Publizist Ernst Halter. (Bild: Alois Lang)

In Ernst Halters grossen Zeit­romanen gibt es jeweils eine geheimnisvoll mit dem Buch verbundene Persönlichkeit, die das Wesentliche auf den Punkt bringt. In «Jahrhundertschnee», der Auseinandersetzung mit dem 20. Jahrhundert, gab Halter 2009 einem Schlossherrn die Deutungshoheit, hinter dem sich der Schweizer Historiker und Publizist Jean Rudolf von Salis verbirgt.

Auch «Mermaid» verfügt über einen Kommentator: den 1938 verstorbenen tschechischen Schriftsteller Karel Čapek. Und etwas vom Wichtigsten, was ihm in den Mund gelegt wird, ist, dass Liebe «nicht psychoanalysiert werden» könne, erst recht nicht die erotische Verzauberung. In der Tat entzieht sich das, was im Roman der Schweizer Schriftsteller Elias Herzen und die schweizerisch-italienische Kunsthistorikerin Stella De Marinis miteinander erleben, allen gängigen Kategorien und Vorstellungen.

«Sie liebten einander wie zwei auf einem untergehenden Schiff.»

Nach dem Entscheid, «miteinander den Verstand zu verlieren», treffen sie sich in Hotels und Schlössern immer wieder neu zu Orgien und Inszenierungen einer Liebe, die sie mal als Lebensgefahr, mal als Gift, mal als etwas absolut Schreckliches, mal als «eine ununterbrochene Rebellion gegen alles Festgeschriebene» und dann doch wieder als «einzige Heimat in der Heimatlosigkeit» erfahren und die zuletzt in einem demütigenden, blutigen Ritual ihr Ende findet.

Die Kunst, von der Stella herkommt, und die Lyrik, die Elias betreibt, bilden einen bildungsmässig anspruchsvollen Hintergrund für die Liebesodyssee. Aus der Lyrik stammt auch das Symbol, mit dem ihr Verhältnis umschrieben ist: «Sie liebten einander wie zwei auf einem untergehenden Schiff.»

Die ahnungslose «Dame in Schwarz», doch dann ertappt sie das Liebespaar in flagranti

Ausser den zwei Verliebten darf niemand davon wissen, am wenigsten Ellen, die «Dame in Schwarz», die im «Sturmhaus» auf einem Hügel nahe Zürich ausharrt und von den Eskapaden des Gatten bis fast zuletzt keine Ahnung hat. Der Roman ist über weite Strecken ein Gespräch zwischen der in fragmentarischen Sätzen sprechenden Geliebten und dem eloquenten Liebhaber. Bis sie diese in flagranti ertappt, tritt Ellen kaum in Erscheinung. Doch ist unverkennbar, dass der Leerraum, der für sie ausgespart ist, allmählich immer schwerer wiegt und dazu beiträgt, dass aus der Unbefangenheit des Liebesspiels etwas Gequältes, zuletzt in Überdruss und Feindseligkeit Mündendes wird.

Liebe und Verrat

Hinter dem «Sturmhaus» des Romans verbirgt sich das «Haus Kapf», das Ernst Halter seit 1967 mit seiner Frau, der 2010 verstorbenen Dichterin Erika Burkart, bewohnt hat. Fast könnte man meinen, die Katastrophe einer in Ruhelosigkeit, Ekstase und Wahnsinn implodierenden Paarbeziehung verweise auf die Abgründe, die der Verrat an einem zur Seelenheimat gewordenen Ort auftun könnte. «Liebe kann schuldig werden; Schuld ist sie nie», erklärt Elias Herzen, und man muss die Liebe, die Elias ebenso mit Mermaid verbindet, wie sie ihn zum Verräter an Ellen macht, wohl als jene «Krankheit zu sich selbst» begreifen, für die das Buch auf Autoren wie Flaubert oder Nabokov verweist. Eine Krankheit, die am treffendsten, aber auch am radikalsten umschrieben ist, wenn es heisst: «Liebe ist für die vom Tod und dem nicht vorstellbaren Nichts bedrohten Menschen das knapp noch mögliche Unmögliche.»

Was am Ende bleibt, ist ein Roman, der aufwühlt und die Liebe bis zur Schmerzgrenze auspresst, stilisiert und forciert und der einen ratlos zurücklässt, weil sein Geheimnis sich nicht lüften lässt.

Ernst Halter: «Mermaid». Roman. Klöpfer & Meyer, 345 S., Fr. 40.–

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