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In diesem Roadmovie entsteht die Liebe im Schneckentempo

Der Österreicher Hans Weingartner ergründet in seinem Film «303» die grossen Fragen des Lebens. Zwei junge Menschen philosophieren auf der Autobahn und kommen sich langsam näher. Sehr langsam.
Philipp Bürkler
Jan und Jule lernen sich im Wohnwagen immer besser kennen. (Bild: Filmcoopi)

Jan und Jule lernen sich im Wohnwagen immer besser kennen. (Bild: Filmcoopi)

Normalerweise verlaufen Liebesgeschichten im Kino immer nach dem ähnlichen Muster. Zwei Menschen lernen sich kennen, zwei, drei Szenen später landen sie zusammen in der Kiste. Dann stellt ein Schicksalsereignis beide auf die Probe oder trennt sie ­ungewollt voneinander. Mit der Realität haben solche Drehbücher in den wenigsten Fällen etwas zu tun.

Eine realitätsbezogenere Form einer Liebesgeschichte bringt nun der in Feldkirch aufgewachsene Regisseur Hans Weingartner («Die fetten Jahre sind vorbei») ins Kino. Mit seinem Streifen «303» zeigt er, Liebe hat viel mehr mit Kommunikation und Zeit zu tun und weniger mit dem berühmten ersten Blick und der hollywoodmässigen Schnelligkeit.

Der Plot an sich ist simpel, umgesetzt ist er aber klug und ­lebensnah. Die 24-jährige Biologiestudentin Jule, gespielt von Mala Emde, will mit einem Mercedes-Wohnmobil Hymer 303, daher der Name des Films, von Berlin zu ihrem Freund Alex nach Portugal zu fahren, der dort seine Dissertation schreibt. Jule glaubt, sie sei seit wenigen Wochen schwanger, Alex weiss noch nichts. Auf einer Raststätte bei Berlin trifft Jule auf den gleich­altrigen Politikstudenten Jan, ­gespielt von Anton Spieker. Jan möchte nach Spanien, um seinen leiblichen Vater zu treffen, den er noch nie gesehen hat. Jule nimmt ihn als Anhalter in ihrem Wohnmobil mit.

3000 Kilometer, 3000 Blicke, 3000 Gedanken

Während der gemeinsamen Fahrt, 3000 Kilometer von Berlin über Belgien, Frankreich, Portugal und Spanien, finden sich die jungen Menschen zusehends in philosophischen Gesprächen mit Tausenden Gedanken vertieft. Sie sinnieren tiefgründig, engagiert über den Sinn des Lebens und die Natur des Menschen. Sie debattieren über Kapitalismus und Sozialismus, Liebe und Partnerwahl. In der Grundessenz geht es darum, wie eine bessere Welt aussehen könnte.

Während Jule an die romantische Liebe und Kooperation der Menschen glaubt, sieht Jan den Menschen viel mehr als Kreatur, der ständig in Wettbewerb mit anderen steht. «Es fängt schon bei Kindern an, die über eine Wiese gehen, eines der beiden will schneller sein als das andere.» Da Jule einen Freund hat, versuchen beide krampfhaft, sich nicht ineinander zu verlieben. Ein Vorhaben, das schlussendlich scheitert.

Authentische Schauspieler und natürliche Sprache

Weingartners Film beschreibt authentisch die Kennenlernphase zweier Menschen. Der magische Moment vor dem ersten Kuss, das Knistern und die Unsicherheit, wie man dem andern die Liebe gestehen soll. Genau deshalb ist der Film so realitätsnah. «303» ist ein kluges, philosophisches Roadmovie, das die Langsamkeit zelebriert. Als Zuschauer würde man am liebsten selbst mit einem Oldtimer-Wohnmobil in gemächlichem Tempo durch die Landschaft fahren. Es ist die Langsamkeit des Wohnmobils und der noch langsamer und behutsam entstehenden Liebe zwischen den beiden.

Als Zuschauer vergisst man während der 145 Minuten, dass es sich bei Jule und Jan in Wirklichkeit um Schauspieler handelt. So spontan und echt wirken ihre flammenden Debatten. Manchmal wirken die Gespräche sogar etwas allzu reif an Lebenserfahrung für 24-Jährige. Das liegt daran, dass der mittlerweile 47-jährige Autor Weingartner mehr als 20 Jahre an den philosophischen Gedanken für das Drehbuch gearbeitet hat.

Premiere im Kinok, 25. Juli, 19.30 Uhr, in Anwesenheit des Regisseurs Hans Weingartner sowie der beiden Hauptdarsteller Mala Emde und Anton Spieker.

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