«Liebe Nathalie Wappler» – ein offener Brief an die SRF-Direktorin zur Einstellung der Kultur-Sendung «52 Bücher»

Mit ihrem Sparprogramm eckt die SRF-Direktorin an. Zwei Dutzend Schriftstellerinnen fordern Wappler in einem offenen Brief dazu auf, die Sendung «52 Bücher» nicht abzusetzen.

Drucken
Teilen
SRF-Direktorin Nathalie Wappler spart bei der Kultur.

SRF-Direktorin Nathalie Wappler spart bei der Kultur.

Keystone

Das Radio steckt in einer Krise, die Zeiten werden nicht besser, es muss gespart werden. Sie, Nathalie Wappler, wurden berufen, um die Krise bei SRF an allen möglichen Fronten zu meistern. Das ist keine leichte Aufgabe, wie uns sehr wohl bewusst ist.

Aus Spargründen soll nun die Sendung «52 Beste Bücher» dem Rotstift zum Opfer fallen. Stattdessen, so entnehmen wir der Presse, soll die «Literaturberichterstattung ganzheitlich neu aufgestellt» werden.

Das angekündigte Ende von «52 Beste Bücher» trifft zum einen Ihre äusserst professionellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit denen wir seit vielen Jahren zusammengearbeitet haben, es trifft aber auch uns Autoren und Autorinnen, denen damit eine wichtige Plattform wegbricht.

Hier kamen die unterschiedlichsten Stimmen verschiedener Generationen zu Wort und konnten sich über ihre Bücher äussern, ohne lediglich kurze Werbestatements abgeben zu müssen. Ein Privileg, um das uns viele ausländische Kolleginnen und Kollegen beneidet haben, nicht zuletzt deshalb, weil aus der Schweiz ein etwas anderer Blick auf deren Werke geworfen wurde.

Wir können und wollen nicht glauben, dass Radio SRF besser aus der Krise kommt, indem es auf eine Sendung wie «52 Beste Bücher» verzichtet. Wir können und wollen auch nicht glauben, dass die zahl­losen Zuhörer und Zuhörerinnen, die uns immer wieder darauf angesprochen haben, darauf verzichten wollen.

Wir bitten Sie deshalb eindringlich, Ihre Entscheidung zu überdenken oder allenfalls adäquate Sendeplätze zu schaffen, auf denen die Literatur den Platz bekommt, den sie braucht.

Mit freundlichen Grüssen:

Alain Claude Sulzer, Klaus Merz, Peter Stamm, Melinda Nadj Abonji, Christian Kracht, Thomas Hürlimann, Martin R. Dean, Ruth Schweikert, Eva Menasse, Tim Krohn, Sibylle Berg, Adolf Muschg, Martin Suter, Dorothee Elmiger, Gertrud Leutenegger, Christian Haller, Jonas Lüscher, Nora Gomringer, Zora del Buono, Friederike Kretzen, Dana Grigorcea, Anna Stern, Simone Lappert, Melitta Breznik, Ingo Schulze