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Liebeskomödie mit Beatles-Revival: In «Yesterday» erinnert sich nur einer an deren Lieder.

Der britische Regisseur Danny Boyle fand die Idee grossartig: Niemand kennt die Beatles – ausser diesem armen kleinen Songwriter aus Suffolk. Sein Film punktet mit skurrilen Situationen, nostalgischem Sound und sympathischen Darstellern. Die romantische Liebeskomödie spurt allerdings bald auf eine vorhersehbare Moral ein.
Regina Grüter
Jack Malik (Himesh Patel) singt sich mit «Yesterday» ins Herz von Ellie (Lily James) und gerät in einen Copyright-Gewissenskonflikt. (Bild: Universal)

Jack Malik (Himesh Patel) singt sich mit «Yesterday» ins Herz von Ellie (Lily James) und gerät in einen Copyright-Gewissenskonflikt. (Bild: Universal)

Aus dem kollektiven Gedächtnis sind John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr verschwunden. Jack googelt die Beatles, und es erscheint ein «beetle», ein Käfer. Der Stromausfall hat auch noch andere popkulturelle Selbstverständlichkeiten getilgt, was wir hier nicht weiter ausführen wollen, um den gelungenen Running Gag nicht zu zerstören (viel der genialen Prämisse verpufft schon mit dem Trailer). Indem Jack die Songs der vier Männer aus Liverpool als seine eigenen ausgibt, kämpft er gegen das Vergessen an.

Äusserst sympathische Darsteller

Ziehen die Beatles heute noch? «Yesterday» beantwortet diese Frage ganz selbstverständlich mit Ja, obwohl wir das unmöglich wissen können. Aber das ist sein gutes Recht. Im Film, gerade in der romantischen Komödie, muss nicht immer alles logisch sein. Die fiktionalen Voraussetzungen gelten in der Welt des Films als real. Das reicht. Zusammen mit dem britischen Meister des Genres, Richard Curtis («Love Actually»), von dem das Drehbuch (nicht die Idee) stammt, hat Danny Boyle seine erste reine «Romcom» gedreht. Und die ist typisch britisch, mit äusserst sympathischen Darstellern.

Die Funken sprühen zwischen Lily und Jack

Lily James spielt die verkannte Liebe. Sie ist schon in Jack verliebt, seit der an einer Schulaufführung «Wonder Wall» von Oasis gesungen hat. Die 30-Jährige hat uns mit ihrer charmant-natürlichen Art in «Downtown Abbey» und jüngst als junge Donna in «Mamma Mia! Here We Go Again» umgehauen. Und die Funken sprühen zwischen ihr und Himesh Patel. Die Rolle des peinlichen, in Liebesdingen eben doch weisen Typen fällt Joel Fry («Game Of Thrones») zu, der damit würdig in die Fussstapfen von Rhys Ifans tritt. Und die amerikanische Komikerin Kate McKinnon ist die «böse» Studiobossin, die Jack mit Geld und Ruhm verführt.

Ellie und Jack singen ein Duett im Studio.

Ellie und Jack singen ein Duett im Studio.

Selbstironische Rolle für Ed Sheeran

Ed Sheeran rundet das Ensemble ab. Er spielt sich selbst, schön selbstironisch, und muss erkennen, dass er eben doch nicht der beste Songschreiber ist, den die Welt je gesehen hat. Man darf das alles nicht zu ernst nehmen. Aber, don’t mess with the Beatles! Das tun Curtis und Boyle – beide erklärte Beatles-Fans, wenn auch Boyle mehr Bowie und Led Zeppelin – auch nicht. Es ist erstaunlich, welch emotionale Kraft die Songs in einigen Szenen entfalten. Manche wirken auch ein bisschen angestaubt – Entschuldigung –, und man fragt sich, ob jemand ohne unser kulturelles Vorwissen dadurch in Ekstase geraten würde.

Ed Sheeran muss erkennen, dass er nicht der beste Songschreiber aller Zeiten ist.

Ed Sheeran muss erkennen, dass er nicht der beste Songschreiber aller Zeiten ist.

Nette kurzweilige Unterhaltung

Was, wenn das Leben von John, Paul, George und Ringo anders verlaufen wäre? Was führt uns dahin, wo wir stehen im Leben? Es sind Entscheidungen, unsere und die anderer, und Zufälle. Man kann in «Yesterday» durchaus eine philosophische Komponente sehen, auch wenn einem die filmische Entscheidung dazu vielleicht nicht gefällt – man wird sehen, was gemeint ist. Letztlich läuft der Film auf die simple Frage hinaus: Was willst du, ein Leben, das auf einer Lüge gründet oder auf Liebe? Manchmal kommt die Freundschaft, wenn sie zuerst da ist, der Liebe in die Quere. Manchmal sind es widrige Umstände, welche das vorprogrammierte Happy End hinauszögern. Hier sind es falsche Entscheidungen.

Wegen der Beatles muss man nicht ins Kino

Eine der grössten Schwachstellen hat der Film am Schluss, wenn das, was am Anfang niemand glaubte – nämlich, dass die Songs nicht von Jack stammen –, auf einmal keiner Erklärung mehr bedarf. Wer auf Richard-Curtis-Filme steht, kommt sicherlich auf seine Kosten. Danny-Boyle-Fans nicht unbedingt. In «Yesterday» ist mehr Curtis drin als Boyle. Wegen der Beatles-Songs muss man nur bedingt in den Film. Die hört man sich lieber zu Hause im Original an. Auch hat «Yesterday» nicht ganz das Zeug zum Klassiker wie «Four Weddings And A Funeral» oder «Love Actually». «Esch glaub no härzig», meinte der Operateur vor der Vorstellung. Ja, genau.

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