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Wenn Mama nicht vorlesen mag und 1134 Seiten sich über Jahre hinziehen

Eltern werden beim Vorlesen unfreiwillig zu Simultanübersetzern, Fantasy- Experten und Stimmenimitatoren und manchmal nervt Vorlesen auch. Fünf Anekdoten übers Vorlesen auf der Bettkante.
(KEYSTONE/PHOTOPRESS-ARCHIV)

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Für die Kleinen nur auf Schweizerdeutsch

Vorlesen? Auf Hochdeutsch? Einem Kind? Der Gedanke kommt mir seltsam vor. Wenn ich meinen Kindern aus einem Buch erzähle, paraphrasiere ich das selbstverständlich auf Schweizerdeutsch. Aktuell zum Beispiel «Der Räuber Hotzenplotz», Band 1, mit grossartigen Figuren, etwa der Zauberer Zwackelmann, der selber Kartoffeln («Härdöpfu») schälen muss. Und mit einer fantastischen Dramaturgie, die auf Kasperls und Seppels vertauschten Kopfbedeckungen beruht. Vorlesen? Vielleicht sollte ich meine Position bei Gelegenheit überdenken. Die Kinder werden ja auch grösser. Vielleicht hören sie mir irgendwann eher auf Hochdeutsch zu. Abgesehen davon, dass es für mich weniger anstrengend sein wird als das Simultanübersetzen auf Dialekt, puuh. Nur mein Hochdeutsch, das müsste dann noch etwas besser werden. (are)

Vorlesen geht mir zu langsam

Ich gebe es zu: Ich lese nicht gerne vor. Schon als Kind hatte ich fürs Zuhören nicht die nötige Muse. Das ging mir viel zu lange. Ich habe lieber selber gelesen. Im rasenden Tempo durch die gesamte Dorfbibliothek und Vaters Konsalik-Sammlung gleich noch dazu. Das Lesen beglückend sein kann, das Bücher einem Welten öffnen, das will ich meinen Kindern mitgeben. Also muss ich ihnen vorlesen. Mit dem Tempo bekunden ich dabei immer noch Mühe. Wie das dauert! Wie sich die Handlung in manchen Kinderbüchern in die Länge streckt - oder noch schlimmer, gar nicht vorhanden ist. Zum Glück sehen meinen Buben meine Augenverdreher beim Vorlesen nicht. Sie haben es auch knurrend akzeptiert, dass ich bei der Wahl der Vorlese-Bücher ein Wörtchen mitzureden habe. Die beiden wissen sich aber gut selber zu helfen. An regnerischen Tagen bauen sie sich Hütten aus Tüchern und «lesen» sich in ihrer Höhle selbst erfundene Geschichten vor. In der Hand «richtige Bücher ohne Bildli». Gerade gestern war es «Matto regiert». Sie sind definitiv mit dem Büchervirus infiziert. (kaf)

«Und es ist mir wurschtegal»

Bücher gibt es bei uns zu Hause nicht zu knapp, und ich habe in den letzten Jahren ausgiebig daraus gelesen: im Bett, am Strand, im Zug, überall. Manche müssen es dennoch immer wieder sein. «Ferien auf Saltkrokan» zum Beispiel, wenn der Alltag nervt und eine Insel in Schweden höchstes Glück wäre. Oder «Pu der Bär», obwohl unsere Töchter aus dem Teddybäralter längst heraus sind. Macht nichts, ich könnte das gar nicht so kurze Buch noch weitere fünfmal vorlesen. Meine jüngere Tochter habe ich gefragt: «Was ist für dich eine gute Geschichte?» und folgende Antwort bekommen: «Eine mit vielen verschiedenen Stimmen.» Das fordert! Pu, Ferkel, I-Ah und wie sie alle heissen, immer in der je eigenen Tonlage. Dazu noch ein «Gesumm», wie Pu seine herrlich absurden Dichtungen nennt. Da darf der Vorleserin nichts peinlich sein. Inzwischen bricht sie sich schon im vierten «Harry Potter»-Band die Zunge ab an all diesen unaussprechlichen Namen – und hat noch Tausende von Seiten vor sich. Die Mädchen feixen sachkundig. Und ich? Sehne mich zurück nach Pu’s Gesumm. Kostprobe gefällig? «Und es ist mir wurschtegal, dass ich nicht fett werd’ wie ein Aal...» Das wäre, still gelesen, sicher keine Lachträne wert gewesen. (bk.)

Jeden Abend «Herr der Ringe»

Vor ein paar Jahren packte mich ein seltsamer Ehrgeiz. Ich beschloss, meinem zehnjährigen Sohn J.R.R. Tolkien vorzulesen – zunächst den «Hobbit», dann den «Herrn der Ringe». In die Materie eingestiegen waren wir mit den «Hobbit»-Filmen im Kino. Danach kauften wir uns die DVDs der «Herr der Ringe»-Filme. Wir wurden Fans – obwohl ich es bis dahin abgelehnt hatte, beseelte Wesen in Kategorien wie Elben, Zwerge oder Orks einzuteilen. Sei`s drum. Nun war auch ich angefressen von genau diesen Elben und Orks. Und da der Sohn zu den gutmütigen Wesen zählt, willigte er ein, sich 333 Seiten «Hobbit» und 1134 Seiten «Herr der Ringe» anzuhören. Jeden Abend ein paar Seiten. Es wurde ein Ritual. Oft standen wir etwas neben der Handlung. Mochten aber Sprachmelodie und Vorlese-Rhythmus. Rückblickend findet der Sohn: «Ein bisschen langweilig war es manchmal, aber doch entspannt.» Ich sage mir heute insgeheim gern: «Ist halt ein Ork», wenn jemand mir blöd kommt. Das entspannt auch. (sh) Mit den Buddenbrooks auf der Autobahn

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