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LITERATUR: Dana Grigorcea: «Mein Roman lebt von der Sprache»

Einen Roman über eine Stadt im Sommer wollte sie schreiben. Nun hat sie im vorwinterlichen Baar gelesen – und die Herzen der Zuhörer erwärmt.
Dana Grigorcea, Autorin: «Wie wird man in repressiven Systemen zum Täter?» (Bild: Stefan KaiserPHOTO)

Dana Grigorcea, Autorin: «Wie wird man in repressiven Systemen zum Täter?» (Bild: Stefan KaiserPHOTO)

«Bukarest ist eine sehr lebendige Stadt», erzählt die Autorin Dana Grigorcea ihren Zuhörern in der Lesebaar am Freitagabend (siehe Box). 14 ­Gäste haben sich in der Bibliothek Baar eingefunden, etliche haben Grigorceas zweiten Roman «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» bereits gelesen. Die 1979 in Bukarest geborene Schriftstellerin und Filmdozentin, die in Bukarest und Brüssel deutsche und niederländische Philologie studiert hat und seit 2007 mit Mann und Kindern in Zürich lebt, wurde dieses Jahr beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mit dem 3sat-Preis ausgezeichnet. Doch zurück zu Grigorceas prämiertem ­Roman: «Ich wollte mit der Sprache darin den Rhythmus der Stadt wiedergeben», erklärt die überaus sympathische und offene Autorin. Den Rhythmus des lebendigen Bukarest also. Lebendig ist auch der prominente Gast der Lese­baar.

Dana Grigorcea erobert die Herzen ihrer Zuhörer im Sturm. Nicht nur mit den Sätzen aus ihrem Buch, die einem die osteuropäische Grossstadt poetisch näherbringen, wie etwa: «Der Einfall des Mondlichts hebt die Geometrie der Strasse auf.» Sondern auch mit ihren Erzählungen von sich selbst. Man erfährt einiges über den Opernfan Dana Grigorcea. Sie sei vis-a-vis der Oper in Bukarest aufgewachsen, im Regierungsviertel – das deshalb, weil der Urgrossvater einst Bürgermeister der Stadt gewesen sei. Ihre Kindheit habe sie in Liebe zu vielen Tenören verbracht – ­heute ist die 36-Jährige auch als Statistin in der Zürcher Oper unterwegs, um ihrer Leidenschaft nahe zu sein.

Doch Dana Grigorcea denkt auch politisch. Mit «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» habe sie den «Roman meiner Generation» schreiben wollen. «Wie politisch ist diese Generation, die nach der Wende die Pflicht hatte, eine Zivilgesellschaft zu gründen?» Und: «Wie wird man in repressiven Systemen zum Täter? Wie wird man unschuldig schuldig?» Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit sei ein trügerisches Gefühl – das Gefühl eines Kindes, das sich in seiner Familie geborgen fühle, aber doch in einer Diktatur lebe.

Auch ein leichter Roman

Nichtsdestotrotz ist Grigorceas zweiter Roman auch ein leichter Roman: ein Stadtroman, mit dem sich die Autorin nebenbei die Frage gestellt hat, wo man seine Stadt in anderen Städten entdecke. Ein Zuhörer spricht die Wahlzürcherin schliesslich auf ihren Weggang aus Rumänien an. «Ich wollte nie weggehen», erzählt Dana Grigorcea. «Aber es war wie eine Pflicht, die Reisen zu unternehmen, die meine Eltern nicht unternehmen durften. Ich bin aber immer wieder zurückgekehrt.» Wie die Protagonistin in ihrem Roman.

Susanne Holz

Die Autorin Dana Grigorcea (hinten in der Mitte) diskutiert in der Lesebaar mit Interessierten über ihr neuestes Buch. (Bild: Stefan Kaiser)

Die Autorin Dana Grigorcea (hinten in der Mitte) diskutiert in der Lesebaar mit Interessierten über ihr neuestes Buch. (Bild: Stefan Kaiser)

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