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LITERATUR: Das Geständnis einer geschundenen Seele

Nach dem Tod von Oscar Peer erscheint jetzt «Hannes». Der Protagonist wehrt sich gegen ein Schicksal, das es gut mit ihm meint.
Der Bündner Autor Oscar Peer (1928–2013). (Bild: PD/Yvonne Böhler)

Der Bündner Autor Oscar Peer (1928–2013). (Bild: PD/Yvonne Böhler)

Hannes Monstein weiss nicht, weshalb ihn die ausgesprochen schöne ­Franziska zum Mann genommen hat. Sie hätte jeden anderen haben können, nicht zuletzt seinen lebhaften Stiefbruder Paolo. Doch nein, ausgerechnet ihm wurde das Glück zuteil.

Zwei Tote, ein Erzähler

Glück haben ist das eine, doch man muss auch damit umgehen können. Der gescheiterte Pianist Hannes ist ein grüblerischer Mensch. Er denkt lieber an Dinge, die im «Leben nicht eingetreten sind». In Gesellschaft wirkt er linkisch und spröde. Von sich selbst sagt er, er sei «nicht im Stande, mich in fröhlicher Gesellschaft wohlzufühlen».

Eines Morgens meldet Hannes bei der Polizei zwei Tote, die er zu Hause auf dem Sofa erschossen vorgefunden habe. Es sind Franziska und Paolo. Er selbst sei, gibt er an, gerade eben mit dem Nachtzug aus Wien zurückgekehrt. Das Alibi erhält allerdings bald schon Risse, die vorerst unbeachtet bleiben. Er wird vom Verdacht des Mordes freigesprochen.

«Entschuldige Leser», erklärt sich Hannes seinem Publikum, er schreibe so, «als handelte es sich um einen andern». In seiner Erzählung rekapituliert er sein Leben im Korsett der eigenen Unlustigkeit. Im Zentrum steht das unverhoffte Glück mit Franziska, deren Vitalität und Charme er sich nicht gewachsen fühlt. Deshalb verliert er sie mehr und mehr an Paolo. Also doch ein Mord aus Eifersucht?

Der Verdacht erhärtet sich zunehmend. Der mittlerweile verstorbene Oscar Peer (1928–2013) enthüllt Zug um Zug einen schwierigen Charakter, indem er den Protagonisten selbst erzählen lässt. Eine «Art écriture automatique» nennt er es, doch eigentlich unterliegt sein Text einer strengen Logik der Demaskierung.

«Hannes» unterscheidet sich von Peers anderen Romanen. Die Titelfigur ist zwar ein für Peer typischer Einzelgänger und Gejagter, doch er lebt im verstädterten Unterland. Die Verbundenheit von Mensch und Landschaft, die Peers Bücher oft auszeichnet, tritt in den Hintergrund. Hannes lebt seine Wurzeln nur noch in einem Text über Jürg Jenatsch aus. Allerdings gerät ihm die Figur, wie ihm ein Freund attestiert, «viel zu harmlos»: Es ist die literarische Arbeit eines Feiglings.

Lebensbeichte

In diesem Licht erhält seine Tat einen frivolen Einschlag. Die Freiheit, zu der ihm der Freispruch verhilft, kann er nicht geniessen. Dies auch, weil ihm ein Kommissar immer wieder über den Weg läuft – bis sein Widerstand bricht.

Im Gefängnis entschliesst sich Hannes, «auf der Pritsche sitzend», alles aufzuschreiben. Der Roman als Geständnis einer geschundenen Seele. Diese Konstruktion bleibt ambivalent. Der Erzähler erinnert sich auf eine Weise, die nicht in allen Teilen glaubhaft wirkt. So wird der Fall am Ende aufgeklärt, doch die Frage der idealen Romankonstruktion bleibt ungelöst.

Beat Mazenauer, SFD

Oscar Peer: «Hannes». Roman. Limmat Verlag, Zürich. 282 Seiten, 36 Franken.

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