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LITERATUR: Das Seetal ist kulturell international

Der heute startende 18. Seetaler Poesiesommer findet von Skandinavien bis nach Italien statt – mit einem starken Fokus in der Region selber. Das leise Festival ist mehr denn je eine Entdeckung wert.
Pirmin Bossart
Poesiesommer-Leiter Ulrich Suter im Rosengarten von Schloss Heidegg. (Bild: Boris Bürgisser (6. Juli 2017))

Poesiesommer-Leiter Ulrich Suter im Rosengarten von Schloss Heidegg. (Bild: Boris Bürgisser (6. Juli 2017))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Die literarische Veranstaltung «Seetaler Poesiesommer» – ein über mehrere Wochen verteiltes Festival – zwickt jedes Jahr die Gehirnwindungen: Wann fährt man endlich hin? Ist das Seetal zu weit weg? Wird man zu fest abgelenkt von «Big Names», die im Veranstaltungsdschungel locken? Keine wirklichen Argumente.

Es stimmt: Die herkömmlich bekannten Namen sind im Programm des Poesiesommers kaum vorhanden. Ulrich Suter, der das Festival jedes Jahr mit viel Liebe und Hartnäckigkeit auf die Beine stellt, hat anderes vor. «Die bekannten literarischen Namen sind auch anderswo zu erleben. So sehr ich viele von ihnen schätze: Ich interessiere mich mehr für Autoren und Projekte, die man nicht so kennt und die selten zu hören sind.»

Literarisches geht in Musikalisches über

In den letzten Jahren ist das Festival immer mehr spartenübergreifend geworden, und es beschränkt sich nicht einzig auf Poesie. Auch andere Textformen sind vertreten. Vor allem aber geht das Literarische oft über die reine Lesung hinaus ins Musikalische und Visuelle. «Literatur ist im Zentrum, aber mit vielerlei Verknüpfungen.» So kommt es dank Suters Vernetzungsarbeit sogar dazu, dass in der Tate Britain in London Vierwaldstättersee-Aquarelle von J.M.W. Turner mit Clavichord-Werken vertont werden – durch Schweizer Komponisten. Auch das ist Poesie, einfach ohne Worte.

Ein zentraler Teil des Festivals ist der Seetaler Musiker und Clavichord-Experte Hansruedi Zeder, der viele Anlässe begleitet und auch weitere Interpreten dieses Instruments ins Seetal lockt. Das Miniaturklavier-ähnliche Clavichord, das 1396 erstmals nachweisbar verwendet wurde, spielte im 17. und 18. Jahrhundert eine grosse Rolle in der häuslichen Musik. Es soll das Lieblingsinstrument von J. S. Bach gewesen sein. Mozart hat «Die Zauber­flöte» damit komponiert.

«Das Clavichord ist im gängigen Konzertbetrieb nie zu hören. Bei uns hat es seit Jahren einen festen Platz in den Programmen.» Es ist ein leises Instrument. Dies passe gut in unsere Zeit, sagt Suter, der den Poesiesommer «das literarische Festival der leisen Töne» nennt. «Das Leise ist ein Kontrast, der neue Hörerfahrungen bietet. Daran möchte ich festhalten.»

Verschiedene Schweizer Sprachregionen

Von Anfang an hat Ulrich Suter die Sprachregionen in der Schweiz stark gewichtet. Regelmässig treten im Seetal Westschweizer und Tessiner Autoren und Autorinnen auf. Immer wieder kriegt er von ihnen anerkennend zu hören, dass sie sonst praktisch keine Chance hätten, in der Deutschschweiz ihr Schaffen vorzustellen. Doch die Sprachenvielfalt am Poesiesommer erstreckt sich seit einigen Jahren bis nach Irland, England, Skandinavien, Deutschland, Italien. Dieses Jahr ist erstmals Dänemark dabei.

Kulturaustausch liegt Suter am Herzen: «Soll er echt sein, muss er beide Seiten berücksichtigen.» So kommt es, dass Schweizer Literaturschaffende im Rahmen des Poesiesommers nicht nur in Italien oder Skandinavien zu hören sind, sondern auch Literaturschaffende oder Kooperationen aus diesen «Gastregionen» ins Seetal kommen.

Begonnen hatte dieser internationale Austausch vor Jahren mit einem Projekt in Stockholm. «Dort gibt es das Hallwylska-Museum, das durch verwandtschaftliche Bande mit der Familie von Schloss Hallwyl verbunden ist.» Seitdem hat Suter mit seinen ausgestreckten Fühlern und seinen Ideen weitere Ableger des Festivals im Ausland geschaffen, etwa in Triest, wo dank diesem Austausch ein eigenes Poesiefestival entstanden ist, das mit dem Poesiesommer zusammenarbeitet.

Leidenschaft und das Geld

So findet der Seetaler Poesiesommer dieses Jahr nicht nur im luzernischen und im aargauischen Seetal statt (Heidegg, Lieli, Hohenrain, Hitzkirch, Hochdorf, Hallwyl, Beinwil), sondern auch in Italien, Dänemark, Deutschland, Norwegen, Schweden, Irland und England. Weitere Programme werden in Prangins, Faido und Guarda durchgeführt. Die internationalen Ableger finden jeweils als Auftakt (Juni/Juli) und als Nachtakt (August/September) statt. Dazwischen, vom 9. Juli bis 13. August, ist die Zeit für den Poesiesommer im Seetal.

Noch ist es Ulrich Suter nicht gelungen, das Festival ohne Defizite über die Runden zu bringen. Der Aufwand ist enorm, die Leidenschaft von Suter nicht minder. Der Schongauer Kulturschaffende leistet eine Arbeit, die Schweizer Regionen und das europäische Ausland miteinander verbindet und auch marketingmässig einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leistet.

Hinweis

Seetaler Poesiesommer: Ab heute bis zum 13. August. Gesamtprogramm unter www.heidegg.ch.

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