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LITERATUR: Der kleine Prinz spricht jetzt wie heutige Kids

Peter Stamm hat den Kinderbuchklassiker «Der kleine Prinz» neu übersetzt. Jetzt wird er auch von der Generation Facebook verstanden.
Der kleine Prinz ist im 21. Jahrhundert angekommen. (Bild: PD)

Der kleine Prinz ist im 21. Jahrhundert angekommen. (Bild: PD)

Man kann in vorliegendem Fall vom schlechtestgehüteten Geheimnis der Literaturgeschichte sprechen. Von 140 Millionen Erwachsenen weitererzählt, von 140 Millionen Kindern neugierig belauscht, vielleicht kennen Sie es selbst? «Es ist sehr einfach», sagt sein Hüter, der Fuchs: «Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wichtigste ist für die Augen unsichtbar.»

Diese Wahrheit erfährt der kleine Prinz im gleichnamigen Kinderbuchklassiker von Antoine de Saint-Exupéry. Der renommierte Schweizer Autor Peter Stamm hat das Buch neu übersetzt. Ein längst fälliger Schritt, findet er. Denn: «Die Übersetzung von Grete und Josef Leitgeb, die während Jahrzehnten die einzige war, ist zum einen ziemlich fehlerhaft und noch dazu in die Jahre gekommen.»

Sogar auf Berndeutsch

Weil die Autorenrechte aber nach Ablauf des 70-jährigen Copyrights nun freigegeben seien, erschienen gleich mehrere deutschsprachige Neuausgaben parallel, erklärt der Schriftsteller. Er meint lachend: «Jede Leserin, jeder Leser kann selbst entscheiden, welche für sie oder ihn die richtige ist.» Wer will, kann den kleinen Prinzen seit neuem sogar auf Berndeutsch lesen (in der Übersetzung des Kinderbuchautors Lorenz Pauli).

Peter Stamm sucht mit seiner Fassung weniger nach Ausgefallenem. Vielmehr geht sein Prinz den Königsweg zwischen poetisch und prosaisch: Die Geschichte wirkt griffiger, moderner, belebter als die Übersetzung von 1950 (übrigens beim Zürcher Arche-Verlag erschienen), in der seinerzeit nicht das «Wichtigste», sondern «das Wesentliche für die Augen unsichtbar war». Er habe versucht, «den Text für Kinder verständlich zu machen, ihn etwas zu vereinfachen, ohne ihm seinen Zauber zu nehmen», sagt der Autor. Ein kluger Entscheid. Denn schon 1943, beim Erscheinen des Originals, stiess dessen tiefsinnige Einfachheit die Leser vor den Kopf. Von Antoine de Saint-Exupéry, dem rasanten Berufspiloten mit philosophischer Schlagseite, war man einen anderen Ton gewohnt. Selbst wäre er wohl auch kaum auf den Gedanken gekommen, für Kinder zu schreiben.

Schuld daran war eine Serviette. Auf ihr kritzelte Saint-Exupéry bei einem Dinner mit seinem New Yorker Verleger Curtice Hitchcock gedankenverloren herum, bis eine Knabenfigur Gestalt annahm.

Der Verleger war Feuer und Flamme: Der Figur, die Saint-Exupéry als seinen «Kumpel» bezeichnete, den er im Herzen mit sich herumtrage, gehöre schleunigst ein eigenes Märchen gewidmet. 1943 erschien in New York «Der kleine Prinz» zunächst also auf Englisch.

Und war alles andere als ein Erfolg. Zu kindlich für Erwachsene, zu erwachsen für Kinder, hiess das Urteil. Teilt Peter Stamm, selbst Vater zweier Söhne, diese Ansicht? «Absolut nicht», betont er vehement. «Kinder haben ja viele Fragen an das Leben. Und die Antworten von Saint-Exupéry sind nicht kompliziert, nur schwierig umzusetzen.»

Hört man dem Prinzen noch zu?

Im Fadenkreuz von Literatur und Leben verortet der Schweizer auch die Gemeinsamkeit der Autoren Stamm und Saint-Exupéry: «Vielleicht ging es ihm wie mir nie nur um eine gute Geschichte, sondern auch um Lebensfragen, etwa darum, wie man leben soll.» Als Saint-Exupéry 1944 über dem Meer abstürzte, wurde «Der kleine Prinz» zu seinem Vermächtnis. Und zum Welterfolg.

Millionen Mal erzählt und gehört, scheint das Geheimnis des Fuchses, mit dem Herzen zu sehen, in der heutigen Selfie-Facebook-Gesellschaft zu verhallen. Wollen wir dem kleinen Prinzen gar nicht mehr zuhören? Stamm zögert: «Vielleicht wird das Buch immer noch gelesen, weil die Botschaft aktuell ist wie vor siebzig Jahren», meint er. Und fügt an: «Bücher verändern nicht die Welt, aber sie können dem einen oder der anderen helfen, Dinge anders zu sehen.»

Anna Kardos

Antoine de Saint-Exupéry: Der kleine Prinz. Neu übersetzt von Peter Stamm. Fischer, 136 Seiten, Fr. 12.90. Ab 7 Jahren.

De chly Prinz. Ins Berndeutsche übersetzt von Lorenz Pauli. Lokwort, 96 Seiten, Fr. 28..

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