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LITERATUR: Die Unerschrockene

In Nazideutschland wurden ihre Bücher beschlagnahmt, lange musste Irmgard Keun auf Anerkennung warten. Nun ist im Wallstein-Verlag eine Gesamtausgabe der politisch unterdrückten Autorin erschienen.
Irmgard Keun Bild: Getty (Bild: Getty)

Irmgard Keun Bild: Getty (Bild: Getty)

«Sie hält es fest in der Hand, ihr kleines Leben, das Mädchen Gilgi. Gilgi nennt sie sich, Gisela heisst sie.» Als Irmgard Keun den Roman «Gilgi, eine von uns» im Jahr 1931 veröffentlichte, war sie erst 26 Jahre alt. «Zu schlanken Beinen und kinderschmalen Hüften, zu winzigen Modekäppchen, die auf dem äussersten Ende des Kopfes geheimnisvollen Halt finden, passt ein Name mit zwei i.» Die Sätze könnten auch gut auf sie selbst gepasst haben. Eine Frau, die ihr Leben «fest in der Hand» hält – und doch ein klares Bewusstsein davon hat, wie schnell man dies als Frau oft selbst aufgibt.

Nach einer kurzen Bühnenlaufbahn war die 1905 in Berlin geborene und weitgehend in Köln aufgewachsene Irmgard Keun als Schriftstellerin nicht nur mit «Gilgi», sondern im Sommer 1932 auch mit «Das kunstseidene Mädchen» hervorgetreten, die beide zu sensationellen Bucherfolgen wurden. Aber die Nazis setzten Keuns Bücher schon 1933 auf die Vorläufer der späteren «Schwarzen Listen» und beschlagnahmten sie. «Mich macht das gottverdammte Regime krank – die Luft ist vergiftet, man wagt nicht mehr zu atmen, geschweige denn zu denken», schreibt sie. Mutig stellte sie eine Schadenersatzklage wegen der Beschlagnahmung ihrer Bücher, aber nach deren Ablehnung und mehrfachen Hausdurchsuchungen spitzte sich die Lage für sie so zu, dass sie 1936 ins Exil nach Belgien ging, später Frankreich, den Niederlanden und in die USA. Nazideutschland hinter sich gelassen zu haben, bedeutete zunächst enorme Erleichterung und auch sofortige Verträge mit dem Allert-de-Lange-Verlag in Amsterdam, bei dem 1936 «Das Mädchen, mit dem die Kinder nicht verkehren durften» erschien.

1938 reiste sie nach Amerika, aber: «Es widerstrebte mir, sicher und wohlbehütet in Amerika zu sitzen und wie von einem Logenplatz aus die europäische Katastrophe anzusehen.» Im be- setzten Holland wurde die Lage immer gefährlicher, Keun entschloss sich zur Rückkehr und heimlichen Existenz in Deutschland. «Grau und trostlos und schauerlich» seien diese Jahre gewesen. Auch nach dem Krieg war ihr «Hauptangriffsziel das dreiste, allenfalls durch konservativ-religiöse Draperie bemäntelte Fortleben von NS-Denkweisen und NS-Verhaltensmustern ...», wie es im Kommentar der Werkausgabe heisst. Keuns weiterhin grosse und vielfältige Produktivität ging nun einher mit einer «Haltung von Resignation und Verweigerung». Durch Einflüsse alter Nazis, durch die Verfemung der Exilliteratur, durch etliche Umstände sei Keuns Erfolg erneut «abgeschnitten, gewaltsam verhindert» worden, so ihr Kollege Hermann Kesten.

Doch in den späten 1970er-Jahren erlebte Irmgard Keun eine Wiederentdeckung. Ihr Werk erschien in Neuauflage, sie war in Lesungen und Vorträgen gefragt, «Nach Mitternacht» wurde verfilmt, 1981 erhielt sie den Marieluise-Fleisser-Preis. «Diese Anerkennung hat sie genossen», sagte ihre 1951 geborene Tochter Martina Keun-Geburtig vor kurzem in einem Interview. Am 5. Mai 1982 ist Irmgard Keun in Köln gestorben.

Bernadette Conrad

Irmgard Keun: Das Werk. Wallstein-Verlag, 2044 S., Fr. 51.–

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