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LITERATUR: Grosse Fragen prallen auf die kleinen Dinge

Auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis sind zwei der sechs Autoren Schweizer. Jetzt müssen sie auf die Laune der Jury hoffen.
Monique Schwitter... (Bild: Keystone)

Monique Schwitter... (Bild: Keystone)

Kurz, aber oho! So präsentiert sich die Shortlist für den Deutschen Buchpreis – zumindest aus Schweizer Sicht. Unter den sechs Nominierten finden sich neben vier deutschen Autoren nämlich auch zwei aus der Schweiz: Monique Schwitter (*1972) und Rolf Lappert (*1958). Letzterer ist, was Shortlists angeht, sogar Wiederholungstäter: Schon 2008 war er für den wichtigsten deutschsprachigen Literaturpreis nominiert.

Ertrunkenes Baby

Diesmal hat es der Aargauer mit seinem neuen Buch «Über den Winter» ins literarische Finale geschafft. Kein lautes und auch kein leichtes Buch ist es: Der Künstler Lennard Salm findet darin am Meer ein ertrunkenes Baby auf einem Flüchtlingsboot. Wenig später stirbt auch seine ältere Schwester, was den rund 50-Jährigen erstens in eine künstlerische Krise und zweitens zurück zu seiner Familie treibt. Zurück zu seiner jüngeren Schwester Bille, der erklärten Lebenskünstlerin mit Schattenseiten; zurück zu seinem gebrechlichen Vater, mit dem Salm ein dunkles Geheimnis teilt – und nicht zuletzt zurück in die eigene Kindheit, in der Salm vieles geahnt, aber nicht verstanden hat.

Gestorben wird auch bei Monique Schwitter («Eins im Andern») viel und oft lustig: «Wir stapfen (...) durch den Buxtehuder Wald und suchen das Grab seiner Mutter. Nathanaels Mutter ist nicht tot, nur dement, aber ihr Mann Achim plant bereits ihre Bestattung.» Und auch hier ist die Heldin Künstlerin, genauer: Autorin, wie Schwitter. Nur, dass ihr Blick zurück weniger der Familie gilt, als dem Liebesleben – also jenen zwölf Männern, auf die Schwitters Heldin sich bisher eingelassen hat.

Dass Schweizer Schriftsteller es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises schaffen, ist nicht ungewöhnlich (2015 hat Ralph Dutli den Sprung von der Longlist auf die Shortlist nicht geschafft). Nur einmal aber gelang das bislang zwei Autoren gleichzeitig (Alex Capus und Jens Steiner im Jahr 2011). Was also ist es, das die Bücher von Lappert und Schwitter so besonders macht?

Leben mit Pumps und Make-up

Vielleicht: Leben. Jetzt. Denn nichts anderes ist der Inhalt beider Romane und führt als roter Faden durch die Handlung. Nur, dass das Leben bei Monique Schwitter eine ordentliche Ladung Make-up und Pumps trägt. Der zweite Punkt ist, dass dieses Leben bei Schwitter wie Lappert eine eigenständige Sprache findet: Unaufgeregt, aber mit grandios schlagfertigen Dialogen erzählt Lappert von der Suche seines Helden nach dem, was wirklich zählt im Leben. Das Schwere wird leicht, und oft fühlt man sich an französische Filme erinnert, in denen minutenlang nur geredet wird, und man dennoch mal amüsiert, mal gebannt zuschaut.

Auch Schwitter beherrscht die Kunst des Dialogs. In ihrem Buch prallen die grossen Fragen auf die kleinen Dinge – manchmal skurril, manchmal schlicht lebensecht.

So heben sich beide Bücher ab von altmeisterlich-bedeutungsvollen Romanen grosser Literaten. Während diese das Lesergemüt mit einem vokabulartechnischen Grossfundus und exorbitant gezwirbelten Satzkonstruktionen kitzeln, katapultieren sie sich dabei – was ihre Lebendigkeit angeht – ein wenig ins Abseits.

Hohe Kunst mit wenig Bodenhaftung – diese Gefahr droht weder bei Lappert noch bei Schwitter. Ob sie sich am 12. Oktober gegen die Mitfinalistinnen Jenny Erpenbeck («Gehen, ging, gegangen») und Inger-Maria Mahlke («Wie Ihr wollt») werden durchsetzen können oder ob sich die Romane von Ulrich Peltzer («Das bessere Leben») und Frank Witzel («Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969») behaupten können, hängt wohl von persönlichen Vorlieben der Jurymitglieder ab. Das Zeug dazu hätten sie.

Anna Kardos

... und Rolf Lappert können auf den Buchpreis hoffen. (Bild: Keystone)

... und Rolf Lappert können auf den Buchpreis hoffen. (Bild: Keystone)

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