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LITERATUR: Hans Leopold Davi: Die Annäherung an den Lebenssinn

Der Luzerner Lyriker Hans Leopold Davi ist im Alter von 88 Jahren gestorben. In vielen Gedichten zeigte er sich kritisch dem Leben und den Menschen gegenüber.
Charles Linsmayer
Hans Leopold Davi wollte das Tragische nicht ausklammern. (Bild zvg)

Hans Leopold Davi wollte das Tragische nicht ausklammern. (Bild zvg)

Bis fast zuletzt lebte Hans Leopold Davi, liebevoll umsorgt von seiner Frau Silvia, die Malerin ist und ebenfalls schreibt, an der Hünenbergstrasse in Luzern. Er arbeitete weiter an seinen spanischen Gedichten und war als leidenschaftlicher Leser mit der Literatur vieler Sprachen verbunden. Erst kürzlich musste er im Elisabethen-Heim aufgenommen werden. Dort verstarb er am Freitag, wie die NZZ gestern vermeldete.

Pariser Anfänge

«Wo ist das Du, das unbekannte

Das meine Träume nährt?

Wo ist das Du, das unbenannte,

Das Heimat mir gewährt?»

Die sehnsüchtigen Verse bilden die dritte Strophe des Gedichts «Nächtliche Heimkehr», das im 1952 von der Pariser Druckerei Georges Girard publizierten Band «Gedichte einer Jugend» enthalten war. Am 10. Januar 1928 als Auslandschweizer mit Bürgerort Kaltbrunn auf Teneriffa geboren, absolvierte Davi damals in Paris ein Buchhandelspraktikum.

Dem deutschsprachigen Debüt folgte 1956, als Davi Buchhändler in Zürich war, im Diogenes-Verlag der Band «Spuren am Strand», welcher spanische Gedichte mit eigener deutscher Übersetzung enthielt. Das war auch bei den 1959 erschienenen «Kinderliedern» der Fall, von deren «Zauber und Zartheit» Nobelpreisträger Vicente Alexandre noch Jahre später schwärmte. Diese Zweisprachigkeit setzte Davi auch im Band «Stein und Wolke» von 1961 und in all seinen Lyrikbänden bis hin zum bisher letzten fort, der 2000 unter dem Doppeltitel «Me escaparé por el Hueco de la Chimenea»/«Ich werde durchs Kaminloch entkommen» beim Madrider Verlag Editiones La Palma erschien.

Verknappt und intensiv

Bei geradezu lakonischer Verknappung der sprachlichen Form sind Davis Gedichte von einer hohen geistigen Konzentration und lyrischen Intensität. Sie stehen in der grossen Tradition der abendländischen Lyrik und bleiben bei aller gelegentlichen Kühnheit im Formalen stets klar und verständlich.

Thematisch umfassen sie die Verwunderung über das Unheimlich-Unbegreifliche ebenso wie die Suche nach dem unbekannten Gott. Und im Tiefsten sind es fast immer Versuche, dem Sinn des Lebens, dem Sinn des Todes, dem Sinn der Liebe, aber auch dem Sinn von Unglück, Hass und Not näherzukommen.

Einsatz für Menschenrechte

Davi, der oft auch als begnadeter Übersetzer hervorgetreten ist – Dürrenmatt, Hilde Domin und eine ganze Reihe seiner Schweizer Kollegen übertrug er ins Spanische –, war aber keineswegs bereit, um des künstlerisch Schönen willen Unerfreuliches totzuschweigen. So thematisierte er immer wieder die Schrecken der Franco-Diktatur, in seinem Gedicht über die Nationalbibliothek von Buenos Aires kam er 1990 mit deutlichen Worten auf die ungesühnten Menschenrechtsverletzungen der argentinischen Militärdiktatur zu sprechen – «Oder gilt in diesen Breitengraden und andern ein Mensch vielleicht/weniger als ein Buch oder ein Dokument?» Und schon in einem Gedicht von 2000 beklagte er eine Flüchtlingspolitik, bei der gültige Ausweispapiere mehr gelten als menschliche Not.

Die sehnsüchtigen Anfänge aber hat Hans Leopold Davi, der 2007 im Band «Erlebtes und Erdachtes» einiges über seinen äusseren und inneren Lebensweg erzählte, nie verraten, und noch das «Gebet eines alten Mannes» von 1999 endet mit dem Wunsch:

«Etwas sein:

ein Hauch des Morgenwinds

ein Stäubchen des Polarsterns

eine flüchtige Spur

in deinen lichtesten Träumen.»

Charles Linsmayer

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