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LITERATUR: Martin Werlen: Die Umkehr nicht nur predigen

Mönch Martin meldet sich mit einem neuen Buch zurück. Einmal mehr zeigt er sich weltoffen, menschlich, empathisch. Und er wünscht sich, dass auch die Kirche neue Wege geht, wo es angezeigt ist.
Andreas Faessler
Widmet sich in seinem neuen Buch dem Thema der Umkehr: der Einsiedler Benediktiner und ehemalige Kloster-Abt Martin Werlen.Bild: Andreas Faessler (Zürich, 23. November 2014)

Widmet sich in seinem neuen Buch dem Thema der Umkehr: der Einsiedler Benediktiner und ehemalige Kloster-Abt Martin Werlen.Bild: Andreas Faessler (Zürich, 23. November 2014)

Im Strassenverkehr warnen uns Schilder vor Sackgassen. Sie bewahren uns davor, dorthin zu fahren, wo es nicht mehr weitergeht. Sie ersparen uns ein Wendemanöver. Im Leben aber sind wir nicht immer davor gefeit, in Sackgassen zu geraten und plötzlich vor einer unüberwindbaren Mauer zu stehen. Wir haben dann keine Wahl: Wir müssen umkehren, bevor wir uns vergeblich um ein Weiterkommen bemühen und schliesslich verzweifelt resignieren.

In seinem neuen Buch «Wo kämen wir hin?» schreibt der Einsiedler Benediktinermönch und einstige Abt Martin Werlen von der Umkehr – ausgehend vom berühmten Zitat des Schweizer reformierten Pfarrers und Dichters Kurt Marti. In vielen kürzeren und auch längeren Kapiteln, inhaltlich oft voneinander losgelöst, wirft Werlen einen Blick auf die Ge­tauften als Gemeinschaft, was sie umtreibt, wo und warum sie sich in Sackgassen befinden. Und er nimmt sich auch in deutlichen Worten die katholische Kirche zur Brust, auf welche der Buchtitel­zusatz «Für eine Kirche, die Umkehr nicht nur predigt, sondern selber lebt» konkret abzielt. Hinsichtlich der immer wieder kontrovers diskutierten Themen wie Macht, Frauen und Sexualität führt der Benediktiner seine Gedanken aus, in denen stets subtil, aber zuweilen auch konkret ausgesprochen, die Aufforderung zur Umkehr mitschwingt.

Steht die Kirche sich in manchen Punkten nicht selbst im Wege? Wo käme sie hin, wenn sie umkehren und neue, andere Wege gehen und sich von manchen, seit Jahrhunderten gelebten Gepflogenheiten lossagen würde, die in Wahrheit wenig christlich sind? Wo kämen die Getauften hin, wenn sie dasselbe tun würden? Zumindest in manchen Belangen des Lebens. Wenn Werlen von der Gemeinschaft der Getauften redet, meint er jeweils indirekt auch die Kirche, denn «die Kirche sind wir alle», sagt er. Und Gottes Gegenwart sei nicht nur dort zu suchen, wo wir sie vermuten, sondern Gottes Gegenwart sei da zu suchen, wo wir sind.

Wie ein Esel durchs Leben gehen

Der Autor bringt wiederholt Geschichten aus seinem eigenen Leben ein, welche der Leser stets auf persönliche Weise für sich adaptieren kann. Warum ist Murren kontraproduktiv für die Gemeinschaft? Warum soll der Mensch wie ein Esel durchs Leben gehen? Mit Gleichnissen aus der Bibel und dem Leben des Menschen von heute veranschaulicht der Autor wiederholt seine Mission. Und einmal mehr gibt sich Werlen als grosser Verehrer des amtierenden Papstes zu erkennen und verleiht dessen Botschaften mit eigenen Worten Nachdruck.

Auch wenn Werlens neues Buch erklärtermassen an die Getauften gerichtet ist, die den christlichen Glauben leben, so finden dennoch Kirchenferne oder atheistisch lebende Leser in zahlreichen Kapiteln wertvolle Denkanstösse zur Reflexion. Und zu guter Letzt löst Werlen auch das Geheimnis um seine Lieblingszahl 153 auf – genau so viele Kapitel umfasst das Buch.

Hinweis

Martin Werlen: Wo kämen wir hin?, Herder Verlag, Taschenbuch, 192 Seiten, ca. Fr. 29.–.

Andreas Faessler

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