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LITERATUR-NOBELPREIS: Der Saustall macht Pause

2018 wird kein Nobelpreis für Literatur verliehen. Das hat gestern die Akademie entschieden, die sich mit Intrigen selbst lahmgelegt hatte.
Hansruedi Kugler
Mit viel Pomp feiert sich das Nobelpreiskomitee jedes Jahr bei einem Galadinner in Stockholm selbst. (Bild: Hendrik Montgomery/AP)

Mit viel Pomp feiert sich das Nobelpreiskomitee jedes Jahr bei einem Galadinner in Stockholm selbst. (Bild: Hendrik Montgomery/AP)

Hansruedi Kugler

Es ist jammerschade. Der wichtigste Literaturpreis der Welt fällt dieses Jahr aus. Keine Autorin, kein Autor bekommt dieses Jahr jene globale Aufmerksamkeit, die nur der Nobelpreis bewirken kann. Und dies, weil sich die verleihende Akademie bis auf die Knochen blamiert und ihre Glaubwürdigkeit verloren hat. Gestern hat die Schwedische Akademie auf die Belästigungs- und Korruptionsvorwürfe reagiert – auch unter Druck des schwedischen Königs – und streute sich Asche aufs Haupt: Die Krise habe das Vertrauen in die Akademie beschädigt und bedrohe das Ansehen des Nobelpreises für Literatur, heisst es in der Mitteilung.

Wie es nach der selbstverordneten Zwangspause personell weitergeht, bleibt vorderhand offen. Die Akademie erklärt jedoch, dass der diesjährige Preis lediglich verschoben werde. 2019 werde es zwei Nobelpreisträger für Literatur geben, die gleichzeitig bekanntgegeben werden. «Die aktiven Mitglieder der Akademie sind sich bewusst, dass die ­Vertauenskrise zu einer energischen Reformarbeit verpflichtet», heisst es in der Erklärung.

Filmreifes Drehbuch mit Sex, Korruption und Hass

Zu Recht machte in den vergangenen Wochen das Schimpfwort «Saustall» die Runde. Denn seit November 2017 schreibt die Akademie zum Erschrecken der Öffentlichkeit selbst ein filmreifes Drehbuch: sexueller Missbrauch, Korruption, Intrigen und öffentlicher Hass – und all das in pompösen Gewändern und vor vergoldeten Kulissen. Die Reputation ist futsch und plötzlich wirkt das aristokratische Gehabe dieser Nobelpreis-Verleihung lächerlich und aus der Zeit gefallen. Bescheidenheit gehört nicht zu den Haupttugenden dieser Akademie: Wahl auf Lebenszeit, Wohnrecht in Liegenschaften auf der ganzen Welt, akademieeigenes Restaurant, grotesk anmutende aristokratische Rituale mit Galadiners. All das schmeckt nach Selbstgefälligkeit.

Der schwedische König greift ein

Öffentliche Beschimpfungen unter Akademiemitgliedern führten das Gremium endgültig in einen desolaten Zustand. An eine einvernehmliche Verleihung des diesjährigen Nobelpreises war nicht mehr zu denken. Mit noch 10 von 18 Mitgliedern ist das Gremium derzeit ohnehin unterbesetzt. Da die Mitglieder auf Lebenszeit gewählt sind und ihr Amt nur sistieren, aber nicht zurücktreten können, musste der schwedische König eingreifen: Als Schirmherr der 1786 gegründeten Akademie, die seit 1901 den Nobelpreis für Literatur verleiht, ist er der einzige, der die Statuten ändern kann. Nun ist ein Rücktrittsrecht mit Neuwahlen möglich, und Mitglieder, die zwei Jahre lang ihr Amt sistieren, können ersetzt werden. Der König selbst hat aber kein Wahlrecht. Neue Mitglieder müssen von den verbliebenen Akademiemitgliedern bestimmt werden.

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