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LITERATUR: Vier Jahreszeiten und ein Kind

Was für ein neues Buch schreibt ein Schriftsteller, der alles über sich erzählt hat? Wieder eines, das mit ihm selbst zu tun hat. Karl Ove Knausgård meldet sich mit «Im Herbst» zurück.
Alexandra Stahl (dpa)
Der Autor Karl Ove Knausgård. (Bild: PD)

Der Autor Karl Ove Knausgård. (Bild: PD)

Karl Ove Knausgård hat wieder ein Buch geschrieben. Genau genommen sind es vier Bände. Und auch diesmal geht es vor allem um ihn selbst. Mit sechs autobiografischen Romanen wurde der Norweger weltberühmt, sie wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und mit Preisen überschüttet. Jedes noch so schamhafte Detail seines Lebens breitete der Schriftsteller darin aus, und auch das grosse Ganze: den Tod des Vaters, Kinderkriegen, Vatersein, Eheprobleme. Was kann da noch kommen? Karl Ove Knausgård setzt nun wieder bei sich selbst an.

«Im Herbst» ist ein sehr persönliches Buch aus 60 kurzen Texten, das der 48-Jährige einer seiner Töchter gewidmet hat. Er will ihr darin die Welt erklären – und schreibt über alles, zu dem ihm etwas einfällt. Das sind alltägliche Dinge wie Äpfel, Konservendosen oder Herbstlaub. Oder es ist Abstraktes wie Schmerz, Erfahrung oder Vergebung. Drei weitere Bände zu den übrigen Jahreszeiten sollen folgen.

«All das Fantastische, dem du bald begegnen, das du bald sehen darfst, verliert man so leicht aus den Augen, und es gibt fast so viele Arten, dies zu tun, wie es Menschen gibt», schreibt Knausgård in einem Brief an seine jüngste und damals noch ungeborene Tochter Anne. Dass das ungeborene Kind ein Wunder ist, ist klar, aber ist die Welt das nicht auch?

Offen, aber nie peinlich

Knausgård will die Dinge, die uns täglich umgeben und nicht mehr auffallen, wahrnehmen und so greifbar wie möglich beschreiben. Das ist sehr persönlich und immer wieder mit Anekdoten aus seinem Leben verflochten. So erfährt der Leser etwa, dass er ohne das Kaugummikauen nicht schreiben kann oder dass er keine Ananas mehr ausstehen kann, seit er als Jugendlicher deren Saft aus einer Konservendose trank und sich dann im Schlaf aus Versehen einpinkelte. Auch über Urin, Erbrochenes und Scham­lippen macht sich Knausgård Gedanken, und man fragt sich erst mal: Welche Tochter will jemals lesen, welche Gedanken ihr Vater zu Schamlippen hat? Knausgård schafft es aber, sich auch dieses Themas anzunehmen, ohne dass es peinlich wird.

«Im Herbst» ist keinesfalls seicht oder belanglos. Die Texte, die in die drei Kapitel Oktober, November und Dezember eingeteilt sind, sind oft tiefgründig. Knausgård zeigt sich als empfindsamer, melancholischer Mensch, der sich lieber hundert Gedanken zu viel macht als keine. Er versucht etwa zu verstehen, warum Säuglinge im Menschen auslösen, was sie auslösen: «Ich glaube, es ist nicht die Hilflosigkeit, der wir wehrlos gegenüberstehen, nicht sie geht einem direkt zu Herzen, sondern die Unschuld.»

Knausgård gibt seiner jüngsten Tochter Einblicke in seine Seelenwelt, die nur wenige Kinder von ihren Eltern bekommen dürften. Und natürlich stellt sich – wie auch in seinem autobiografischen Projekt zuvor – die Frage, was all die Öffentlichkeit mit seiner Familie macht und gemacht hat. Von seiner zweiten Frau und der Mutter seiner vier Kinder ist der Autor inzwischen geschieden.

Alexandra Stahl (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

«Im Herbst», Luchterhand-Literaturverlag, München 2017, 288 Seiten, gebunden, Fr. 31.90.

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