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LITERATUR: Vierzehn Autoren lesen um den Bachmannpreis 2015

Vorlesen und von der Jury sofort kritisiert werden: Gleich fünf Schweizer Autoren stellen sich dem 39. Wettlesen in Klagenfurt.
Die Schweizer Autorin Nora Gomringer ist eine Favoritin beim Literaturwettstreit in Klagenfurt. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Die Schweizer Autorin Nora Gomringer ist eine Favoritin beim Literaturwettstreit in Klagenfurt. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Böse Zungen nennen sie die «Hunger Games» des Literaturbetriebs: die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Der Literaturevent wird damit in die Nähe des grossen Unterhaltungskinos gerückt, bei dem sich die Autoren im TV-Scheinwerferlicht präsentieren und die Literatur zweitrangig bleibt. Fünf Kandidaten so viele wie seit 2002 nicht mehr – kommen aus der Schweiz. Die 39. Ausgabe des Wettbewerbs dauert von 1. bis 5. Juli. Mit zehn von vierzehn sind die Frauen dieses Jahr klar in der Überzahl. Ausgeglichen ist die Länderverteilung: Österreich hat ebenfalls fünf Teilnehmer am Start, Deutschland deren vier.

Allerdings verschwimmen die Nationalitäten etwas: Die Schweizerin Monique Schwitter und der Österreicher Peter Truschner leben in Deutschland, der Deutsche Tim Krohn ist in der Schweiz aufgewachsen und Nora Gomringer ist schweizerisch-deutsche Doppelbürgerin.

Drei Autorinnen haben osteuropäische Wurzeln, darunter die Schweizerin Dana Grigorcea, deren Erstling «Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit» demnächst im für seinen guten Riecher bekannten Dörlemann-Verlag erscheint.

«Mündlich ungenügend»?

Das helvetische Aufgebot ist nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ viel versprechend. Tim Krohn mit 50 der Doyen unter den 14 Preisanwärtern – hat am meisten Veröffentlichungen und Auszeichnungen in seinem Curriculum. Mit dem Klagenfurter Wettlesen hat er sowieso noch ein Hühnchen zu rupfen: Bei seiner ersten Teilnahme 1997 wurde er von den Kritikern gnadenlos zerzaust.

Auf der Habenseite hat Krohn ausser seinem Bestseller «Quatemberkinder» – eine akzentfreie hochdeutsche Aussprache. Dasselbe ist auch von Nora Gomringer zu sagen, deren Vater Eugen als Begründer der Konkreten Poesie gilt. Die Tochter ist eine herausragende Vertreterin der Spoken-Word-Bewegung. Zu dieser gehört auch der Berner Jürg Halter – nur halt mit Akzent. Bleibt zu hoffen, dass er in Klagenfurt aus seinem dialektalen Singsang ebenso Kapital zu schlagen vermag wie letztes Jahr sein Kompatriot Michael Fehr, der den zweiten Preis erhielt.

Brennende Haare

Mit der Österreicherin FALKNER, im richtigen Leben Michaela Falkner, stellt sich eine weitere Spoken-Word-Autorin dem Wortgefecht am Wörthersee. Nur nennt sie es nicht «Spoken-Word», sondern beschreibt es umständlich so: «Der Gestus von FALKNERs Texten ist ein performativer, theatralisch deklamatorischer.» Auch nennt sie ihre Werke Prosa, Hörspiel und Drama – nicht «Texte» sondern «Manifeste».

Ihre Landsfrau Valerie Fritsch weiss ebenfalls aufzufallen. Ihr für den Wettbewerb gedrehtes biografisches Video zeigt ein surreales Familienessen in der freien Natur. Darin ist sie nur ganz kurz zu sehen mit brennenden Haaren. Bei dem Dreh hat sie sich die Augenbrauen versengt.

Shitstorm im Netz

Aufgefallen ist auch die deutsche Kandidatin Ronja von Rönne. Das frühere Model, das seit Anfang Jahr Kulturredaktorin bei der «Welt» ist, hat mit ihrem Artikel «Warum mich der Feminismus anekelt» einen Shitstorm im Netz ausgelöst. Ihre Einladung nach Klagenfurt war deshalb kritisiert worden. Dabei war diese schon lange, bevor der Artikel erschien, erfolgt.

Das Wettlesen wird am 1. Juli mit der Auslosung der Lesereihenfolge eröffnet. Die traditionelle Eröffnungsrede hält der Gewinner des Bachmann-Preises 2010, Peter Wawerzinek. Sie steht unter dem Titel «Tinte kleckst nun einmal».

Wechsel in der Jury

In der Jury gibt es einen grösseren Umbruch. Hubert Winkels löst Burkhard Spinnen als Jury-Vorsitzender ab. Neu sind der aus Bern stammende Stefan Gmünder, Literaturredaktor des «Standard», Sandra Kegel, Feuilleton-Redaktorin der FAZ, und Klaus Kastberger, Leiter des Literaturhauses Graz.

Zu gewinnen gibt es vier Preise, einen weniger als 2014: den Ingeborg-Bachmann-Preis in Höhe von 25 000 Euro, den mit 10 000 Euro dotierten Kelag-Preis, den Ernst-Willner-Preis in Höhe von 5000 Euro und den mit 7000 Euro verbundenen BKS-Bank-Publikumspreis.

Irene Widmer, SDA

Hinweis

Live-Übertragungen der Lesungen und Diskussionen auf 3sat: Do, 2., bis Sa, 4. Juli, ab 10 Uhr; Preisverleihung So, 5. Juli, ab 11 Uhr. www.3sat.de

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