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LITERATURFEST LUZERN: 3151 Fluchtkilometer Geschichten

Das Literaturfest Luzern (9.–12. März) startet heute Abend mit einer Buchvernissage im Luzerner Flüchtlingstreff Hello Welcome. Es liest der syrische Schriftsteller Hamed Abboud.
Julia Stephan
Der syrische Schriftsteller Hamed Abboud. (Bild: PD)

Der syrische Schriftsteller Hamed Abboud. (Bild: PD)

Fast wäre er in die Schweiz gekommen. Hätte ihn sein in der Schweiz lebender Kollege nicht gewarnt. «Bloss nicht in die Schweiz», empfahl er ihm. Schlechte Stimmung. Also ist Hamed Abboud, Jahrgang 1987, nach Österreich gegangen. Da lebt er heute – als anerkannter Flüchtling.

Diese Anekdote erzählte der syrische Autor vor zwei Jahren dem Onlineportal Infosperber.ch. In der Schweiz war er trotzdem. Etwa im Sommer 2016, als er im Literaturhaus Zentralschweiz in Stans seine damals noch unveröffentlichten Texte las. Die sind nun Teil der vom Verlag Pudelundpinscher in einer arabisch-deutschen Doppelausgabe veröffentlichten Publikation mit dem grotesken Titel «Der Tod backt einen Geburtstagskuchen».

Eine «dicke Geldbörse aus Erinnerungen»

Der 2012 aus Syrien geflohene Abboud kramte für die 16 kurzen Texte, die in ihrer verrätselten Sprache wie verlängerte Gedichte daherkommen, aus seiner «dicken Geldbörse aus Erinnerungen» Episoden seiner Biografie. Verloren hat er sie auch nicht auf den 3151 Fluchtkilometern zwischen seiner Heimat Deir ez-Zor im Osten Syriens und dem österreichischen Exil. Es sind Eindrücke von Kriegszerstörung, Verlust und Flucht. Hinter der bitteren, sarkastischen Tonalität verbirgt sich aber eine gepanzerte Menschlichkeit und ein heiterer Sinn. Übersetzerin Larissa Bender bemüht sich nach Kräften und mit Fussnoten, dem in deutscher Sprache gerecht zu werden. Dennoch bleibt die kulturelle Distanz bei Sätzen wie «Reue ist die einzige Konsequenz, die dieses Leben wahr werden lässt» bestehen.

Abbouds Geschichten sind dialektische Kunststücke, in de­nen Leben und Tod fliessende Übergänge besitzen. Der Autor mantelt Kriegsszenen in die Bildsprache der Marvel-Comics und vergleicht die Kriegszerstörung mit dem Umkippen nebeneinanderstehender Dominosteine. Die Zerstörung mag planlos wirken, und doch ist sie für den, der den ersten Stein antippt und dabei auf den grösstmöglichen Schaden hofft, systematisch.

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Lesung und Verlosung

Die Lesung mit Hamed Abboud findet heute um 18 Uhr im Luzerner Flüchtlingstreff Hello Welcome am Kauffmannweg 9 statt. Eintritt frei. Zum Literaturfest Luzern verlosen wir je 3 x 2 Tickets für den Krimiabend am Freitag, 10. März, sowie für den Literaturabend am Samstag, 11. März. Veranstaltungsort: Neubad. Wählen Sie bis heute 13 Uhr die Telefonnummer 0901 83 30 21 (Fr. 1.50/Anruf), oder nehmen Sie kostenlos teil unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe.

jst

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