Lo & Leduc in der Luzerner «Schüür»:
Das Tempolimit nie ausgereizt

Die Berner Rapper Lo & Leduc gastierten in der ausverkauften «Schüür». Pluspunkte sammelten sie in den spontanen Momenten.

Michael Graber
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Lo (rechts) und Leduc bei ihrem Auftritt im Luzerner Konzerthaus Schüür.

Lo (rechts) und Leduc bei ihrem Auftritt im Luzerner Konzerthaus Schüür.

Bild: PD/Silvio Zeder (Luzern, 12. Dezember 2019)

Es ist wie so oft: Man merkt erst, was man die ganze Zeit vermisst hat, wenn man es hat. So auch am Donnerstagabend in der ­Luzerner Schüür: Im Zugabenblock geben Lo & Leduc erstmals so richtig Gas. Aus dem vorher etwas behäbig groovenden Klangkörper wird bei «Jung verdammt» eine dynamische Big-Band, die pulsiert und Dampf macht.

Zehn Leute stehen da auf der Bühne und man hört es, spürt es. Aber eben: Genau das hat man in den vorherigen 70 Minuten etwas vermisst. Es war okay, sogar gut, aber der letzte Kick, der hat gefehlt. Was dieser letzte Kick gewesen wäre, merkt man nun bei den Zugaben. Da wird man versöhnlich, weil sie es ja doch können. Und ist doch ein bisschen enttäuscht, weil sie es vorher nicht gemacht haben.

Bald folgt eine Lo & Leduc-Pause

Das Pop-Rap-Konglomerat aus Bern ist eine gut geölte Maschine. Jetzt ist es grad auf Vor-Zwischenstopp-Tour. Es soll leiser werden um Lo & Leduc im kommenden Jahr. Vielleicht auch darum hatte man gehofft, dass es frecher, ungestümer und wilder wird. Abschiedspartys enden regelmässig in feuchtfröhlichen Exzessen. Das kann man über den Auftritt in der Schüür nicht sagen. Es wirkt sehr vieles sehr routiniert an diesem Abend.

Auch gerade darum sind die kurzen Intermezzi von Lorenz Häberli (Lo) und Luc Oggier (Leduc) die Höhepunkte. Wie sie mit jungen Fans umgehen, die ihr Fan-Sein mit sehr grossen Schildern ausdrücken, ist köstlich. Grossartig auch, wie sie den Unterschied zwischen Festivalshows und Clubshows erklären. Bei den Festivals verstünde man kein Wort von dem, was einem die Leute auf die Bühne brüllen, bei den Konzerten in Clubs zwar auch nicht, aber man erahne immerhin die Richtung und könne dann dorthin blicken und so wirken, als habe man es verstanden.

Einmal mehr herausragend auch, wie Lo drei zufällig ausgewählte Wörter in einen Freestyle packt. Wie da innert kürzester Zeit live auf der Bühne sinnvolle Zeilen entstehen, beeindruckt an jedem ihrer Konzerte aufs Neue. Erfrischend ist auch der Umgang mit ihrem grössten Hit «079». Diesen spielen sie nicht etwa im Zugabenblock, sondern in der Konzertmitte und in einer verfremdeten Version.

Der Fokus bleibt auf der Band

Aber auch dieses Verfremden ist nicht richtiges Verfremden. Es bleibt stets geschmeidig, oder etwas böser gesagt: brav. Es ist nicht so, dass Lo & Leduc mit angezogener Handbremse unterwegs sind, aber sie reizen das Tempolimit nie ganz aus.

Alle Hits kommen vor. Es sind clevere Popsongs und sie bekommen durch die Band manchmal eine neue Note. Vor allem Sängerin Julia Portmann sticht heraus und sorgt für Farbtupfer. Die Bläser verleihen dem Sound Wärme und Schwermut. Man nimmt Lo & Leduc als Band wahr. Immer wieder platzieren sich die beiden Frontmänner an der Seite und lassen den Fokus auf den Musikern.

«Wir wollen jetzt jedes Konzert so spielen, als wäre es unser letztes», sagt Lo. Es wäre schade, wenn das Konzert in der Schüür tatsächlich das letzte von Lo & Leduc gewesen wäre. Sie bleiben einer der spannendsten Acts im Schweizer Mainstream-­Markt, sie haben Charme und Haltung. Aber vor allem: Bei einem letzten Konzert muss es mehr knallen.