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LONDON: Harry Potter kommt ins Museum

Die British Library will teilhaben am Milliardengeschäft «Harry Potter». ­ Obwohl die Ausstellung erst heute offiziell eröffnet wird, ist der Ansturm auf Tickets bereits riesig.
Sebastian Borger, London
Fototermin in der Ausstellung «Harry Potter: A History of Magic». (Bild: Getty (London, 18. Oktober), PD)

Fototermin in der Ausstellung «Harry Potter: A History of Magic». (Bild: Getty (London, 18. Oktober), PD)

Sebastian Borger, London

«Harry Potter – eine Reise durch die Geschichte der Magie», heisst die neue Ausstellung in der British Library. Diesen Anspruch löst die Londoner Nationalbibliothek ein: Jüngere und ältere Fans des berühmten Romanzyklus von Joanne «J. K.» Rowling kommen dort ebenso auf ihre Kosten wie jene, die generell fasziniert sind von Zauberei und Alchemie.

Mit Hilfe der Autorin und des Verlags Bloomsbury einerseits, durch Leihgaben aus dem gewaltigen British Museum wie dem kleinen Hexenmuseum in Cornwall andererseits haben die Ausstellungsmacher ein buntes Kaleidoskop zum Thema zusammengestellt. Freilich bleibt der Eindruck, es handle sich um eine Hybrid-Ausstellung, reichhaltig, aber ohne erkennbaren Zusammenhang.

Von ihrer früh an multipler Sklerose verstorbenen Mutter hatte die «Harry Potter»-Autorin den «Riesenappetit auf Bücher aller Art» geerbt. Als Erste ihrer Familie ging sie auf die Universität und schloss ein Literaturstudium ab. Da spielten auch fan­tastische Romane eine Rolle, schliesslich «steckt die Magie tief in uns allen», teilt J. K. Rowling (52) gleich zu Beginn der Ausstellung in einem kurzen Filmausschnitt mit.

Ins Klassenzimmer von Hogwarts eintauchen

Es geht dann die Treppe hinunter in die fensterlosen Ausstellungsräume der British Library. Sie sind thematisch den Unterrichtsfächern im Zauberinternat Hogwarts zugeordnet.

Da dominiert ein gewaltiger, mindestens 2600 Jahre alter Bronzekessel den Zaubertrank-Saal, wo interaktive Displays zum Mixen eines eigenen Magie­cocktails einladen. Im Alchemie-Saal beschreibt ein sechs Meter langes Manuskript aus dem 16. Jahrhundert die Suche eines mittelalterlichen Priesters namens George Ripley nach dem Stein der Weisen. Und als Beispiel für Wahrsagerei dient das älteste Sammlungsstück der British Library, ein chinesischer Orakelknochen, auf dem eine Mondfinsternis im Jahr 1192 vor Christus verzeichnet steht.

Was das mit Harry Potter zu tun hat? Der sei ihr «als fertige Figur in den Sinn» gekommen, hat Rowling berichtet, und die Ausstellungsmacher erzählen es nach: Der beinahe magische Moment geschah 1990 auf einer Zugfahrt von Manchester nach London. Aber gewiss stützte sich die gelernte Literaturwissenschafterin auf ihre eigene Lek­türe, auf Begegnungen mit dem gerade in ihrer englischen Heimat verbreiteten Glauben an Über­irdisches und Irreales.

Kenner des siebenbändigen Romanzyklus erhalten kostbare Einblicke in die Werkstatt der «Harry Potter»-Schöpferin. Ausgestellt sind etwa heftig bekritzelte Manuskriptseiten, die es nicht in die fertigen Bücher geschafft haben. Rührend zu lesen ist auch die Beurteilung der damals achtjährigen Verlegertochter Alice Newton: «Harry Potter» sei möglicherweise eines der besten Bücher, die ein 8- oder 9-jähriges Mädchen lesen könne. 2500 Pfund zahlte Papa Nigel Newton daraufhin 1996 der mittellosen, völlig unbekannten Autorin. Ein Jahr später kam «Harry Potter und der Stein der Weisen» in einer Startauflage von 500 Exemplaren auf den Markt.

Beide Parteien haben den Deal nicht bereut. Mehr als 450 Millionen Bücher der siebenteiligen Fantasy-Serie wurden bis heute verkauft, Harry Potter kann man in 68 Sprachen lesen, und auch die acht Filme waren ein Milliardengeschäft.

Im nahen Bahnhof King’s Cross stehen die HP-Fans am Bahnsteig 93/4 für ein Foto Schlange, nun haben sie bis Fe­bruar in bequem fussläufiger Nähe eine zweite Wallfahrtsstätte in London. Sogar die sagenhaften Lebewesen Einhorn und Hyppogriff, eine Mischung aus Adler und Pferd, haben die Ausstellungsmacher eingefangen.

Spezialprogramm ­ für Kinder

Ausdrücklich weist Co-Kuratorin Tanya Kirk auf die vielen Sonderveranstaltungen, besonders für Kinder, rund um die Ausstellung hin. Während Minderjährigen die Lesesäle verschlossen bleiben, haben Künstler und Erzieher monatelang ein Programm erarbeitet, um der jüngeren Generation die Bibliothek zu erschliessen.

Für auswärtige Besucher mit Kindern lohnt sich also der Blick auf die Website bl.uk besonders, ganz abgesehen vom bequemen Ticketkauf vorab – immerhin sind die ersten zehn Tage sowie sämtliche Wochenenden im November jetzt schon ausverkauft.

Hinweis

Die Ausstellung in The British Library in London dauert bis zum 28. Februar. Der Eintritt für Erwachsene beträgt 16 Pfund (rund 20 Franken), für Senioren 11 Pfund, für Kinder und Jugendliche sowie Studenten 8 Pfund. Für Familien gibt es Ermässigung. Weitere Infos: www.bl.uk.

«Phönix aus der Asche» (Buchmalerei, 13. Jahrhundert). (Bild: PD)

«Phönix aus der Asche» (Buchmalerei, 13. Jahrhundert). (Bild: PD)

2600 Jahre alter Bronzekessel. (Bild: PD)

2600 Jahre alter Bronzekessel. (Bild: PD)

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