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Loredanas Label unter Verdacht: Wurden Millionen von Klicks gekauft?

Kaufen sich Rapper in die Charts? Eine neue Dokumentation nährt diesen Verdacht. Ein Hacker erklärt darin, wie er gegen Bezahlung Songs auf Plattformen wie Spotify zu Millionen von Klicks und Streams verhilft.
Michael Graber

Klicks, Streams und Plays sind die Währungen im modernen Musikbusiness. Und offenbar hat es da viel Falschgeld dabei. Ein Recherchekollektiv der ARD-Jugendmedien hat mittels eines anonymen Informanten aufgedeckt, dass angeblich viele Künstler ihre Klickzahlen künstlich hochschrauben. Gegen eine Gebühr würden die Hacker Programme starten, die einen gewünschten Song immer und immer wieder abspielen.

Das führe dazu, dass Songs innert weniger Stunden und Tagen mehrere Millionen Plays auf Plattformen wie Spotify und Youtube haben. So hatte beispielsweise der Song «Romeo & Juliet» von Loredana (ja genau, die Schweizer Loredana) und Mozzik nach wenigen Tagen fünf Millionen Klicks auf Youtube – mittlerweile sind es 46 Millionen. Veröffentlicht wurde das Video am 31. Januar dieses Jahres.

Loredanas Label unter Verdacht

Loredana kommt in dieser Dokumentation nicht explizit vor, aber dafür ihr Label Groove Attack Trax. Und dabei besonders im Fokus: der Rapper Mero. Aus seiner Feder stammen Songs wie «Baller los» und «Hobby Hobby», beide in den Charts, beide längst Klickmillionäre. Normalerweise wäre man früher ob solchen Klickzahlen misstrauisch geworden. Von null auf eine Million in ein paar Tagen ist für einen Newcomer grundsätzlich verdächtig.

Aber: Solche Zahlen sind keine Besonderheit mehr. Eine Vielzahl der neuen Generation von deutschen Rappern bewegt sich im Millionen-Plays-Bereich. Bislang vermutete man dahinter einfach einen Trend. Die Jungen würden halt diese Art von Musik hören. Jetzt hat es zumindest ein kleines Betrugs-Gschmäckle bekommen.

Gekaufte Anschubhilfe für Newcomer

Fraglich ist aber erstens, ob die in der ARD-Dokumentation aufgebrachten Vorwürfe wahr sind, und zweitens, ob es eine durchgängige Masche ist. Fast wahrscheinlicher ist, dass die Manipulationen als eine Art «Anschubhilfe» benutzt werden. Sprich: Man pusht den ersten und vielleicht noch den zweiten Song eines Künstlers in luftige Klickhöhen. Hat er genug Höhe erreicht, fliegt er dann meistens von alleine. Auch auf Spotify und Co. wollen viele Hörer hören, was schon viele andere hören.

Private Spotify-Accounts ­ von Hacker übernommen

Schweizer Labelchef Andreas Ryser, der für Musiker Kurse zum Umgang mit Spotify gibt, kann sich «sehr gut vorstellen», dass auf diese Art betrogen wird. Ganz grundsätzlich sei das Musikgeschäft schon immer anfällig für Betrug gewesen: «Früher haben Labelchefs mit Geldkoffern versucht, Radiomacher zu bestechen, dann haben Künstler selbst ihre CDs gekauft, um in die Charts zu kommen.» Das in der Dokumentation vorgestellte System sei besonders ausgefuchst, weil es sich in bestehende Spotify-Accounts einhackt.

Der Hacker übernimmt also die Accounts von Normalbürgern und lässt auf diesen die gewünschten Songs ständig laufen. Damit der Betrug nicht entdeckt wird, werden die zu pushenden Songs in Playlists mit erfolgreichen und genreverwandten Liedern verpackt. Ryser sagt auch, dass «einfache» Betrügereien auf den Streamingplattformen rasch erkannt werden:

«Allerdings ist gerade Streaming durch die technischen Möglichkeiten recht anfällig für Manipulation.»

Auch weil die nackte Popularität von einem Song von den Algorithmen belohnt wird: «Streamingdienste wollen ja abbilden, was gerade gehört wird. Da kann sich ein solcher gekaufter Boost ganz gut machen», sagt Ryser. Ganz überzeugt, ob die in der Dokumentation entlarvte Masche Tatsache ist, ist Ryser nicht. «Es ist aber gut, dass solche Zahlen jetzt auch mal kritisch hinterfragt werden.»

Das angeschossene Label reagiert auf vielen Kanälen. In einem Statement schreibt Groove Attack, dass

«wir zu keinem Zeitpunkt Klicks gekauft oder sonstige Manipulationsbestrebungen unternommen haben, um Artists künstlich zu Ruhm zu verhelfen.»

Und auch Labelchef Xatar, selber Rapper, wehrt sich in Videos auf Instagram und Youtube gegen die Anschuldigungen. Mal wütend, mal gelassen, aber glaubhaft.

Um das eigene Beispiel glaubhaft zu machen, hat der Journalist der Dokumentation selber einen sehr durchschnittlichen Rapsong aufgenommen, den sein Informant dann pushte. Nach wenigen Tagen hatte er 200'000 Klicks auf Youtube und 100'000 Streams bei Spotify. Dann hörte der Informant auf. Mehr Klicks gibt’s nur gegen Geld.

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