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Klub der jungen Dichter:
Nicht jetzt, nicht heute!

Luana Bonnelame aus Ennetbürgen erzählt im "Klub der jungen Dichter" von einer Freundschaft mit dramatischem Ausgang.
Luana Bonnelame
Luana Bonnelame, Ennetbürgen, 1. Oberstufe.

Luana Bonnelame, Ennetbürgen, 1. Oberstufe.

Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Es war an einem bewölkten Herbstabend. Graue Wolken verdeckten die untergehende Sonne. Dieser Tag war speziell, und ich war auf dem Weg in die WG. Ich wohne dort mit einigen Leuten. Da wären: Sahra, Mike und Luke. Und ich, Lucy. Sie waren alle sehr nett und humorvoll. Doch das alles sollte sich an diesem Tage ändern.

Ich betrat das Gebäude und begrüsste alle. Doch Luke sah irgendwie deprimiert aus. Ich warf mich neben ihm auf einen Stuhl und fragte ihn, was er hatte. Vorerst wollte er nicht antworten. Doch nach einigen Minuten des Schweigens erwiderte er mit zitternder Stimme: «Lucy ... I-ich habe nicht mehr lange zu leben. Ich habe mich mit Ebola angesteckt ...»

Ich sah ihn geschockt an. Ich wollte was sagen, doch mein Gehirn verweigerte jegliche logische Denkweise. Regen brach aus. Blitz und Donner durchdrangen die Stille. Verzweifelt nach Worten suchend, sah ich zu meinen Freunden, jedoch wussten sie auch nicht weiter. Mit einem Ruck stand Luke auf und rannte aus der Tür. Mike versuchte ihn festzuhalten, doch Luke war schneller. Panisch riefen wir ihm nach, vergebens. Ohne drüber nachzudenken, rannte ich ihm nach. Ich wusste, dass es falsch war, doch ich wollte meinen Freund nicht sterben lassen. Nicht jetzt, nicht heute! Erschöpft kam ich an einem abgelegenen Wald an. Das dichte Gestrüpp versperrte die Sicht ins Innere. Dunkel und nass hingen die vom Regen nach unten gedrückten Äste zu Boden.

Immer noch strömte der Regen herab. Kleider und Haare klebten an meinem Körper. Nur schwer konnte ich meine Augen offenhalten. Vorsichtig schob ich die Äste zur Seite. Ich schaute mich um, bis ich schliesslich eine Lichtung sah. Eine steile Klippe, umschlungen von einem Wasserfall, der tief nach unten ins Nichts strömte. Und am Rande dessen, Luke. Schwach sah er es am Boden. Ich näherte mich langsam und fing an zu sprechen: «Luke, was meinst du damit?! Du wirst nicht sterben oder? Ich will dich nicht verlieren! Nicht jetzt, nicht heute!»

Auf meine Worte hin zuckte er zusammen und schaute mich erschrocken an. Vorsichtig redete ich weiter: «Bitte!» Mir schossen die Tränen in die Augen, woraufhin ich schluchzend hinzufügte: «Heute ist doch mein Geburtstag.» Alles wurde still, als ob jemand die Zeit gestoppt hätte. Langsam richtete sich Luke auf und kam auf mich zu. Mir brach der Angstschweiss aus, und ich wollte schon zurückweichen. Doch als er nur noch einen halben Meter von mir entfernt war, blieb er stehen. «Lucy ich werde nicht mehr lange in dieser Welt leben, das stimmt ... Doch da gibt es einen Ort voller Liebe und Vertrauen, wo ich verweilen und weiterleben werde.» Sein Gesicht hellte sich auf, und ein Lächeln kam über seine Lippen.

«Aber wo ist das, ich will di-!?» Ich wurde unterbrochen, als seine Lippen meine berührten. «Dein Herz, Lucy», antwortete er, nachdem er sich von mir löste. Schmunzelnd drückte er mir eine Schatulle in die Hand und lief zurück zum Rande der Klippe. Immer noch stumm starrte ich ihm nach. Noch ein letztes Mal drehte er sich um und winkte. Als sein Körper verblasste. Ungläubig rieb ich meine Augen. Immer weniger war von ihm zu sehen. Als man schon das Wasser durch ihn durchschimmern sah, erstrahlte ein Lichtblitz, der ihn und die Wolken am Himmel verschwinden liessen. Dort, wo noch eine Sekunde zuvor mein Freund stand, blühten nun Rosen auf. Meine Augen wurden wässerig. Zögernd öffnete ich die Schatulle. Ein Lächeln breitete sich auf meinen Lippen aus, während ich zustimmend nickte. Ich schaute nochmals zu den Rosen, drehte mich um und verliess dann den Wald.

Entscheidet mit, welche Geschichte den Spezialpreis gewinnt

Nicht weniger als 5123 Geschichten sind für den «Klub der jungen Dichter» 2018 eingegangen. Zur Auswahl standen das Thema «Feuer und Flamme» sowie ein Textanfang. Wir publizieren die Texte in der Print- sowie in der Onlineausgabe unserer Zeitung. Neu ist, dass ihr, liebe Leserinnen und Leser, mitvoten können. Wir vergeben nämlich einen Publikumspreis für den Text, der auf unserer Homepage am meisten angeklickt worden ist. Hat euch also ein Text gefallen, könnt ihr ihn auch etwa via Facebook weiterempfehlen und so die Klickzahlen noch erhöhen.

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