Eurovision Song Contest
Luca Hännis Top-Resultat ist kein Zufall – das sind die Gründe

Mit dem vierten Platz ersingt sich Luca Hänni das beste Resultat der Schweiz seit 26 Jahren. Den ESC in Tel Aviv gewinnt der Niederländer Duncan Laurence. Sechs Gründe für den Erfolg von Luca Hänni.

Stefan Künzli
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Die Niederlande mit Duncan Laurence gewinnen den ESC 2019.
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Der Finalauftritt von Luca Hänni.
Der Finalauftritt von Luca Hänni.
Der Finalauftritt von Luca Hänni.
Der Finalauftritt von Luca Hänni.
Der Finalauftritt von Luca Hänni.
Die Israelin Netta Barzilai.
Unterhaltung: Österreichs Conchita Wurst, Schwedens Mans Zelmerlow, Israels Sängerin Gali Atari, Griechenlands Sängerin Eleni Foureira and die Sängerin Verka Serdyuchka aus der Ukraine.
Die grieschische Sängerin Eleni Foureira tritt im Unterhaltungsteil auf.
Conchita Wurst singt während die Zuschauer voten.
Fans in Tel Aviv.
Luca Hänni.
Miki aus Spanien.
Kate Miller-Heidke aus Australien.
Nevena Bozovic aus Serbien.
Mahmood aus Italien.
Bilal Hassani aus Frankreich.
Chingiz aus Aserbaidschan .
Zena aus Weissrussland.
ESC-Fans jubeln ihren Favoriten zu.
Victor Crone aus Estland.
Hatari aus Island.
Fans in Tel Aviv.
Michael Rice aus Grossbritannien.
Kobi Marimi aus Israel.
KEiiNO aus Norwegen.
Tamta aus Zypern.
Katerine Duska aus Griechenland.
Duncan Laurence aus den Niederlanden.
Zala Kralj und Gasper Santl aus Slowenien.
John Lundvik aus Schweden.
Tamara Todevska aus Nord Mazedonien.
Serhat aus San Marino.
Leonora aus Dänemark.
Jonida Maliqi aus Albanien.
Sergey Lazarev aus Russland.
Sisters aus Deutschland.
Michela aus Malta.
Kate Miller-Heidke aus Australien.
Lake Malawi der Tschechischen Republik.
Luca Hänni im Halbfinale vom Donnerstag.

Die Niederlande mit Duncan Laurence gewinnen den ESC 2019.

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Mit seinem Song "Arcade" hat der grosse Favorit Duncan Laurence den Siegertitel des 64. Eurovision Song Contest in die Niederanden geholt. Der Schweizer Teilnehmer Luca Hänni schaffte es auf Platz 4.

Das Publikum im Tel Aviv Convention Center hatte der 24-jährige Berner mit seiner Nummer "She Got Me" von Anfang an fest im Griff. Letztlich waren es aber die Jury- und Zuschauerstimmen, die ihn in die Top 5 des diesjährigen Gesangswettbewerbs hievten.

Dass Hänni zu den Favoriten gehört, haben die Wettbüros schon länger prophezeit. Doch wie es beim ESC so ist: Die Siegerverkündigung ist ein Wechselbad der Gefühle, da kann sich jeweils alles rasch ändern.

Mit dem 4. Platz hat Luca Hänni das beste ESC-Resultat für die Schweiz seit Jahren erreicht. Zuletzt hat der Tessiner Sänger Selbater im Jahr 2014 den Einzug in den Final geschafft.

Luca Hännis Erfolg kommt nicht von ungefähr. Sechs Gründe für die Top-Platzierung.

1.) Die Einsicht

Am Anfang stand die Einsicht. Die Schuld am Versagen der Schweizer Beiträge wurde in den letzten Jahren oft abgeschoben. Die Schweiz habe in Europa keine Freunde und deshalb keine Chance. Doch das war höchstens die halbe Wahrheit. Der Eurovision Song Contest hat sich stark gewandelt und ist längst nicht mehr der Trash- und Klamauk-Wettbewerb von einst. Die Schweiz hat diesen qualitativen Wandel des ESC nicht oder erst spät wahrgenommen. Mehr als alles andere hat denn auch bei vielen Schweizer Beiträgen das Gesamtpaket nicht gestimmt. Es hat immer etwas gefehlt oder nicht gepasst. Ein guter Song oder einer gute Sängerin allein genügt nicht. Diese Einsicht bedeutete die Wende zum Erfolg und Luca Hänni hat jetzt bestätigt und bewiesen, dass diese Schuldzuweisungen nur vorgeschoben waren: Auch ein Schweizer Song kann sich durchsetzen, wenn alles stimmt.

Übrigens: Schon vor zehn Jahren hat der Eurovision Song Contest mit der Einsetzung einer Fachjury Massnahmen ergriffen, die die von der Schweiz beklagten, sogenannten Blockwertungen eingeschränkt haben.

CH Media

2.) Auswahlverfahren

Vor zwei Jahren wurde mit einem neuen Auswahlverfahren für den Schweizer Beitrag die Weichen für den jetzigen Erfolg gestellt. Neben dem 100-köpfigen Zuschauer-Panel wurde eine 20-köpfige internationale Fachjury eingesetzt, mit der eine Professionalisierung und eine bessere Ausrichtung auf internationale Trends und Bedürfnisse angestrebt wurde. Nach diesen Kriterien wurde auch "She Got Me" von Luca Hänni ausgesucht.

1970, Amsterdam: Henri Dès singt die Schweiz mit «Retour» auf Platz 4.
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1973, Luxemburg: Die Schweiz landete mit Patrick Juvet und «Je vais me marier, Marie» auf Platz 12.
1975, Stockholm, Simone Drexel schaffte es mit «Mikado» auf Platz 6.
1976, Den Haag Platz 4 für Peter, Sue & Marc mit «Djambo Djambo».
1977, Londodn Platz 6 Pepe Lienhard Band mit «Swiss Lady».
1978, Paris Platz 9 Carole Vinci mit «Vivre».
1979, Jerusalem, Platz 10 für Peter, Sue & Marc und Pfuri, Gorps & Kniri mit «Trödler/Co.»
1980 Den Haag, Paola schafft es mit «Cinéma» auf Platz 4.
1981, Dublin: Peter, Sue & Marc belegen mit ihrem Song «Io senza te» Platz 4 für die Schweiz.
1982 in Harrogate schaffte es die Schweiz beim ESC fast ganz nach oben. Arlette Zola belegte Platz 3 mit ihrem Song «Amour on t'aime».
1983 in München singt Mariella Farré für die Schweiz. Ihr Song «Io Così Non Ci Sto» schafft es nur auf Platz 15.
1984, Luxemburg: Das Trio Rainy Day kann das Publikum nicht überzeigen und landet auf Platz 16 von 19.
1985, Göteborg: Mariella Farré probiert es nach ihrem Auftritt 1983 noch einmal. Diesmal im Duo mit Pino Gasparini. Ihr Song «Piano Piano» schafft es nur auf Platz 12.
1986, Bergen: Daniela Simons überzeugt mit ihrem Auftritt und schafft es mit «Pas Pour moi» auf Platz 2.
1987, Brüssel: Carole Richs Auftritt steht ganz im Zeichen der 80er. Ihr Song «Moité Moité» schafft es nur auf Platz 17.
1988 in Dublin hiess es: 137 points for Switzerland. Céline Dion schaffte dort, was zuletzt nur Lys Assia beim allerersten Eurovision 1956 gelang: Sie singt sich in die Herzen der Zuschauer und gewinnt.
1989 findet der ESC in Lausanne statt. Für die Schweiz tritt Furbaz an. Trotz des ESC im eigenen Land, schafft es die Schweiz nur auf Platz 13 von 22 des Wettbewerbs.
1990, Zagreb: Die Schweiz landet mit Egon Egemann auf Platz 11.
1991 in Rom singt Sandra Simó am ESC auf Italienisch. Der Song «Canzone Per Te» schaffte es auf Platz 5.
1992, Malmö: Daisy Auvray schaffte es mit «Mister Music Man» lediglich auch Platz 15.
1993 in Millstreet, schaffte es Annie Cotton fast ganz nach oben. Mit «Moi, Tout Simplement» holte sie 148 Punkte für die Schweiz und landete auf dem 3. Platz.
1994, Dublin reichte es für Duilio nur für Platz 19.
1996 in Oslo versuchte es Cathy Leander mit der Ballade «Mon cœur l'aime». Sie schaffte es nur auf Platz 16.
1997, Dublin: Das Outfit war gewöhnungsbedürftig. Und auch ihr Auftritt konnte nicht überzeugen. Barbara Berta landete auf Platz 23.
1998, Birmingham: Das war kein gutes Jahr für die Schweiz. Gunvor holte mit der deutschen Nummer «Lass ihn» null Punkte.
2000 Stockholm: Die Solothurnerin Jane Bogaert qualifizierte die Schweiz fürs Finale. Dort reichte es jedoch nur für den 20. Platz.
2002, Tallinn: schickte die Schweiz Francine Jordi an den ESC. Der Schlagerstar landete auf dem 22. Platz.
2004, Istanbul: Zu feiern gabs auch in dem Jahr wenig. Piero and the MusicStars holten mit ihrem Auftritt im Semifinale keine Punkte.
2005, Kiew: Mit rockigen Klängen liefs für Vanilla Ninja etwas besser: Mit 128 Punkten landeten sie auf dem achten Platz.
2006, Athen: «If We All Give a Little» sangen six4one. Die Zuschauer reagierten auf ihren Appell und beschenkten die Schweiz mit 30 Punkten.
2007, Helsinki: Oh welche Schande: Auch DJ Bobo konnte sich nicht fürs Finale qualifzieren.
2008, Belgrad: Nach acht Jahren versuchte es Sänger Paolo Meneguzzi zum ersten Mal wieder mit einer italienischen Nummer. Fürs Finale reichte sein Auftritt nicht.
2009, Moskau: Die Lovebugs sind in der Schweiz eine äusserst beliebte Band. International konnten sie jedoch wenig begeistern. «The Highest Heights» reichte nicht fürs Finale.
2010, Oslo: Am Halbfinale scheiterte auch Michael von der Heide.
2011 in Düsseldorf versuchte Anna Rossinelli die Zuschauer mit einem Liebeslied zu begeistern - und scheiterte kläglich. «In Love for a While» landete auf dem letzten Platz.
2012, Baku: Einen rockigeren Ansatz versuchte Sinplus mit «Unbreakable». Der Auftritt reichte aber nicht einmal fürs Finale.
Auch 2013 in Malmö konnte die Schweiz nicht im Finale des ESC auftreten. Tabaska und ihr Lied «You and Me» konnte die Zuschauer nicht überzeugen.
2014, Kopenhagen: Sebalter griff mit «Hunter of Stars» nach den Sternen und landete auf dem 13. Platz.
2015, Wien: «Time to shine» war es definitiv nicht. Mélanie René konnte sich nicht fürs Finale qualifizieren.
2016 in Stockholm trat Rykka für die Schweiz auf. Sie konnte die Schweiz jedoch nicht fürs Finale qualifizieren.
2017, Kiew: Auch die Band Timebelle verhalf der Schweiz nicht zum Sieg. Sie schafften es nicht ins Finale des Eurovision Song Contest.
2018, Lissabon: Mit dem Song «Stones» wollte das aargauische Geschwisterpaar ZIBBZ den ESC-Sieg in die Schweiz holen – es reichte jedoch nicht einmal fürs Finale.
2019, Tel Aviv: Dieses Jahr vertritt Sunnyboy Luca Hänni die Schweiz am Eurovision Song Contest.

1970, Amsterdam: Henri Dès singt die Schweiz mit «Retour» auf Platz 4.

eurovision.de

3.) Der Song

Ebenfalls vor zwei Jahren wurde mit der Unterstützung der SUISA ein Songwriter Camp unter der Leitung des Musikers Pele Loriano eingeführt. Hier, im Powerplay Studio in Maur, schreiben seither jährlich ausgewählte Komponisten aus dem In- und Ausland an drei Tagen in Teams ein gutes Dutzend Songs für den Eurovision Song Contest. Die Anforderungen an die Songs wurden damit geschärft: Sie wurden zeitgemäss sein und entsprechen den internationalen Anforderungen. Der Text soll eine starke, klare und verständliche Message haben. Damit hat die Schweiz einen Weg eingeschlagen, den Länder wie Schweden oder Irland schon lange gehen. Zum Vergleich: Im Pop-Land Schweden werden für den ESC jährlich bis zu 3500 Songs komponiert und ein zweistelliger Millionenbetrag aufgewendet. Da kann die Schweiz nicht mithalten, trotzdem stellt sich jetzt der Erfolg ein. Auch „She Got Me“ ist ein Resultat des Songwriter Camps.

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4.) Die Show

Ein guter ESC-Beitrag ist ein Gesamtkunstwerk von Musik und Show. Luca Hänni hat den Fokus auf die Performance mit viel Tanz, toller Choreografie, visuellen Elementen und Dramaturgie gelegt. Will ein Song sich gegen die Konkurrenz durchsetzen, muss er auffallen und sich irgendwie vom Rest abheben. Das hat Hänni mit einem spektakulären und energiegeladenen Auftritt geschafft.

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5.) Der Interpret

Mit seinen Fähigkeiten ist Luca Hänni wie gemacht für das Multimedia-Spektakel des Eurovision Song Contest. Er kann singen, tanzen, sieht gut aus und hat auf und neben der Bühne eine positive Ausstrahlung. Dazu hat er zu seinem Beruf eine hochprofessionelle Einstellung. Das alles können in der Schweiz nicht viele bieten. Luca Hänni ist ein ausgesprochener Show-Boy. Eigentlich müsste man den 24-jährigen Berner gleich für den nächsten Eurovisions-Wettbewerb wieder buchen.

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6.) Glück

Wie überall im Leben braucht es an Wettbewerben wie dem Eurovision Song Contest auch Wettkampfglück. Zufälle, bestimmte Konstellationen oder Stimmungen entscheiden über Sieg oder Niederlage. So war der letztjährige Schweizer Beitrag von Zibbz durchaus konkurrenzfähig. Die Geschwister Gfeller haben eigentlich alles richtig gemacht. Das Glück, das ihnen fehlte, hat jetzt Luca Hänni geerntet. Das Glück des Tüchtigen.

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Die Platzierungen der ESC-Finalisten

  1. Niederlande: Duncan Laurence, «Arcade»
  2. Italien: Mahmood, «Soldi»
  3. Russland: Sergey Lazarev, «Scream»
  4. Schweiz: Luca Hänni, «She Got Me»
  5. Norwegen: KEiiNO, «Spirit In The Sky»
  6. Schweden: John Lundvik, «Too Late For Love»
  7. Aserbaidschan: Chingiz, «Truth»
  8. Nordmazedonien: Tamara Todevska, «Proud»
  9. Australien: Kate Miller-Heidke, «Zero Gravity»
  10. Island: Hatari, «Hatrið mun sigra»
  11. Tschechische Republik: Lake Malawi, «Friend Of A Friend»
  12. Dänemark: Leonora, «Love Is Forever»
  13. Slowenien: Zala Kralj & Gašper Šantl, «Sebi»
  14. Frankreich: Bilal Hassani, «Roi»
  15. Zypern: Tamta, «Replay»
  16. Malta: Michela, «Chameleon»
  17. Serbien: Nevena Božović, «Kruna»
  18. Albanien: Jonida Maliqi, «Ktheju tokës»
  19. Estland: Victor Crone, «Storm»
  20. San Marino: Serhat, «Say Na Na Na»
  21. Griechenland: Katerine Duska, «Better Love»
  22. Spanien: Miki, «La venda»
  23. Israel: Kobi Marimi , «Home»
  24. Deutschland: S!sters, «Sister»
  25. Weissrussland: Zena, «Like It»
  26. Grossbritannien: Michael Rice, «Bigger Than Us»

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