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LUCERNE BLUES FESTIVAL: Intensiv und mit starkem Nachwuchs

Viel Publikum, gute Konzerte, lockere Stimmung: Das Lucerne Blues Festival, das gestern zu Ende ging, ist auch im ersten Jahr nach dem Jubiläum bestens auf Kurs.
Marcia Ball, hier beim Auftritt gestern am Blues-Brunch, brillierte nicht nur musikalisch, sondern machte auch den Terror in Paris zum Thema. (Bild: Dominik Wunderli)

Marcia Ball, hier beim Auftritt gestern am Blues-Brunch, brillierte nicht nur musikalisch, sondern machte auch den Terror in Paris zum Thema. (Bild: Dominik Wunderli)

Pirmin Bossart

Als der Journalist Samstagnacht gegen 1.30 Uhr bluesgetränkt seine Zelte abbrach, ging im voll besetzten Casineum mit dem wirbligen Lil Ed und seinen Blues Imperials nochmals richtig die Post ab. Wir vermuten, dass die Hardcore-Fans erst im Morgengrauen ihren Heimweg fanden. Auch Festivalpräsident Martin «Kari» Bründler wird seine zweite Freinacht unbeschadet hinter sich gebracht haben. «Für mich ist der Montag nach dem Festival wie der Aschermittwoch des Blues», hatte er spätnachts zu Protokoll gegeben, als das Bluestreiben noch in vollem Gange war.

14 Bands standen dieses Jahr auf der Bühne, einige gleich mehrmals, da sie auch an Sponsoren-Anlässen und Blues-Brunches ihr Können zeigten. Nach dem gelungenen Auftakt am Donnerstag setzte sich der Bluesreigen am Freitag und Samstag fort. So frohgemut der Blues in Luzern zelebriert wurde: Die schrecklichen Terroranschläge in Paris konnten nicht verdrängt werden. Sie waren bei den Gesprächen ein Thema, aber auch auf der Bühne bei den Musikern.

Blues und Paris

Die bekannte Sängerin und Pianistin Marcia Ball, die am Samstag mit ihrer Band und ihrem knackigen Louisiana-Groove auftrat, intonierte einen herzerwärmenden Song zum Frieden. «Wenn ihr beten solltet, betet für den Frieden», wandte sie sich zum Publikum. Einen zweiten Auftritt bestritt sie gestern am dritten Blues-Brunch im Hotel Schweizerhof, der wiederum ausverkauft war.

Auch die spanische Band The Travellin’ Brothers erinnerte an die schrecklichen Ereignisse, um dann eine akustische Version von «What A Wonderful World» folgen zu lassen. Die Band war mit ihren ausgezeichneten Solisten und ihrem Kollektivgroove ein Highlight. Nicht minder bewies die Tessiner/Basler Combo Marco Marchi & The Mojo Workers im Casineum mit ihrer bluesigen Vielseitigkeit, dass auch auf der «Nebenbühne» die Qualität stimmt.

Sowohl der Freitag- wie der Samstagabend wurden von Söhnen bekannter Musiker und ihren Bands eröffnet. Beide Male verwandelten sich die Auftritte in wahre Gitarrenfeste. Am Freitag war es Shawn Holt, Sohn des grossen Chicago-Bluesers Memphis Slim, der mit seiner Band The Teardrops und unter kräftiger Mitwirkung des zweiten Gitarristen Levi William Patton ein gut geerdetes und schwer groovendes Set zelebrierte. Mit dem Song «Let The Good Times Roll» erinnerte die Band an den dieses Jahr verstorbenen B. B. King.

Ein Sympathieträger

Einen ausgezeichneten Draht zum Publikum hatte der 46-jährige Gitarrist Murali Coryell, der am Samstag den Startschuss für die letzte lange Bluesnacht setzte. Der Sohn von Larry Coryell, der als Gitarrist die 1970er-Jazz-Fusion-Szene geprägt hatte, spielte kraftvoll und unverblümt. Bluesmässig bewegte er sich in konventionellen Schienen, doch sein Set hatte eine Frische, die ansteckend wirkte. Die Band mischte einige Klassiker wie «Good Morning Little Schoolgirl» oder «Get Out Of My Life Woman» in ihr Repertoire. Im Fokus aber stand Murali, der Kerl mit dem Hut und dem fröhlichen Grinsen. Seine Präsenz und Energie machten den rockigen Sound erst richtig scharf.

Klasse war der Auftritt des neuen Blues Alligators Toronzo Cannon, der im echten Leben Busfahrer in Chicago ist. In seinem impulsiv-schneidenden Spiel lieferte er nicht nur rockige Kicks und Triolen-Dynamik, sondern viel Melodie und Feeling, dazu intonierte er eigene Songs mit Texten aus dem Hier und Jetzt. Er war auch generös genug, um einer jungen Saxofonistin, die eigens aus den USA angereist war, ein längeres Jam-Intermezzo einzuräumen. «Saxophone Barbie», wie sich die strohblonde Frau nennt, schlug sich bravourös und war kaum zu bremsen.

Die grösste Band auf die Bühne brachte der Sänger Wee Willie Walker, der mit funky-jazzigem Blues und einigen souligen Schmachtfetzen das Publikum entzückte. Zwei exzellente Bläser und variantenreiche Arrangements sorgten für Drive und Musikalität. Mit Billy Brunch & The Sons of Blues kamen Bluesharp-Freunde auf die Rechnung. Aber auch all jene, die satte und hypnotische Grooves schätzen. «We’re gonna boogie ...», intonierte Billy Brunch, und das Publikum sang zurück: «... all night long».

Positive Bilanz

Laut den Organisatoren haben an den zehn Festivaltagen «weit über 11 000 Personen» die Konzertabende im Casino und die Rahmenveranstaltungen besucht. Die Rekordzahl von 12 000 Personen im letzten Jahr wurde nicht ganz erreicht, aber damit hatte man gerechnet, war doch das 20-Jahr-Jubi­läum mit einem speziellen Programm (Delbert McClinton, Cyril Neville) gefeiert worden. Das Festival bleibt publikumsmässig auf dem bewährten Level.

Auch das Festival als Ganzes ist auf Kurs, nachdem der Gründer und langjährige Präsident Guido Schmidt nach 20 Jahren den Stab an Bründler übergeben hat. Im Mittelpunkt stehen die Musik, die Gastfreundschaft und dieses unkomplizierte Neben- und Miteinander von Publikum, Besuchern und Organisatoren. Kaum ein anderes Festival bietet eine solche Nähe zu den Künstlern.

Bründler zeigte sich sehr zufrieden mit der Premiere unter seiner Ägide. Inhaltlich habe er das Programm als sehr intensiv erlebt. Freude bereiteten ihm viele positive Rückmeldungen. «Es war ein Highlight in jeder Beziehung.»

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