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LUCERNE BLUES FESTIVAL: John Primer: «Muddy Waters war wie ein Vater für mich»

John Primer (71) weiss, was der Blues ist. Der Gitarrist und Sänger spielte viele Jahre mit Muddy Waters. Zum zweiten Mal ist er nun am Lucerne Blues Festival. Wie beurteilt er die Zukunft des Blues?
«Blues ist der gute Stoff!», sagt John Primer. (Bild: PD)

«Blues ist der gute Stoff!», sagt John Primer. (Bild: PD)

John Primer, auf welchen Wahlausgang in den USA hoffen Sie? Erwarten Sie politisch eine grosse Veränderung?

John Primer: Ich hoffe, dass Hillary Clinton die Wahlen gewinnt, dann bleiben die Errungenschaften von Barack Obama erhalten. Wenn Trump gewinnt, droht eine Revolution, da bin ich mir sicher. Ich traue ihm nicht, er ist betrügerisch. Sollte er gewinnen, versuche ich, nach Europa auszuwandern. Ich will nicht, dass meine elfjährige Tochter unter seinem Regime aufwächst. Obwohl die USA tief im Blues stecken würden: Ich müsste gehen.

Sie kamen 1963 vom Süden nach Chicago. Wie haben Sie diese frühen Jahre musikalisch und persönlich geprägt?

Primer: Es gab keinen besseren Ort, um den Blues zu lernen. Überall Musik, überall Clubs. Zuerst lernte ich den West-Side-, dann den South-Side-Stil. Auch der Rhythm and Blues aus Chicago ist eingeflossen. Vor allem haben mich all die grossen Blueser geprägt. Muddy Waters, Magic Slim, Sammy Lawhorn, Jr. Wells, Elmore James, Jimmy Reed, J. B. Hutto, B. B. King and Hubert Sumlin: Mit ihnen zu spielen und ihre Songs zu lernen, hat mein Leben und meine Musik für immer verändert.

Sie haben viele Jahre mit Muddy Waters gespielt. Wie erinnern Sie sich an ihn?

Primer: Von Muddy Waters lernte ich, wie ich ein Bandleader werden und meinen eigenen Sound finden konnte. Auch der Respekt vor dem Publikum ist ihm stets wichtig gewesen. Er war wie ein Vater für mich und hat mich ermutigt, meinen Weg zu gehen. Er glaubte an mich und an meine Fähigkeiten.

1981 standen Sie gar mit The Rolling Stones auf der Bühne. Wie war das für Sie?

Primer: Die Rolling Stones gaben damals drei Konzerte in Chicago und wollten ihrem grossen Vorbild Muddy Waters die Reverenz erweisen – mit einem unan­gekündigten Konzert im Blues Club Checkerboard Lounge. Ich musste als Bandleader die ganze ­Truppe zusammenhalten. Wir waren alle sehr angetan, mit den Stones spielen zu können. Es war ein denkwürdiger Anlass, die Nacht verging im Flug.

Sie haben sich immer stark für den traditionellen Blues engagiert. Was hält Sie dort?

Primer: Seit ich geboren wurde, habe ich traditionellen Blues gehört. Er war überall, im Radio, in den Blues-Lokalen. Er ist das Fundament. Es gibt zurzeit nicht mehr viele, die traditionellen Blues spielen, aber das wird sich bald ändern. Der traditionelle Blues ist die Grundlage von aller Musik. Ich werde ihn spielen, bis ich sterbe. Er ist meine Herkunft. Mit mir hat der Blues einen guten Boden.

Was ist für Sie die Essenz des Chicago Blues?

Primer: Chicago Blues ist eine Mischung aus Delta Blues, Lump-Stil und R ’n’ B. Den Lump-Stil habe ich perfektioniert, während ich mit Magic Slim & The Teardrops unterwegs war. Die Bass­linie macht «lump da lump da lump da lump», zusammen mit dem Schlagzeug. Dieser Rhythmus erlaubt dir, alles zu spielen. Chicago Blues kann auch ein bisschen wie R ’n’ B klingen, vor allem wenn die Stimme dazukommt.

Verstehen Sie es, wenn Musiker versuchen, den Blues in neue Richtungen zu öffnen, ihn mit anderen Sounds und Stilen aufmischen?

Primer: Wenn das gut gemacht wird und der Respekt vorhanden ist, habe ich nichts dagegen. Aber die meisten Leute respektieren die Musik nicht und verbinden auch die neuen Sounds und Stile unbefriedigend. Blues ist Feeling. Du musst den Blues mit deinem Herzen spielen. Das ist das Wichtigste überhaupt. Die Musik, die du spielst, muss ein Feeling haben, sonst funktioniert sie nicht.

Die junge Generation scheint mehr an Hip-Hop, Rap oder neuem R ’n’ B interessiert zu sein: Befürchten Sie, dass der Blues in Zukunft an Wichtigkeit verlieren könnte?

Primer: Nein, der Blues wird nie sterben! Die junge Generation weiss nichts über den Blues, weil er nicht mehr am Radio gespielt wird. Wenn für ihn so geworben würde, wie das mit Hip-Hop oder R ’n’ B geschieht, würden viel mehr junge Leute den Blues mögen. Wir alle haben den Blues und können uns mit ihm identifizieren. Der Blues mag Old-School-Musik sein, was ist daran auszusetzen? Erst mit den Jahren lernst du, was der gute Stoff ist. Und Blues ist der gute Stoff!

Was wird den Blues lebendig halten?

Primer: Die jungen Leute müssen ihn zuerst einmal hören können. Sie sollten auch die ganze Geschichte, die dahintersteckt, kennen lernen. Das braucht Vermittlung. Es gibt Blues-Verbände und Blues-Museen, die mithelfen, dass unsere Geschichte nicht vergessen geht. Wir müssen unseren Kindern davon erzählen, aber auch die heutigen Bluesmänner und Bluesfrauen unterstützen. Es gibt so ­viele, die in Armut leben. Auch das Publikum am Lucerne Blues Festival hilft mit, dass der Blues stark und lebendig bleiben kann.

Sie sind nicht das erste Mal am Lucerne Blues Festival: Was haben Sie für Erinnerungen an den letzten Auftritt im Jahr 2012?

Primer: Ich hatte eine wunderbare Zeit in Luzern. Das Lucerne Blues Festival ist für mich das beste Blues Festival in Europa! Man wird hier liebenswürdig behandelt und erhält Respekt für die Musik. Hier wird auch der traditionelle Blues geschätzt, das spürt man. Das Festival hilft mit, den Blues weiterzutragen und ihn dort zu vermitteln, wo er traditionellerweise keine Wurzeln hat.

Pirmin Bossart

Lucerne Blues Festival – das Programm


Das traditionelle Gratis-Eröffnungskonzert des Lucerne Blues Festival im Hotel Schweizerhof, Luzern (5. Nov.) findet erstmals im Rahmen der «Valiant Charity Night» statt: Der Abend wird gemeinsam mit dem neuen Hauptpartner (Valiant Bank) organisiert. Die freiwilligen Spenden dieses Abends (Kollekte) fliessen in die Weihnachtsaktion der «Luzerner Zeitung». Auf der Bühne stehen B. B. & The Blues Shacks (Bild), vielleicht die beste Bluesband Europas. Am Festival treten die deutschen Blueser nochmals mit der Sängerin Bonita auf, wo sie ihr Repertoire hin zum Rhythm & Blues und Soul erweitern.


Eigens für die 22. Ausgabe des Lucerne Blues Festival zusammengestellt wurde der Tribut für den grossen Blueser Muddy Waters, der dieses Jahr seinen 101. Geburtstag hätte feiern können. Mit dabei sind unter anderen John Primer, der viele Jahre Bandleader von Muddy Waters war (siehe Interview), oder Bob Strogerund Billy Flynn, die schon mehrmals am Festival spielten.


Mit Bettye LaVette (Bild) kehrt nach 2008 eine erstklassige Blues- und Soulsängerin nach Luzern zurück. Die 70-jährige Frau interpretiert mit Stil und Eigenheit gerne Coverversionen von bekannten Songs aus der Blues-, Pop- und Rockwelt. Eine grosse Sängerin ist auch die Texanerin Lou Ann Barton,die bei The Fabulous Thunderbirds oder Roomful of Blues mitwirkte und mit Bob Dylan tourte.


Mit berauschenden Namen wie Lazy Lester, Otis Grand, Earl Thomas(«Ich wollte der schwarze Mick Jagger sein»), den Brüdern Dave & Phil Alvin sowie Carl Weathersby oder JW-Jonesbringt das Lucerne Blues Festival auch dieses Jahr wieder eine erstklassige Auswahl von Blues-Künstlern in das Casino. Eric «Slim» Zahl und die South West Swingers sind die Sieger der diesjährigen European Blues Challenge. Blues aus der Schweiz gibt es mit Nett/Bislin & BurroBeatzu hören.

pb


5. bis 13. November
5. 11., 20.00, Valiant Charity Night; 6. 11., 12.00, Blues-Brunch, Hotel Seeburg; 9. 11., 23.00, B. B. & The Blues Shacks (Casineum, Gratiskonzert); 10.–12. 11., ab 19.00, Festival im Grand Casino, Luzern; 13. 11., 12.00, Blues-Brunch, Hotel Schweizerhof.

www.bluesfestival.ch

B. B. & The Blues Shacks. (Bild: PD)

B. B. & The Blues Shacks. (Bild: PD)

Bettye LaVette. (Bild: PD)

Bettye LaVette. (Bild: PD)

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