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LUCERNE FESTIVAL: Academy sucht den Superstar

Ein ­Instrumenten-Parcours als virtuose Castingshow: Die Young Performance «Diva­mania» nimmt ironisch den «Primadonna»-Kult aufs Korn.
Urs Mattenberger
Sie tragen ihr eigenes Ich als Masken: Szene aus der Young Performance «Divamania». (Bild: Lucerne Festival/Peter Fischli)

Sie tragen ihr eigenes Ich als Masken: Szene aus der Young Performance «Divamania». (Bild: Lucerne Festival/Peter Fischli)

Urs Mattenberger

In Rezitals und Sinfoniekonzerten steht jeweils der Starsolist unangefochten im Zentrum. In der Vorpremiere der Young Performance «Divamania» war das gestern anders. Da dienen drei Podeste zunächst als Laufsteg und werden später zum Siegerpodest nebeneinandergestellt. Darauf drängeln sich gleich sechs Instrumentalisten – ehemalige Teilnehmer der Lucerne Festival Academy – um die Spitzenplätze.

Primadonnenkult ganz aktuell

Und beweisen, dass sie ihr Virtuosenfutter draufhaben. Ein Geiger lässt zwischen süffigen Doppelgriff-Passagen die Funken sprühen und verdrängt damit die rezeptiven Grooves der Bratsche hochnäsig vom Spitzenplatz. Die Trompete fährt mit Fanfaren dazwischen, ganz nach dem Motto «Faster, better, louder» das auf einem der T-Shirts schreit. Sich von den anderen abheben ist alles. Die Kontrabassistin beweist es mit einem relaxten Walking Bass, bevor der Schlagzeuger alle Konkurrenten hinwegfegt.

Der Instrumentenparcours ist einer der Höhepunkte dieser dritten Young-Eigenproduktion von Lucerne Festival. Hier wird auch die Idee des Stücks am greifbarsten umgesetzt: zu zeigen, wie aktuell der vermeintlich altmodische Primadonnen-Kult in einer Zeit ist, wo sich jeder in Talentshows und in sozialen Medien als Star inszeniert.

Die Academy sucht den Superstar: Dafür steht in der Choreografie von Massimo Gerardi zu Beginn das Schaulaufen der sechs Musiker und zwei Tänzer (Malwina Stepien und Martin Angiuli) über den Laufsteg. Schon da werden entsprechende Fernsehformate ironisiert. Die Frauen in kurzen Röcken könnten mit ihrem Hüftschwung und dem eingefrorenen Lächeln noch als Models durchgehen. Aber die Männer in Damenstiefeln und weissen Shorts bringen den ersten Lacherfolg beim jungen Publikum.

Hammermässiges Finale

Der Auftakt zieht sich zwar in die Länge. Aber dann treiben gestampfte Rhythmen das Schaulaufen zum Wettrennen an. Und wenn der Gleichmarsch in ein Durcheinander mündet, in dem Rufe wie «I am the Superstar!» ins Megafon gebrüllt werden, bekommt die Vorstellung Drive und Szenenapplaus.

Danach folgt «Divamania» der Grundidee des Young-Performance-Formats, allein mit instrumentalem Spiel und Theater ein Thema auszureizen. Dabei setzt Gerardi weniger auf einen durchgehenden Spannungsbogen als auf Kontraste. Eine Szene spielt auf den Primadonnen-Kult an, wenn die Musiker mit stilisierten Barockperücken Bachs Air mit Vivaldi-Motorik aufmischen. Gespenstisch ist die Szene, in der sich die Akteure ihr eigenes Bild als Maske überstülpen und den Ich-Kult als austauschbares Rollenspiel entlarven.

Näher an der Alltagswelt der Kinder ist der Start zum 100-Meter-Sprint sowie das hammermässige Finale: die Jam-Session über das jiddische Lied «Bei mir bist du so schön» zeigt, was jenseits des Wettbewerbs in der Gemeinschaft möglich ist: eine ausgelassene musikalische Party.

Damit bewegt sich «Divamania» zwischen den der ersten Young Performance vor drei Jahren, die mit Poesie und Action Rivalitäten vorführte, und der letztjährigen, die sich in technischen Spielereien verzettelte.

Vor allem aber bestätigt sie das Potenzial, über das Lucerne Festival dank über tausend Academy-Alumni für solche Projekte verfügt. Dass sich die Grenze zwischen Tanz und instrumentalem Spiel verwischte, lag vor allem am theatralen Talent der vorzüglichen jungen Musiker.

Hinweis

Vorstellungen: Sa, 10. September, 11/15 Uhr, KKL, Luzerner Saal.

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