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LUCERNE FESTIVAL: Alma und Gustav Mahler im Wettstreit vereint

Was im Leben nicht möglich war: Im KKL führte das Orchester aus Rotterdam Werke von Alma Mahler und ihrem übermäch­tigen Gatten zusammen.
Fritz Schaub
Staute die Energien bis zum Zerreissen: Yannik Nézet-Séguin dirigiert das Rotterdam Philharmonic Orchestra. (Bild: Lucerne Festival/Priska Ketterer)

Staute die Energien bis zum Zerreissen: Yannik Nézet-Séguin dirigiert das Rotterdam Philharmonic Orchestra. (Bild: Lucerne Festival/Priska Ketterer)

Claudio Abbado hat nur den ersten Satz dirigiert, andere haben es gar nicht getan: nämlich das Fragment der zehnten Sinfonie von Gustav Mahler aufzuführen. Nach Riccardo Chailly, der es am Lucerne Festival zweimal aufführte (2000 und 2009), setzte am Donnerstag auch der Kanadier Yannik Nézet-Séguin mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra das Fragment aufs Programm.

Die Meinungen darüber, ob man die aus Mahlers Skizzen eingerichtete Sinfonie Nr. 10 aufführen soll, gehen noch immer auseinander. Fakt ist, dass sich die Version, die der englische Musikwissenschaftler Deryck Cooke in Zusammenarbeit mit Berthold Goldschmidt sowie Colin und David Matthews einrichtete, durchgesetzt hat. Aber ganz konnte auch sie im nicht ganz ausverkauften KKL-Konzertsaal die Zweifel aus dem Weg räumen.

Komponierte Ehekatastrophe

Denn selbst das Adagio ist nicht vollständig ausgearbeitet. Eindrücklich aber ist so oder so, wie die Bratschen gleich zu Beginn eine feierliche Stimmung erzeugen, bevor die hohen Streicher und Posaunen das Adagio-Thema anstimmen, das in einen Gesangsstrom von Bruckner’schem Ausmass mündet. Umso erschreckender der fortissimo einbrechende Choral mit dem sich auftürmenden dissonanten Neuntonakkord und der enervierend laut insistierenden Solotrompete – unzweideutige Spuren der Lebenskrise, die Mahler nach der Trennung von Alma heimsuchte.

Ein Einbruch war das auch bei Yannik Nézet-Séguin (41), der 2008 in Rotterdam Valery Gergiev an der Spitze abgelöst hat. Aber wie er ihn vorbereitete, wie er die Spannung erzeugte, indem er die Streicher ins kaum wahrnehmbare Pianissimo zurücknahm, hatte noch etwas von einer Inszenierung an sich.

Im unmittelbar an das zweite Scherzo anschliessenden Finale wird das Adagio-Thema wieder aufgegriffen, und auch der Katastrophen-Akkord erscheint wieder. Hier identifizierte sich der Dirigent uneingeschränkt mit der Mahler’schen Tonsprache und staute die Energie fast bis zum Zerreissen, wobei das Orchester richtig aufblühte. Die Soloflöte hatte den friedlichen Ausklang bereits zu Beginn des Satzes vorbereitet und unterstrich ihn nochmals kurz vor Schluss. Weniger Überzeugungskraft in der rund 80-minütigen Sinfonieversion erreichten demgegenüber die beiden ungleichen Scherzi und das kurze Purgatorio. Da muss das Orchester doch viel Rohmaterial vor sich herschleifen, das Gustav Mahler bestimmt ausgearbeitet hätte, aber punktuell gab es auch da immer wieder zündende Momente und blitzende Ideen.

Sinnliche Alma-Mahler-Lieder

In der fast gleich grossen Besetzung präsentierte sich das Orchester bereits zu Beginn, als es bei den sechs vom Brüderpaar Matthews orchestrierten Liedern von Alma Mahler die Mezzosopranistin Sarah Connolly begleitete. Hatte Mahler der Gattin das Komponieren zunächst verboten, setzte er sich gegen Ende seines Lebens für sie ein.

Die sechs ausgewählten Gedichte atmen ganz den Zeitgeist, und auch die Vertonungen verraten das Wien des Jugendstils und der Sezession. Im Auf- und Abwogen des harmonisch vieldeutigen und recht üppigen Orchesterparts drohte die Stimme in tieferen Lagen bisweilen zu versinken, strahlte aber in den manchmal bis zur Emphase gesteigerten Höhepunkten umso mehr Sinnlichkeit und Leuchtkraft aus.

Fritz Schaub

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