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LUCERNE FESTIVAL AM PIANO: Die Orgel verleiht dem Piano Flügel

Vom 21. bis 29. November sitzen in Luzern grosse Individualisten am Klavier. Aber mit einem «Tasten»-Erlebnistag geht das Piano-Festival auch an der Orgel thematisch neue Wege.
Eröffnen und beschliessen den Tastentag im KKL: das Luzerner Klavierduo Adrienne Soós/Ivo Haag und... (Bild: PD)

Eröffnen und beschliessen den Tastentag im KKL: das Luzerner Klavierduo Adrienne Soós/Ivo Haag und... (Bild: PD)

Das Piano-Festival kommt, anders als das Lucerne Festival im Sommer, ohne Thema aus. Programm sind hier die grossen Individualisten am Klavier, die auch dieses Jahr ihre pianistischen Hausgötter vorführen. So spielt etwa der Romantiker Radu Lupu Schubert und Brahms, Maurizio Pollini Chopin oder der Franzose Jean-Yves Thibaudet Werke seines Landsmanns Maurice Ravel. Besonders reizvoll ist im Fall von András Schiff die Rückkehr quasi zu den eigenen Wurzeln mit Bach.

Dass in den «Debuts» dieses Jahr drei russische Jungpianisten auftreten, gibt quasi einen thematischen Nebenakzent. Das gilt auch für das Piano Off-Stage, in dem Jazz-Pianisten allabendlich in Luzerner Hotel-Bars auftreten.

Erstmals Erlebnistag am Piano

Die Idee eines Themen-Festivals ins Zentrum bringt jetzt aber der «Tastentag» rund um die Goll-Orgel im Konzertsaal. Er bringt erstmals das im Sommer eingeführte Konzept eines «Erlebnistags» ans Piano-Festival. «Auch da ist die Idee, durch eine Konzentration von Veranstaltungen unter einem bestimmten Aspekt in gesteigerter Form ein Erlebnis zu ermöglichen, wie es ein Festival generell anstrebt», bestätigt Intendant Michael Haefliger.

Der Tag für Pierre Boulez ermöglichte im Sommer neue Perspektiven auf das Schaffen dieses Komponisten, 2016 treten am Erlebnistag zum Thema «Primadonna» sechs Dirigentinnen auf. Im Vergleich dazu wirkt die Beschränkung auf Orgel und Klavier am Tastentag weniger spektakulär, zumal hier vom Clavichord übers Cembalo bis zum Keyboard viele Tasteninstrumente und Stilbereiche nicht berücksichtigt werden.

«Die Wahl der Orgel war naheliegend, weil sich im Konzertsaal dieses Instrument bestens mit dem Spiel auf Konzertflügeln kombinieren lässt», meint Haefliger. «Wir wollen schauen, ob sich das Piano-Publikum auch für ein solches Gesamtpaket begeistern lässt. Künftig sind durchaus andere Akzente und der Beizug anderer Instrumente möglich.»

Visionen an Orgel und Flügeln

«Zum Reiz dieses Tastentages gehört», so Haefliger, «dass er das Potenzial an hervorragenden Organisten in Luzern nutzt, die ihren je eigenen Hintergrund mitbringen.» Eine besondere Pointe dazu bietet der Auftakt um 14 Uhr. Da spielt das bekannte Luzerner Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag an zwei Konzertflügeln das Werk eines Komponisten, dessen Musik ganz von der Orgel inspiriert ist: Olivier Messiaens «Visions de l’Amen», die einen Bogen von der göttlichen Schöpfung über den Leidensweg Christi, die Liebe und die Natur bis zur Erfüllung im Paradies spannen.

Nach diesem mystisch-orchestralen Auftakt liefert Elisabeth Zawadke, Orgel-Dozentin an der Musikhochschule Luzern, an der KKL-Orgel ein professorales Meisterstück ab: Werke von Franz Liszt (über «B-A-C-H») und Max Reger, deren dichte Stimmengewebe sich in der transparenten Akustik des Konzertsaals ideal darstellen lassen. Beide Tasteninstrumente, das perkussive Klavier und das Blasinstrument Orgel, werden kombiniert, wenn Wolfgang Sieber (Orgel) mit seinem Sohn Joseph (Klavier) George Gershwins «Rhapsody in Blue» interpretiert.

Prominenter Abschluss

Ausgerichtet ist die Goll-Orgel im KKL aber nicht zuletzt auf sinfonisches und modernes Repertoire. Ein Herzstück des Tastentages steuert dazu Franz Schaffner, Organist der barocken Franziskanerkirche, bei – mit dem «Veni Creator»-Hymnus des Zuger Komponisten Carl Rütti und Louis Viernes erster «Symphonie pour Grand Orgue».

All das spannt zum Schluss das Rezital des prominenten internationalen Gastes zusammen: Pierre Pincemaille zieht alle Register des Instruments in einem Programm, das von Bach über die französische Orgeltradition der Romantik (César Franck) bis zur Moderne reicht. Und mit Olivier Messiaens «Le Banquet céleste» den Kreis schliesst.

Urs Mattenberger

Vom Bach-Kosmos zum Herzensschrei: Das Programm


Der «Tastentag» weitet das Piano-Festival aus auf 16 Veranstaltungen vom 21. bis zum 29. November. Zu den Rezitals im KKL-Konzertsaal kommen «Piano Lectures» von Martin Meyer (28. November) und ein Meisterkurs von Martin Helmchen (St. Charles Hall, Meggen, 25. bis 28. November).

András Schiff, Samstag, 21. November,18.30: So universell breit sein Repertoire geworden ist – der Ausnahmerang als Bach-Interpret ist András Schiff geblieben. Im Eröffnungskonzert geht er zurück zu den Wurzeln. Und durchschreitet mit dem italienischen Konzert, der französischen Ouvertüre und den Goldbergvariationen den ganzen Bach-Kosmos.

Tastentag, Sonntag, 22. November,ab 14 Uhr: Klavierduo Soós-Haag: Messiaens «Visions de l’Amen» (14 Uhr); Elisabeth Zawadke: Liszt und Reger (15.15 Uhr), Wolfgang und Joseph Sieber (Orgel/Klavier) u. a.: Gershwins «Rhapsody in Blue» (16.30); Franz Schaffner: Werke von Rütti und Vierne (17.45); Pierre Pincemaille: von Bach bis Messiaen zur Improvisation (19.30 Uhr).

Radu Lupu, Montag, 23. November,19.30: Der rumänische Kultpianist gibt am Festival sein erstes Solo-Rezital nach zehn Jahren – mit Variationen von Mozart, Beethoven und Brahms sowie Schuberts später G-Dur-Sonate.

Piano Off Stage, 24. bis 29. November:Acht Jazz-Pianisten stellen sich beim Opening Piano Off Stage im Luzerner Saal vor (Dienstag, 24. November, 19.30). Anschliessend spielen sie ab 18.30 Uhr in der KKL-Seebar und in Hotel-Bars (The Hotel, Wilden Mann, Des Balances, Schweizerhof, National, Palace und Montana).

Debuts in der Lukaskirche (12.15):Alle Jungpianisten stammen aus Russland. Pavel Kolesnikov spielt Fantasien von Mozart und Schumann um Mazurken von Chopin (Mittwoch, 25. November). «Feinsinn und Temperament», so ein Kritiker, beweist Denis Kozhukin (29) mit Haydn und Prokofjew (Donnerstag, 26. November). Wie arriviert die Piano-Debütanten sind, beweist Olga Scheps (29):Mit einem Echo Klassik begann 2010 eine Blitzkarriere, die sie schon ans Zaubersee-Festival in Luzern führte – mit Rachmaninows Corelli-Variationen. Am Festival ergänzt sie dieses Schwergewicht durch Chopins Ballade g-Moll und dritte Sonate (Freitag, 27. November).

Lise de la Salle, Mittwoch, 25. November,19.30: Ein Piano-Festival bringt die Stars, die es braucht, auch selbst hervor. Wie die Französin, die seit ihrem Debüt 2008 regelmässig zurückkehrt – jetzt mit kühn konstruierten Variationen von Brahms und Klangzaubereien von Ravel und Debussy.

Piotr Anderszewski, Donnerstag, 26. November,19.30: So gewissenhaft wie sein Spiel, so rar sind die Auftritte des Polen Piotr Anderszewski: Als künstlerische Synthese zwischen 200 Jahren Musikgeschichte (bei Bach) und Folklore (bei Bartók) versteht er ein Programm, in dessen Zentrum Werke von Schumann und Szymanowski stehen.

Klavierkonzert, Freitag, 27. November, 19.30: Die Festival Strings profilieren sich zunehmend als Mozart-Orchester Luzerns. Und begleiten die Kanadierin Angela Hewitt in vier Konzerten von Mozart und Bach.

Jean-Yves Thibaudet, Samstag, 28. November, 19.30: Die Verbindung von Schlichtheit und Raffinement wurde dem Franzosen Thibaudet noch von einer Freundin Ravels aus erster Hand vermittelt. Im Rezital kombiniert sie Ravels «Pavane» mit Schumanns Kinderszenen rund um dessen hochvirtuose erste Sonate – einem «Herzensschrei» nach der Geliebten Clara Schumann.

Maurizio Pollini, Sonntag, 29. November,18.30: Der italienische Klavier-Altmeister krönt das Festival mit romantischen Würfen und Wundern von Schumann (Fantasie C-Dur) und Chopin (Nocturnes, Scherzo Nr. 3).

mat


Programm/VV: www.lucernefestival.ch, Tel. 041 226 44 80

... als Stargast an der KKL-Orgel, Pierre Pincemaille. (Bild: PD)

... als Stargast an der KKL-Orgel, Pierre Pincemaille. (Bild: PD)

Bach-Kosmos: András Schiff. (Bild: PD)

Bach-Kosmos: András Schiff. (Bild: PD)

Blitzkarriere: Olga Scheps. (Bild: PD)

Blitzkarriere: Olga Scheps. (Bild: PD)

Vier Konzerte: Angela Hewitt. (Bild: PD)

Vier Konzerte: Angela Hewitt. (Bild: PD)

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