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LUCERNE FESTIVAL: Beethoven-Bekenntnis und Frühlings-Aufbruch

Geistlich und weltlich mischte sich im ersten Sinfoniekonzert unter Mariss Jansons. Auf die gegenwärtige Jahreszeit Bezug nahm das glänzende Finale des Oster-Festivals.
Mariss Jansons dirigiert das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Vor ihm die vier Vokalsolisten. (Bild: Peter Fischli/LF (24. März 2018))

Mariss Jansons dirigiert das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Vor ihm die vier Vokalsolisten. (Bild: Peter Fischli/LF (24. März 2018))

Der Eindruck, dass die 30. Ausgabe des Osterfestivals vermehrt einen weltlichen Charakter angenommen hat, wurde mit den letzten beiden Sinfoniekonzerten verstärkt. Dabei stand mit Mariss Jansons ein Dirigent am Pult, der seit 15 Jahren mit dem Osterfestival besonders eng verbunden ist und dabei auch immer wieder das geistliche Repertoire gepflegt hat.

Diesmal begnügte er sich mit einem einzigen geistlichen Beitrag, aber einem umso gewichtigeren: der Messe C-Dur op. 86 Ludwig van Beethovens. Wenn man am Samstag die Aufführung gehört hat, ist es schwer vorstellbar, wieso diese 1807 entstandene Messe vom andern grossen geistlichen Werk des Meisters, der «Missa solemnis», derart an den Rand gedrängt wurde.

Kontrastreich und blockhaft

Dass das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks über einen eigenen Chor verfügt, erweist sich als Glücksfall. Dies gerade bei einem solchen Werk, das in typischer Beethoven-Manier Wege geht, die von der Konvention abweichen und eher vorsichtig an den Messetext herangeht. Positiv fiel die enge Verbindung des Chorklangs mit dem Orchesterspiel auf, was sich schon in der Aufstellung zeigte: der 60-köpfige Chor in drei Reihen hinter dem Orchester – und das Solistenquartett, mit Julia Kleiter (Sopran), Gerhild Romberger (Alt), Christian Elsner (Tenor) und Florian Boesch (Bassbariton) stark besetzt, davor an der Rampe.

Jansons war innerhalb eines kompakten Gesamtklangs für eine differenzierte Gestaltung besorgt, indem er leise Passagen immer wieder ohne Einsatz des Taktstocks suggestiv formte und von meist blockhaft zugespitzten Forte-Ausbrüchen abhob. Für die auch in puncto Diktion mustergültige Vorbereitung des Chors hatte ein Ex-Luzerner gesorgt: der Brite Howard Arman, der 2011 bis 2016 erfolgreich als Musikdirektor am Luzerner Theater tätig war und seit 2016/17 in München künstlerischer Chorleiter ist.

Etwas fremd nahmen sich demgegenüber die beiden andern Werke aus. Eine Verwandtschaft ergab sich beim Trompeten-Konzert E-Dur von Johann Nepomuk Hummel mit der Messe-Aufführung, indem auch der Solist, Martin Angerer, aus den eigenen Reihen stammt. Ging er den ersten Satz, der im Stile des Naturhorns simpel mit Dreiklängen arbeitet, etwas vorsichtig an, kostete er die Optionen, die der zweite und dritte Satz dank neuer Ventiltechnik bieten, umso stärker aus: betörend melodisch fast im Belcanto-Stil im mittleren Satz, halsbrecherisch virtuos im Rondo-Finale mit der Doppelzungen-Technik.

Ein Randdasein fristet auch die «Symphony in Three Movements» (1942–1945) von Strawinsky. Jansons liess sich davon nicht beirren und machte mit lockerer und doch detailscharfer Zeichengebung klar, dass es sich vor allem um eine Spielmusik handelt, in die man nicht zu viel hineindeuten sollte. Mit zwei schnellen, rhythmisch einfahrenden Sätzen und einem langsamen, fast kammermusikalischen Satz ähnelt das Werk einer Sinfonie. Aber sie wendet sich davon immer wieder ab, geht ihren eigenen Gang nach der typischen Reihungstechnik Strawinskys. Ein vergnüglicher Konzertauftakt war diese Rückschau auf die grossen Ballette der Frühzeit im Stile des «Sacre».

Ausgelassenes Festival-Finale

Beinahe exakt fiel im gestrigen Schlusskonzert des Festivals die Frühlingssinfonie B-Dur von Robert Schumann mit dem kalendarischen Frühlingsbeginn zusammen. Und den Frühling mit all den Gefühlen meinte Schumann tatsächlich. Man könnte die vorwärtsdrängenden Kräfte noch hitziger vorantreiben, als es Jansons tat. Aber mit dem kraftvoll in den Raum gestellten Horn-Motto am Beginn des Kopfsatzes markierte er klar, dass dem Komponisten Schuberts grosse C-Dur-Sinfonie vorschwebte. Und die expressive Wiedergabe war dieser würdig.

Weit weg vom österlichen Motto entfernte sich das Konzert nach der Pause mit der in der Villa Senar in Hertenstein entstandenen Rhapsodie über ein Thema von Paganini von Sergej Rachmaninow mit einem sensationellen Denis Matsuev am Klavier und mit dem Divertimento for Orchestra von Leonard Bernstein zu dessen 100. Geburtstag. Aber für den Jubel des Publikums war dies natürlich kein Hindernis.

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch


Hinweis

Radio SRF 2 Kultur sendet das erste Jansons-Konzert mit der Beethoven-Messe im Zentrum am Ostersonntag, 22 Uhr. Das zweite Jansons-Konzert wird am 10. Mai, 20 Uhr, ausgestrahlt.

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