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LUCERNE FESTIVAL: Das Dream-Team ganz familiär

Daniel Barenboims Auftritt am Montag wurde zum historischen Jubiläumskonzert: Dank einem Überraschungsauftritt am ­Flügel mit der «Grande Dame» des Klaviers.
Fritz Schaub
Ein historisches Bild: Als Freunde aus Kindstagen setzten sich Daniel Barenboim und Martha Argerich nach dem offiziellen Programm gemeinsam an den Flügel. (Bild: Lucerne Festival/Priska Ketterer)

Ein historisches Bild: Als Freunde aus Kindstagen setzten sich Daniel Barenboim und Martha Argerich nach dem offiziellen Programm gemeinsam an den Flügel. (Bild: Lucerne Festival/Priska Ketterer)

Glückliches Lucerne Festival: Noch am 11. August in Salzburg sagte Martha Argerich ihren Auftritt mit Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra krankheitshalber ab. Das Salzburger Publikum musste dabei nicht nur auf das Klavierkonzert Nr. 1 von Franz Liszt verzichten, denn Daniel Barenboim ersetzte es durch ein Mozart-Klavierkonzert mit ihm selber als Solist. Es verpasste auch einen gemeinsamen Auftritt des Dirigenten mit der argentinischen Starpianistin.

Dieser Auftritt war zwar auch in Luzern nicht angekündigt, aber die ­«Grande Dame» war da und verband sich nach der fulminanten Wiedergabe des Liszt-Klavierkonzerts mit ihrem aus Kindertagen bekannten Freund und Kollegen zu jenem Dream-Team, das seit drei Jahren in Buenos Aires und Berlin das Publikum ins Staunen versetzt.

Einmal grandios – einmal häuslich

Der Gegensatz hätte nicht grösser sein können: zuerst das mächtig auftrumpfende, tastendonnernde Klavierkonzert – dann mit dem a-Moll-Rondo D.951 für vier Hände von Franz Schubert das fast häuslich, familiär wirkende Zusammenspiel zweier ungefähr gleichaltriger, einst als Wunderkinder gefeierter Künstler. Beide durchmassen auf ihre Weise eine Weltkarriere und gewannen im Proust’schen Sinne die Zeit in der Geburtsstadt Buenos Aires zurück, als sie sich jede Woche im Hause eines begüterten und musikbegeisterten Mäzens zum Vorspielen einfanden.

Die Argerich war nicht nur da, sondern präsentierte sich auch in glänzender Spiellaune und zeigte, dass ihr Liszts Klavierkonzert noch immer hervorragend in den Fingern liegt. Sie schien sich unter der klar bestimmten Stabführung Barenboims und im Zusammenspiel mit den jugendlichen Musikern des West-Eastern Divan Orchestra, dessen Ehrenmitglied sie ist, auch sichtlich wohl zu fühlen.

In den letzten Jahren hat sich Martha Argerich vermehrt der Kammermusik zugewandt. Das konnte man auch in diesem Klavierkonzert spüren, das keineswegs einseitig auf die virtuos-hämmernden Seite ausgerichtet war, sondern mit einer fast Chopin’schen Geschliffenheit und Klangschönheit aufwartete. Geradezu kammermusikalische Intimität erreichte der Dialog mit dem Solo-Fagott und andern Solo-Bläsern.

Die orchestrale Begleitung und erst recht dann der Richard Wagner gewidmete zweite Teil bewiesen, dass das hier in Grossbesetzung antretende West-Eastern Divan Orchestra längst über ein Vorzeigeinstrument für friedliches Zusammenleben verfeindeter Nationen hinausgewachsen ist.

Auch hier erfuhr das angekündigte Programm eine beträchtliche Ausweitung. Barenboim ergänzte die Tannhäuser-Ouvertüre, die Ausschnitte aus der «Götterdämmerung» und das Vorspiel zu «Die Meistersinger von Nürnberg» durch das besinnliche Vorspiel zum dritten Akt aus der gleichnamigen Oper und das festlich-hektische Vorspiel zum dritten Akt des «Lohengrin» gleichsam zu einem «Best of Wagner». Ebenso spannend wie stimmig fügte sich das 1908 entstandene, zwölfminütige «Con brio» von Jörg Widmann mit seinen dicht gedrängten Akkordschlägen und geräuschhaft ausgefransten Tonfolgen in das von der Neudeutschen Schule geprägte Programm.

Rückkehr zu Mozart

Bereits beim ersten Auftritt am Sonntagabend hatte das Publikum Barenboim mit ungewöhnlich warmem Applaus empfangen. Mit den drei letzten Sinfonien von Mozart schlug Barenboim einen Bogen zurück zu seinem Luzerner Debütkonzert 1966, das er ebenfalls mit Mozart eröffnet hatte, und zwar als Pianist, der das English Chamber Orchestra vom Flügel aus leitete.

In jener Zeit, als man noch recht weit entfernt von der historischen Aufführungspraxis war, hatte der junge Barenboim auf seine Weise einen neuen, frischeren Ton in das herkömmliche Mozart-Bild gebracht. Jetzt, bei der Wiedergabe der drei letzten Sinfonien durch das West-Eastern Divan Orchestra, wirkte sein Mozart nicht mehr so neuartig. Die Jugend mit ihrem Feuer befand sich nun in dem 1999 gegründeten Orchester, in dem inzwischen auch Teilnehmer aus dem Iran, der Türkei und Europa mitwirken. Das Potenzial dieser jugendlichen Musiker weiss Barenboim auch bei Mozart innerhalb eines eher schweren Orchestergewands geschickt zu nutzen. Am überzeugendsten wirkte die Wiedergabe der Jupiter-Sinfonie, wo sich polyfone und klassische Schreibweise durchkreuzen. Da warf das Orchester seine ganze Klangmacht in die Waagschale und erklomm mit fortwährender Steigerung das strahlende Finale.

Kammermusikalische Ansätze mit empfindsam differenzierter Dynamik und gefühlvoll-zarten Streicherklängen ergaben sich bei den beiden andern Sinfonien (Es-Dur und g-Moll) in den langsamen Sätzen. Mit Vorliebe aber zielte Barenboim auf grosse sinfonische Wirkung wie schon in der Adagio-Einleitung der Es-Dur-Sinfonie, indem er deren Schluss verlangsamte und mit einer Generalpause hinauszögerte, so den weihevollen, deutlich an Freimaurer-Musik erinnernden Charakter unterstreichend.

Fritz Schaub

Fetziger Geiger

KKL mat. Im ersten «40min»-Gratiskonzert präsentierten sich am Montag Musiker des Lucerne Festival Orchestra als vielseitige Solisten, die «ein paar Sachen runterfetzen und kurz erläutern sollten», so der Geiger Daniel Röhn im Luzerner Saal des KKL. Schon das machte die lockere Stimmung, in der sich auch Kinder mal bewegen oder auf grossen Kissen liegen können, deutlich. Und der Geiger «fetzte» nicht nur mit dem Pianisten Eriko Takezawa virtuos die Stücke von Paganini, Sarasate und Kreisler, sondern beendete sein mit Schwierigkeiten gespicktes Kurzprogramm auch noch mit einem kurzen «Moonwalk».

Reinhold Friedrich wollte zwar nicht tanzen, liess aber seine Trompete in einer Hollywood-ähnlichen «Carmen-Fantasie» jubeln und klagen. Jörgen van Rijen führte mit «Slipstream für Posaune solo und loop station» in Jazz und Heavy Metal ein. Das begeisterte ebenso wie Jörg Widmanns Fantasie für Klarinette solo, die Alessandro Carbonare mit aberwitziger Virtuosität und unglaublich variablen Tönen spielte.

Komponierende «Primadonna»

Im Late Night am Samstag konnte man den Klarinettisten im Klarinettenquintett h-moll von Johannes Brahms hören. Mit betörender Intensität fanden sich da die Solisten des LFO zu Kammermusik zusammen, und das nur knapp zwei Stunden nach den letzten wuchtigen Akkorden der 8. Sinfonie von Gustav Mahler. Zudem erklang hier zum Festivalthema «Primadonna» auch das erste Werk einer Komponistin, das Streichquartett e-moll von Ethel Smyth (1858–1944).

Deren Vielseitigkeit machten die LFO-Musiker deutlich. Schmelzend lyrische Melodien bestimmten den ersten Satz; spritzig, tänzerisch und keck überraschte das Allegro molto leggiero mit stets neuen musikalischen Einfällen. Den choralartigen Beginn im weit ausgedehnten Andante spielten die Musiker um den Luzerner Geiger Daniel Dodds mit intensivem Legato. Die musikalische Bandbreite der Komponistin zeigte sich, als im Finale die romantische Stimmung Themen wich, deren Spektrum von männlichen Komponisten wie Debussy, Strawinsky oder Schönberg zu reichen schien.

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