Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUCERNE FESTIVAL: Das Orchester überreicht sein Geschenk

Jedes Jahr trifft sich das Lucerne Festival Orchestra nach der ersten Probe zum Abendessen. Wie ist die Stimmung nach dem ersten Tag mit dem neuen Chefdirigenten Riccardo Chailly?
Katharina Thalmann
«Wundervolle Momente» bereits in der ersten Probe mit Chailly: Solotrompeter Reinhold Friedrich (stehend) beim Abendessen des Lucerne Festival Orchestra. (Bilder Nadja Schärli)

«Wundervolle Momente» bereits in der ersten Probe mit Chailly: Solotrompeter Reinhold Friedrich (stehend) beim Abendessen des Lucerne Festival Orchestra. (Bilder Nadja Schärli)

Katharina Thalmann

Man könnte die Zusammenkunft für ein Vereinstreffen halten. Der Gang zum Saal im Untergeschoss der Lukaskirche Luzern ist besetzt durch Regenschirme und Kinderwagen, der Töggelikasten wird rege benutzt. Die Luft ist feucht und trüb vom Rauch der beiden Grills, auf dem Menü stehen Bratwurst und Bier. Dass sämtliche Gäste Spitzenmusiker aus dem Lucerne Festival Orchestra (LFO) sind, verraten höchstens die vielen Instrumentenkoffer.

Heute Regenjacke, am Freitag Frack

Am Dienstag ging im KKL die erste Probe mit Riccardo Chailly über die Bühne. Am Freitag wird das LFO mit Mahlers achter Sinfonie das Sommerfestival eröffnen. Das gemeinsame Essen dazwischen hat Tradition: Ein gut gelaunter und sichtlich gelöster Intendant Michael Haefliger eröffnet den Abend voll des Lobes für die erste Probe und für den neuen Maestro.

Verschiedene Musiker des Orchesters und Chailly selber hatten im Vorfeld betont, bei der ersten Zusammenarbeit zeige sich, ob zwischen Orchester und Maestro die Chemie stimme. Und, stimmt sie? Reinhold Friedrich, Solotrompeter und Gründungsmitglied des Orchesters, meint: «Die Chemie entscheidet sich nicht innert einer Probe. Sondern bereits, wenn der Dirigent reinkommt und sich aufstellt.» Diese Prüfung hat Chailly bestanden: «Ich schätze an ihm, dass er zwar fordernd ist, seine Wünsche aber klar verbalisiert. Er kommuniziert eloquent und höflich, aber bleibt beharrlich. Wir haben gewisse Stellen drei- oder viermal wiederholt!» Claudio Abbado habe die Proben anders gestaltet, eher nonverbal kommuniziert.

«Wir sind kein Orchester der Freunde, sondern Fans voneinander. Ja, ein Orchester der Fans!» Friedrich ist sichtlich gerührt von der Tatsache, dass heuer sowohl seine Frau als auch sein Sohn mitspielen. «Das Festival erlebt diesen Sommer eine Rundumerneuerung nach vorne. Wenngleich die Entscheidung für Chailly vielleicht etwas Stirnrunzeln provoziert hat – ich bin sehr glücklich darüber.»

Die Wege kreuzen sich

Tatsächlich brodelte im Vorfeld die Gerüchteküche. Anonyme Beiträge auf Facebook behaupteten, Musiker seien ausgeladen worden, um Platz zu schaffen. Michael Haefliger stellte vor einigen Wochen klar, dass solche Fluktuationen beim LFO schon unter Abbado immer dazugehörten. Chailly übernimmt diesen Usus, indem er nun seine musikalischen Freunde, zehn Musiker vom Orchester der Mailänder Scala, einlädt.

Einer von ihnen ist der Cellist Alfredo Persichilli. «Für uns ist die Situation auch neu», sagt Persichilli: «Ich war im Vorfeld etwas angespannt – ebenso wie die Begrüssung von Chailly heute.» Kurz darauf sei diese Spannung völlig verflogen. «Schon am Nachmittag war Chailly gewohnt humorvoll.» Für Persichilli schliesst sich mit dem LFO ein Kreis seines musikalischen Lebens. Denn im Alter von 15 Jahren spielte er selber unter Abbado, und zwar mit vielen Mitgliedern des heutigen Festival-Orchesters im European Community Youth Orchestra.

Abbados Klang als Geschenk

Immer wieder wurde Abbados Fähigkeit hervorgehoben, die Musiker untereinander kommunizieren zu lassen. Wie viel Kammermusik ist möglich mit Chailly – und vor allem in einem monumentalen Stück Musik wie Mahlers «Sinfonie der Tausend»? Reinhold Friedrich meint: «Im Kleinen geht das immer, die Grossordnung aber liegt beim Chef – der das wirklich toll gemacht hat. Es gab schon heute wundervolle Momente, wo uns schien, als würden wir ihm jenen Klang, den Claudio Abbado mit uns kultiviert und gepflegt hat, als Geschenk überreichen.» Nur schade, dass sich der Beschenkte nicht blicken lässt beim Abendessen.

Symbolische Showeinlage

Inzwischen ist es draussen dunkel. Michael Haefliger kündigt eine Ad-hoc-Einlage der Blechbläser an. Sie spielen «Fly me to the moon» – könnte dieser Titel am Freitag Programm werden?

Mahlers Achte hätte bereits 2012 gespielt werden sollen, wurde aber kurzfristig abgesagt. Die Sinfonie war für Abbado damals energetisch schlicht unmöglich. «Das Stück jetzt zu spielen, fühlt sich an wie eine Offenbarung. Die ganze positive Energie kann sich entladen, und der Zyklus ist abgeschlossen», sagt dazu Isabelle Briner. Die Luzerner Geigerin spielte seit ihrem 16. Lebensjahr unter Abbado, zunächst im Gustav-Mahler-Jugendorchester, dann im Mahler Chamber Orchestra und im LFO. «Ich bin eine grosse Mahler-Verehrerin. Als die achte Sinfonie programmiert wurde, habe ich mich sofort auf das Werk gestürzt. Dass wir sie jetzt spielen, ist wundervoll.»

Die Musik eint

Auch den Dirigenten Riccardo Chailly kennt sie schon lange: «Ich habe 1993 unter ihm gespielt – und zwar Mahlers Siebte.» Und was sagt die Geigerin zu den Kritteleien unter den Musikern im Vorfeld? «Natürlich waren die Veränderungen ein Dauerthema im Mahler Chamber Orchestra. Aber in Anbetracht des Werks und seiner Dimensionen werden solche Dinge relativiert – nein, aufgelöst. Es geht nicht um Besetzung und Cast, sondern um die Musik und ihren Gehalt.»

Diese Meinung scheinen alle Musiker zu teilen. Am späten Abend sind die Kinderwagen fort, ein paar Grüppchen sitzen gemütlich beim letzten Bier. Und es wird klar: Nichts wird so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Das gilt für Grilladen wie für die Neuerungen beim Lucerne Festival Orchestra.

Hinweis

Die Konzerte des Lucerne Festival Orchestra unter Riccardo Chailly sind ausverkauft, das Eröffnungskonzert vom Freitag, 12. August, wird auf dem Inseli übertragen. Karten gibt es noch für die Konzerte unter Bernard Haitink (19./20. August). Infos auch zur Besetzung des Orchesters: www.lucernefestival.ch

«Es geht nicht um Cast»: Geigerin Isabelle Briner. (Bilder Nadja Schärli)

«Es geht nicht um Cast»: Geigerin Isabelle Briner. (Bilder Nadja Schärli)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.