Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUCERNE FESTIVAL: Ein Dirigent für die Zukunft

Nach der Extraklasse aus Berlin jene aus Wien: Das Schlusskonzert unterstrich den besonderen Stellenwert Simon Rattles auch am Luzerner Festival.
Simon Rattle verlässt nach dem Schlusskonzert mit den Wiener Philharmonikern das Podium. (Bild: LF/ Priska Ketterer)

Simon Rattle verlässt nach dem Schlusskonzert mit den Wiener Philharmonikern das Podium. (Bild: LF/ Priska Ketterer)

Fritz Schaub

Die beiden letzten Nächte gehörten am Lucerne Festival traditionellerweise den Wiener Philharmonikern. Weil sie keinen Chefdirigenten kennen, richtet sich das Augenmerk immer besonders auf den jeweiligen Dirigenten. Ihre Extra­klasse zeigten die Wiener Philharmoniker bereits im ersten Konzert unter Semyon Bytchkov, der mit hoher Sensibilität Haydns «Trauersinfonie» und die «Wesendonck-Lieder» von Richard Wagner anging. Mit der liedhaft und schlackenlos singenden Mezzosopranistin Elisabeth Kulman drang er gar in die tiefsten Schichten der melodietrunkenen Tristan-Vorstudien ein. Unsere Sitznachbarin war derart ergriffen, dass ihr keine Steigerung mehr möglich schien und sie nach der Pause nicht mehr zurückkam.

Das Lucerne Festival Academy Orchestra und «Hildegard lernt fliegen» treffen sich unter der Leitung von Mariano Chiacchiarini. (Bild: Lucerne Festival / Priska Ketterer)
Les Arts Florissants unter der Leitung von William Christie und den Absolventen des «Jardin des Voix» (Nicolas Scott, Tenor; Lea Desandre, Mezzosopran; Renato Dolcini, Bariton; Carlo Vistoli, Countertenor; John Taylor Ward, Bass und Lucia Martin Cartón) spielen und singen musikalische Kostbarkeiten. (Bild: Lucerne Festival / Priska Ketterer)
Bei den Konzerten der Reihe «Lucerne Festival 40 min» geht es entspannt zu und her. (Bild: Lucerne Festival / Stefan Deuber)
Rezital - Humor: Igudesman und Joo and The Leage of X-traordinary Musicians im Konzertsaal im KKL Luzern. (Bild: Patrick Hürlimann)
Rezital - Humor: Igudesman und Joo and The Leage of X-traordinary Musicians im Konzertsaal im KKL Luzern. (Bild: Patrick Hürlimann)
Debut 6 des Lucerne Festivals: Es spielt Igor Levit im Casineum. (Bild: Patrick Huerlimann)
Sinfoniekonzert 27: | Sächsische Staatskapelle Dresden mit Dirigent Christian Thielemann und der Sängerin Anja Harteros. (Bild: Matthias Creutziger)
Abschlusskonzert des Meisterkurses Dirigieren der Lucerne Festival Academy. Im Bild ist Kevin Fitzgerald. (Bild: Manuela Jans-Koch)
Jack Sheen, Teilnehmer des Meisterkurses Dirigieren der Lucerne Festival Academy, in Aktion. (Bild: Stefan Deuber)
Im Luzerner Theater wird in Koproduktion mit dem Lucerne Festival die komische Oper «Albert Herring» in drei Akten von Benjamin Britten aufgeführt. PRODUKTIONSTEAM Musikalische Leitung - Howard Arman Nachdirigat - Florian Pestell Inszenierung - Tobias Heyder Bu¨hne - Stefan Heyne Kostu¨me - Janine Werthmann Einstudierung Emmie, Cis, Harry - Eberhard Rex Licht - David Hedinger Dramaturgie - Christian Kipper BESETZUNG Albert Herring - Utku Kuzuluk Mrs. Herring, seine Mutter. - Caroline Vitale Lady Billows - Madelaine Wibom Florence Pike, ihre Hausha¨lterin - Eunkyong Lim Miss Wordsworth, Schulvorsteherin - Carla Maffioletti Mr. Gedge, Pfarrer - Alexandre Beuchat Mr. Upfold, Bu¨rgermeister. - Robert Maszl Mr. Budd, Polizeichef - Szymon Chojnacki Sid, Metzgerbursche - Todd Boyce Nancy Waters, Ba¨ckerstochter - Marie-Luise Dressen Emmie - Judith Galliker Cis - Marina Polli / Victoria Wirth Harry - Gian Bachmann / Esteban Umiglia Solisten des Luzerner Ma¨dchenchors und der Luzerner Sa¨ngerknaben Luzerner Sinfonieorchester Statisterie des Luzerner Theaters (Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie)
Im Luzerner Theater wird in Koproduktion mit dem Lucerne Festival die komische Oper «Albert Herring» in drei Akten von Benjamin Britten aufgeführt. PRODUKTIONSTEAM Musikalische Leitung - Howard Arman Nachdirigat - Florian Pestell Inszenierung - Tobias Heyder Bu¨hne - Stefan Heyne Kostu¨me - Janine Werthmann Einstudierung Emmie, Cis, Harry - Eberhard Rex Licht - David Hedinger Dramaturgie - Christian Kipper BESETZUNG Albert Herring - Utku Kuzuluk Mrs. Herring, seine Mutter. - Caroline Vitale Lady Billows - Madelaine Wibom Florence Pike, ihre Hausha¨lterin - Eunkyong Lim Miss Wordsworth, Schulvorsteherin - Carla Maffioletti Mr. Gedge, Pfarrer - Alexandre Beuchat Mr. Upfold, Bu¨rgermeister. - Robert Maszl Mr. Budd, Polizeichef - Szymon Chojnacki Sid, Metzgerbursche - Todd Boyce Nancy Waters, Ba¨ckerstochter - Marie-Luise Dressen Emmie - Judith Galliker Cis - Marina Polli / Victoria Wirth Harry - Gian Bachmann / Esteban Umiglia Solisten des Luzerner Ma¨dchenchors und der Luzerner Sa¨ngerknaben Luzerner Sinfonieorchester Statisterie des Luzerner Theaters (Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie)
Sinfoniekonzert 22: St. Petersburger Philharmoniker im Konzertsaal KKL mit Temirkanov Lugansky. (Bild: Patrick Hürlimann)
Young: Sitzkissenkonzert mit Masha Dimitri und Joao Carlos Pacheco im Maskenliebhabersaal in Luzern. (Bild: Patrick Hürlimann)
Late Night 3: Das Lucerne Festival Academy Ensemble. Im Bild eine Cellistin. (Bild: Stefan Deuber)
Debut 3: Christoph Croisé (Violoncello) und Oxana Shevchenko (Klavier) in der Lukaskirche. (Bild: Patrick Hürlimann)
Sinfoniekonzert 13: | Bamberger Symphoniker zusammen mit dem Chor der Oper Zürich. Im Bild sind die Solisten des Chors. (Bild: Stefan Deuber)
Debut 2: Dami Kim bei ihrem Debut (Violine) zusammen mit Jae Won Kim am Klavier (nicht im Bild) im Casineum Luzern. (Bild: PETER FISCHLI / LUCERNE FESTIVAL)
Sinfoniekonzert 9: Das Gustav Mahler Youth Orchestra unter der Leitung von Herbert Blomstedt. (Bild: PETER FISCHLI / LUCERNE FESTIVAL)
18 Bilder

Lucerne Festival 2015

Luzern profitierte

Das Schlusskonzert am Sonntag unterstrich dann indirekt den besonderen Stellenwert Simon Rattles am Lucerne Festival. Denn es war wohl das erste Mal, dass ein Dirigent hier sowohl die Berliner als auch die Wiener Philharmoniker dirigierte, zu denen Rattle seit langem gute Beziehungen unterhält.

Dieser Stellenwert hängt mit seiner Hauptarbeit mit den Berliner Philharmonikern zusammen, die er seit 2002 zu einem Orchester des 21. Jahrhunderts umkrempelte. Dazu gehörten Education-Programme wie das von Kindern getanzte «Sacre du printemps» oder die Einführung der Digital Concert Hall. Rattle integrierte Neue Musik, erwei­terte das Repertoire durch französische Werke. Wie er barocke Musik im Geist historischer Aufführungspraxis dirigiert, zeigten in diesem Sommer seine Haydn- und Mozart-Wiedergaben. Und dass die Brillanz und die seit Karajan bekannte Klangmacht und -pracht wie auch der fanatische Einsatzwille der Berliner darunter nicht gelitten haben, bewies die scharf zugespitzte Wiedergabe von Schostakowitschs vierter Sinfonie.

Keiner passt besser ins Festivalprofil

Mit alledem passt Rattle wie kein Zweiter in das Lucerne Festival und dessen fortschreitende Öffnung unter Michael Haefliger hinein – und schien und scheint prädestiniert, hier eine grössere Rolle zu spielen. Ein Indiz war, wie Rattle letztes Jahr ausserhalb seiner Philharmoniker das Lucerne Academy Orchestra leitete, sich unter die Leute mischte und im Luzerner Saal im alternativen 40min-Konzertformat auftrat.

Wäre er nicht auch der ideale Nachfolger Abbados in Luzern gewesen? Die Frage fiel, als Rattle in einem Interview mit der «Welt» erklärte: «Ich hatte eine feine Zeit in Luzern mit der Academy. Ich habe mit dem Orchester einige der schönsten Konzerte meines Lebens gehört.» Aber die Frage nach der Abbado-Nachfolge, für die inzwischen Riccardo Chailly bestimmt wurde, verneinte er. Abgesehen davon, dass er nicht angefragt worden sei, wären ihm in der Nach-Berliner-Zeit die Philharmoniker und Abbados Geist zu nahe gewesen.

Rückkehr nach England

Dass Rattle, ebenfalls im Sinn von Haefligers Festivalphilosophie, Innovation und Traditionen verbindet, erlebte man im Schlusskonzert mit den Wiener Philharmonikern. Rattle nahm hier quasi ein weiteres Ziel nach dem 2018 vor­gesehenen Rücktritt von Berlin vorweg: die Rückkehr in seine «alte Heimat», in Englands Musikhauptstadt, wo er 2017 die Leitung des London Symphony Orchestra übernimmt.

Eine Rückkehr nach England war im Schlusskonzert mit den Wiener Philharmonikern die Aufführung des Oratoriums «The Dream of Gerontius» von Edward Elgar und gleichzeitig eine Luzerner Fortsetzung der Proms, wo die Aufführung mit dem BBC Proms Youth Choir ebenfalls stattgefunden hatte. Dieses bei uns selten erklingende Oratorium war schon in Rattles 18-jähriger Birming­hamer Zeit einer der Schwerpunkte, und er hat es dort auch auf CD eingespielt.

Ein Erlösungsdrama

Selbst dem Katholiken Edward Elgar war das Gedicht des Kardinals John Henry Newman theologisch zu sehr be­frachtet, sodass er mit Ausnahme des ersten Teils den siebenteiligen Text radikal zusammenstrich und es bei zwei Teilen beliess. Der erste in Musik gesetzte Teil wirkt am geschlossensten. Das «Parsifal»-ähnliche Vorspiel, das vom Klangschmelz der Wiener Streicher ungemein profitierte, verbreitete eine geheimnisvolle Stimmung, die über das ganze Werk anhielt. Im Zentrum aber stand Gerontius (wörtlich: alter Mann) als reuiger Sünder, der an der Schwelle des Todes mit dem Chor der Freunde um sein Seelenheil ringt. Das ergab spannende, vom stark geforderten Tenor Toby Spence (Gerontius) und vom rund 120-köpfigen Chor getragene Szenen zwischen expressiven Ausbrüchen und sphärischen Klangflächen, denen der Bassbariton Roderick Williams als Priester (und später als Todesengel hoch auf der Orgelempore) als unumstössliche Macht entgegenstand.

Der zweite Teil beschreibt etwas umständlich den vom Engel (die ganz in Weiss mit Flügelansätzen gewandete Mezzosopranistin Magdalena Kozena) begleiteten Weg zum Fegefeuer und in die Ruhe des «ungemessnen Grabs». Er hätte eine Straffung ertragen, aber die visionären Endzeitbilder inspirierten Elgar zu ausdrucksstarken, auch weltlich-konkret wirkenden Szenen.

Die jungen Stimmen des Chors waren für die Engel und die Seelen besonders prädestiniert und verliehen den wütenden Dämonen eine furchterregende Wild­heit. Wie Rattle in diesem Chor vor drei Jahren die besten jungen Sängerinnen und Sänger aus ganz Grossbritannien zusammenfasste, ist ein weiteres eindrucksvolles Zeugnis für die zukunftsweisende Innovationskraft dieses Dirigenten, dem die Förderung des Nachwuchses ein Herzensanliegen ist.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.