LUCERNE FESTIVAL: Ein Schweizer Cellist mit Zukunft

Die Debüts präsentieren arrivierte Jungmusiker, also sichere Werte. Unterschiedlich zeigten sich diese Woche ihre Begleiter.

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Oxana Shevchenko und Christoph Croisé. (Bild: LF/Patrick Hürlimann)

Oxana Shevchenko und Christoph Croisé. (Bild: LF/Patrick Hürlimann)

Die südkoreanische Geigerin Dami Kim spielte am Dienstag im Casineum mit duftiger Leichtigkeit und einer reichen Farbpalette, der allerdings ihr Klavierpartner streckenweise nicht folgen konnte. Evan Wong spielte in der zweisätzigen Violinsonate Es-Dur von Mozart schlicht zu laut und überdeckte die samtenen Geigentöne.

In Sergej Prokofjews zweiter, ursprünglich für Flöte komponierter Violinsonate entfaltete sich das Zusammenspiel dynamisch zunehmend stimmiger. Es klangen Elemente aus «Romeo und Julia» an, und im Finale wurden humoristische Momente differenziert ausgespielt. Als Dami Kim Dvoráks Humoreske und Sarasates Fantasie über «Carmen» auswendig spielte, sprang der Funke endgültig über. Die technisch äusserst schwierige Komposition wirkte hier wie ein leichter Spaziergang durch spanische Gefilde, Doppelgriffe schwebten glitzernd, das Flageolett klang zauberhaft: eine mitreissende, von Evan Wong ebenso mitgestaltete Interpretation.

Beim Schweizer Cellisten Christoph Croisé am Donnerstag in der Lukaskirche war das Zusammenspiel mit der Pianistin Oxana Shevchenko durchgehend phänomenal. Prokofjews Cellosonate führte Croisé von der satt-süffigen Einleitung über vollklingendes Pizziccato-Spiel zu gesanglichen Aufschwüngen in helle Höhen. Die Feinheiten im Zusammenspiel mit der Pianistin rissen das Publikum zu Zwischenapplaus hin.

Tanz der Libellen

In Rodion Schtschedrins «Quadrille» spielte sich das Duo die Töne akzentreich zu, verschmolz und tänzelte wieder auseinander. Die humoristischen Momente kosteten sie auch optisch einzigartig aus, wo etwa Shevchenko ihre Finger wie Libellen über die Tasten tanzen liess. Ob Debussy oder Chopin, stilsicher und in fantastischem Farbreichtum malten Croisé und Shevchenko die Klänge aus. In Paganinis Rossini-Variationen gab die Pianistin dem Cello Raum für zartestes Pianissimo; in der Wiederholung von «Sachidao» von Sul­khan Tsintsadze als Zugabe wirbelten die jungen Musiker stürmisch durch die aberwitzigen Rhythmen. Eine grosse Zukunft scheint dem Duo sicher!