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LUCERNE FESTIVAL: Eine Weltreise zum Staunen

Das Ensemble der Luzernerin Luzia von Wyl gab sein Festivaldebüt im Late Night. Es verband Jazz und Klassik mit «Weltmusik».
Gerda Neunhoeffer
Spielte am Flügel, hörte zu und inspirierte ihre Musiker: Luzia von Wyl. (Bild: Lucerne Festival/Stefan Deuber)

Spielte am Flügel, hörte zu und inspirierte ihre Musiker: Luzia von Wyl. (Bild: Lucerne Festival/Stefan Deuber)

Wie klingt der riesige Mond über der Wüste? Oder eine grosse Schildkröte, die nur alle 15 Minuten einmal aus dem Wasser auftaucht und Luft holt? Die Luzerner Komponistin und Pianistin Luzia von Wyl hat fantasievolle musikalische Antworten, die sie mit ihrem aussergewöhnlichen Ensemble am Samstag im Late-Night-Konzert im Luzerner Saal präsentierte. Dass ihr Debut bei Lucerne Festival nicht vor voll besetztem Saal stattfand, konnte nur an der späten Stunde liegen. Denn die Komponistin zeigte in ihren Stücken ein grossartiges Gespür für Melodieverläufe, komplexe Taktwechsel und stringenten Aufbau.

Wie orchestrale Filmmusik

Sie verknüpfte ihre Kompositionen in kurzen Anmoderationen zu einer kleinen musikalischen Weltreise. So war das Stück, das dem neuen Programm den Titel «Throwing Coins» gab, durch den Trevibrunnen in Rom inspiriert. Das Werfen der Münzen, das Loslassen, das Warten auf Glück, die Bewegung, das wurde meisterlich filigran gestaltet und machte sofort Lust auf mehr.

Der Zusammenklang von Geige und Cello, von Flöte, Klarinette, Bassklarinette und Fagott, dazu Kontrabass, Marimba und Schlagzeug wurde in vielfältigen Schattierungen ausgereizt. Luzia von Wyl selbst sass am Flügel, spielte mit, hörte zu und inspirierte. Ihre Stücke leben von fliessenden Wechseln, von kammermusikalischer Durchsichtigkeit und von fiebriger Spannung, die doch Zeit für exzellente Soli lässt.

«Antumbra», das in Dubai entstand, weitete sich von orientalisch inspirierten Melodien, in denen der Mond aufleuchtete, zu orchestraler Filmmusik. Dann hörte man, von einem Aufenthalt in Mexiko inspiriert, die fast unmerkliche Bewegung der Schildkröte, dazu lichte Verspieltheit am Strand. Durch ihren eigenwilligen Stil verwandeln sich auch bekannten Themen (wie aus Bond-Filmen im letzten Stück), was sich zwischen Klassik und Jazz bewegt und unendliche Möglichkeiten eröffnet. Diesen stellt sich die Luzernerin, und sie schreibt ihren Musikern, die auch aus Klassik und Jazz kommen, die Musik auf den Leib.

Luftiger Sound

Luftiger Sound, brillante Virtuosität, minimalistische Elemente und ein ganz besonderer Groove: Durch alle Stücke hindurch pulsierte Luzia von Wyls schier unerschöpflicher Einfallsreichtum, ihre Frische und ihr Einfühlungsvermögen in die Spielweise ihrer Musiker. Das vereinte in sich klassische Kompositionsweise mit Neuer Musik, war süffig, exotisch bis impressionistisch und klang durch die hohe Spielfreude des Ensembles doch in jeder Sekunde leicht und nach Jazz und Funk. Das ist grosse Kunst.

Gerda Neunhoeffer

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