Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUCERNE FESTIVAL: Flüchtlinge bringen Trouvaillen

Mit dem Erscheinen des Programms beginnt demnächst der Einzelkartenverkauf für das Sommer-Festival. Obwohl der Abo-Verkauf über dem Vorjahreswert lag, gibts dank einem neuen Verkaufssystem für alle Highlights noch günstige Karten.
Urs Mattenberger
Symbolfigur für ein engagiertes Klassikfestival: die aus Moldawien stammende Wahlschweizerin Patricia Kopatchinskaja. (Bild: Lucerne Festival)

Symbolfigur für ein engagiertes Klassikfestival: die aus Moldawien stammende Wahlschweizerin Patricia Kopatchinskaja. (Bild: Lucerne Festival)

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

«It’s a full-time job being me», sagt der Flötist Sir James Galway im eben erschienenen, gänzlich neu gestalteten Programmbuch zum Lucerne Festival im Sommer 2017, das vom 11. August bis zum 10. September dauert. Und er bringt damit das Motto «Identität» auf die vielleicht knappestmögliche Formel.

Der Reiz des ganz neu gestalteten Programmbuchs liegt damit nicht nur in der grosszügigen Bebilderung. Die Zitate, die wie dieses jedem Konzert vorangestellt werden, deuten an, wie das Motto in den auf 80 Seiten präsentierten Konzerten in alle Richtungen ausgeleuchtet wird.

Multimedia-DNA und Abschiedssonaten

Da wird etwa Identität in Frage gestellt durch Migrationen – verkörpert durch die Geigerin Patricia Kopatchinskaja, die selber als Kind mit ihren Eltern von Moldawien in den Westen floh und die als Artiste Etoile sechs sehr persönliche Projekte zum Festival beisteuert. Flüchtlingsschicksale werden konkret thematisiert, wenn Mozarts Oper «Idomeneo» – am «Erlebnistag» – mit einem aus Flüchtlingen gebildeten Bewegungschor realisiert wird.

Realität und Fiktion geraten aber auch durch neue Technologien und Medien durcheinander. Sie nämlich sind die «DNA unserer Zeit», wird Composer in residence Michel van der Aa zu seiner Multimedia-Oper zitiert. In dieser wird man mit einer 3-D-Brille im Luzerner Saal in virtuelle Realitäten eintauchen.

In groben Zügen war vieles davon zwar bekannt, auch dass das Lucerne Festival Orchestra unter Riccardo Chailly erstmals in drei sinfonischen Programmen neues Repertoire (Richard Strauss, Tschaikowsky, Strawinsky) erschliesst. Zudem wissen wir jetzt, womit die charismatischste «Primadonna» des letztjährigen Festivals wiederkommt: Mirga Gražinyte-Tyla dirigiert das City of Birmingham Symphony Orchestra in Werken von Rachmaninow, Peteris Vasks und Edward Elgar (das Cellokonzert mit Gautier Capuçon). Eine Trouvaille ist das Klavierrezital, in dem András Schiff die Abschiedssonaten von Mozart, Haydn, Beethoven und Schubert versammelt.

Modernes Erfolgsstück am Luzerner Theater

Aber das Programmbuch bietet auch neue Details zu den 40-Minuten-Gratiskonzerten (mit Stars sowie Flüchtlingen aus der Region), den Debuts und der Academy, wobei Heinz Holliger eine wichtige Rolle spielt.

Zudem findet sich auch eine veritable Entdeckung. So gibt das Luzerner Theater ein Erfolgsstück der zeitgenössischen Oper, «Le Grand Macabre» des Ungarn György Ligeti: Eine Politparabel, die Wohllaut mit bitterböser Satire verbindet und Ligetis eigene Erfahrungen mit Nazi- und Stalin-Terror widerspiegelt. Angeboten wird diese Oper vergünstigt in einem «Ligeti-Paket»: mit dem «Late Night» mit Ligetis Klavier- und Violinkonzert. «Musik, die Mainstream werden muss!», zitiert das Programmbuch die Solistin Kopatchinskaja.

Mit dem Erscheinen des Programms beginnt demnächst der Einzelkartenverkauf. Bereits seit Längerem im Vorverkauf waren die Abos. Mit diesen waren in früheren Jahren viele günstige Tickets weg, wenn der Einzelkartenverkauf begann. Wo zeichnen sich dieses Jahr Engpässe ab?

30-Franken-Tickets kommen erst in den Verkauf

Helmut Bachmann, Marketing-Leiter beim Festival, gibt Entwarnung: «Wir haben das System tatsächlich geändert. Wir bieten nur noch Karten der Kategorien eins bis vier, nicht aber die günstigsten Plätze der Kategorien fünf und sechs im Abonnement an. Der Grund ist, dass wir die günstigen Karten auf möglichst viele Besucher verteilen möchten.» Das heisst, dass noch kein einziges der Tickets zu 30 Franken weg ist, wenn am 13. März der Vorverkauf beginnt.

Hinweise, wo es eng wird, liefere der Abo-Verkauf aber durchaus, meint Bachmann: «Dieser lief sehr gut und liegt über dem Vorjahr.» Als überraschender Grosserfolg zeichnen sich die drei Monteverdi-Opern unter John Eliot Gardiner ab. Sehr gut verkauft sind das Lucerne Festival Orchestra, die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle, das Concertgebouw unter Daniele Gatti oder die Wiener Philharmoniker unter Michael Tilson Thomas. Manchmal lässt sich das durch Dirigenten und Solisten erklären, wie im Fall des Orchesters der Pariser Oper (unter Philippe Jordan) und des World Philharmonic (mit Charles Dutoit und Martha Argerich). Beim Mariinsky Orchestra unter Gergjev kommt hinzu, dass im zweiten Konzert alle fünf Klavierkonzerte von Prokofiew aufgeführt werden (mit Behzod Abduraimov, Daniil Trifonov und Sergej Redkin).

Wege aus der Sklaverei

Unter dem Motto «Identität» führt das Festival einen reichhaltigen Erlebnistag durch (27. August, 9.45 bis 21 Uhr). Nach einer Open-Air- Klanginstallation von John Luther thematisieren 14 Konzerte Flucht und Migration, Wanderschaft und Selbstfindung. Jordi Savall geht mit Musikern und Tänzern aus Afrika und Südamerika «Wegen der Sklaverei» nach. Das Sinfonieorchester Basel zieht Erwachsene und Kinder mit dem Volkshelden Háry János (von Zoltán Kodály) in seinen Bann. Matthias Bamert führt mit dem Asian Youth Orchestra Mahlers Erste Sinfonie als Zeugnis einer musikalischen Selbstfindung auf. Mozarts «Idomeneo» bezieht Flüchtlinge als Bewegungschor in die Handlung ein. Im Kunstmuseum erklingen sieben Kurzkonzerte mit Ensembles der Academy und prominenten Künstlern wie den «artistes étoiles» Patricia Kopatchinskaja und Jay Campbell.

mat

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.