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LUCERNE FESTIVAL: Heisse Jazzrhythmen und schmelzend zarte Töne

Die Saxofonistin Valentine Michaud zog in ihrem Debut alle Register. Sie überzeugte mit hinreissenden Interpretationen. Und zeigte, was mit ihrem Instrument klanglich alles möglich ist.
Valentine Michaud (23) fesselt mit Können und Engagement. (Bild: Priska Ketterer/LF (16. August 2017))

Valentine Michaud (23) fesselt mit Können und Engagement. (Bild: Priska Ketterer/LF (16. August 2017))

Das Programm «Zwischen Klassik und Jazz» gestern im Debut 1 gab den vielen Zuhörern Gelegenheit, sich mit Musik aus dem 20. Jahrhundert anzufreunden. Denn die junge Saxofonistin Valentine Michaud, Gewinnerin des «Prix Credit Suisse Jeunes Solistes» in diesem Jahr, brachte mit ihrem vielseitigen Spiel ganz neue Töne in die Lukaskirche.

Erst in der Zugabe konnte man wieder in liebgewordene Hörgewohnheiten zurückfinden, mit der «Fantaisie Brillante sur des Airs de Carmen» von François Borne (1840–1920). Wie hier nochmals alle Register gezogen wurden, wie Valentine Michaud von zart schmelzenden Klängen in mühelose Virtuosität wechselte, wie sie mit ihrer Pianistin Akvile Sileikaitè jede Nuance auskostete, war wie ein hinreissendes Fazit alles zuvor Gespielten.

Entführung in eine fremdartige Welt

Schon durch die ersten Töne der Sonate für Altsaxofon und Klavier von Edison Denissow (1929–1969) wurde man in eine fremdartige Welt entführt, in der hüpfende Intervalle, rasche Folgen des gleichen Tones und plötzliche Ausbrüche wechselten. Im zweiten Satz konnte Michaud die Klangmöglichkeiten ihres Instrumentes besonders gut zeigen. Mal hauchzart, mal zupackend, mal silbrig hell und dann wieder samten dunkel, breitete sie die immensen Klangfarben aus, um sich dann in wilden Jazzrhythmen mit dem Klavier zu vereinen.

Die Transkription, die der Schweizer Saxofonist Valentin Oberson (* 1986) von Paul Hindemiths Sonate für Viola und Klavier gemacht hat, klang wie eine Originalkomposition. Die beiden jungen Musikerinnen überzeugten in den impressionistischen Anklängen. In der «Hot-Sonate» für Altsaxofon und Klavier von Erwin Schulhoff (1894–1942) überwogen witzig wirkende Jazzrhythmen, bevor im dritten Satz «Blue Notes» an «Rhapsody in Blue» von Gershwin erinnerten, vor allem die herrlich schleifenden Töne. Michaud beherrscht diese so meisterhaft wie alle anderen Facetten des Instruments.

In der Sonate für Altsaxofon und Klavier von William Albright (1944–1998) konnte man das Glockengeläut heraushören. Getragen mit ständig aufsteigenden Tonleitern, die wie ins Nichts reichen, berührte der zweite Satz besonders. Nach wispernden, schemenhaften Tönen, spukhaft wie Irrlichter, endete die Sonate überraschend in einem jazzigen, rhythmisch verzahnten Marsch.

Nach der «Carmen»-Zugabe meinte Intendant Michael Haefliger, man habe sich nun überzeugen können, dass Valentine Michaud diesen mit 25000 Franken dotierten Preis zu Recht gewonnen habe. Sie habe die Jury nicht nur durch ihr meisterliches Können, sondern auch durch Persönlichkeit und Engagement für neue Musik überzeugt, betonte Haefliger in seiner Rede zur Preisver­leihung. Und bedankte sich bei der Credit Suisse für die Unterstützung junger Talente zwischen Ausbildung und Karriere.

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

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