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LUCERNE FESTIVAL: «Humor ist in der Musik fast unvermeidbar»

Dirigent William Christie hat mit Alter Musik die Konzertlandschaft verändert. Im KKL präsentiert er augenzwinkernd seinen Nachwuchs.
Sucht gute Stimmen: Dirigent William Christie. (Bild: PD)

Sucht gute Stimmen: Dirigent William Christie. (Bild: PD)

Der amerikanisch-französische Dirigent und Cembalist William Christie (70) gilt als Pionier historisch informierter Aufführungspraxis. Er hat französische Altmeister wie Rameau oder Lully wiederentdeckt. Mit seinem Barock­ensemble Les Arts Florissants, sechs Nachwuchssängern und der Sopranistin Sophie Daneman begibt er sich am Samstag im KKL in einen musikalischen «Jardin a l’italienne».

William Christie, alle zwei Jahre stellen Sie ein Gesangsensemble mit Nachwuchsstimmen zusammen und gehen damit auf internationale Konzerttournee. Die Sänger wählen Sie in Paris oder New York aus Hunderten Bewerbern aus. Ist der «Jardin des Voix» eine Art Castingshow?

William Christie: Nein, das würde ich so nicht sagen. Das Wort «Casting» bedeutet wörtlich, dass man jemanden für eine bestimmte Rolle sucht. Das ist bei uns gerade nicht der Fall: Wir suchen keinen Florestan und keine Sophie, sondern wählen die besten Stimmen aus. Abhängig von den Qualitäten der einzelnen Sänger stellen wir das Programm zusammen – was angesichts der Stimmenvielfalt eine Herausforderung ist.

Sie unternehmen diesmal einen Streifzug durch die Musikgeschichte von der italienischen Renaissance bis zu Mozart. Droht nicht ein Wildwuchs?

Christie: Klar will das Programm durchdacht sein. Aber es soll vor allem in lockerer Atmosphäre die stimmliche Vielfalt zum Vorschein bringen. Zu hören sind viele komödiantische Stücke, und das Nebeneinander von Arien unterschiedlicher Epochen darf auch als historisches Augenzwinkern verstanden werden.

Sie gehören zu den Pionieren historisch informierter Aufführungspraxis. Heute zeigen sich selbst moderne Sinfonieorchester historisch informiert. Erleben Sie dies als Fortschritt?

Christie: Jede Epoche hat ihre grossen Musiker. Als ich vor 40 Jahren studierte, verehrte ich etwa Maria Callas, Elisabeth Schwarzkopf oder Dietrich Fischer-Dieskau. Aber die historisch informierte Aufführungspraxis hat zu einer Erweiterung des Repertoires geführt, sodass heutige Konzertbesucher zwischen Monteverdi, Charpentier oder Rameau wählen können. Im Fall von Mozart oder Beethoven hat sie vielleicht dazu beigetragen, dass heutige Interpreten sich stärker dafür interessieren, wie eine melodische Linie von Mozart im 18. Jahrhundert geklungen haben mag. Die Berliner Philharmoniker, die ich gut kenne und die einen Kern erfahrener Barockmusiker haben, spielen Mozart heute klar anders als vor 50 Jahren. Hingegen wundere ich mich etwas, wenn ich etwa die Staatskapelle Dresden höre, die Haydns Musik wie anno 1950 spielt.

Haydn steht diesen Sommer am Lucerne Festival besonders häufig auf dem Programm. Anlass ist das Festivalthema Humor. Ist Haydns Musik besonders humorvoll?

Christie: Ich denke, vielen Leuten gefallen die kindlich-verspielten Momente oder auch das Rustikale oder scheinbar Simple seiner Musik. Die Lockerheit ist mit ein Grund, warum Haydn in unserem Programm nicht fehlen darf.

Haben Sie humoristische Vorbilder?

Christie: Es gibt kaum einen Komponisten, bei dem nicht irgendwann der Humor aufblitzt. In der Musik, besonders jedoch bei Textvertonungen, ist Humor fast unvermeidbar. Bachs «Kaffeekantate» scheint mir ein besonders schönes Beispiel dafür.

Simon Bordier

Hinweis

Konzert «Un jardin a l’italienne» des Ensembles «Les Arts Florissants» und den Absolventen des «Jardins des Voix» mit William Christie (Leitung) und Sophie Daneman (Sopran): Samstag, 18.30 Uhr, im Konzertsaal des KKL. Info und VV: www.lucernefestival.ch; 041 226 44 80

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