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LUCERNE FESTIVAL: Kammermusik in Kirche und Bar

Das Jack Quartet zeigte, was alles in einem klassischen Ton steckt. Spätabends sorgten die New Yorker Musiker für Lounge-Atmosphäre.
Simon Bordier
Kleine Nachtmusik: Das New Yorker Streichquartetts Mivos bei seinem Auftritt am Freitag im Bourbaki, Luzern. (Bild: LF/Stefan Deuber)

Kleine Nachtmusik: Das New Yorker Streichquartetts Mivos bei seinem Auftritt am Freitag im Bourbaki, Luzern. (Bild: LF/Stefan Deuber)

Das Navigationsgerät der vier jungen Amerikaner zeigt weder nach Süden, noch nach Osten, Norden oder Westen. Trotzdem haben sie am Freitag den Weg in die Lukaskirche in Luzern gefunden und dort einen energiereichen Start der Kammermusik-Reihe des Lucerne Festival gezeigt. Man konnte dem Jack Quartet zusehen, wie es die Töne aus seinen Streichinstrumenten klopfte, hervorkratzte oder sanft herausstrich. Dabei wirkte die Energie des Ensembles unverbraucht – nicht nur in den zeitgenössischen Streichquartetten von Georg Friedrich Haas, Iannis Xenakis und Helmut Lachenmann, sondern auch in den Arrangements franko-flämischer Musik aus dem 15. Jahrhundert.

Schwindel erregende Wirkung

Mit dem Navigationsgerät der Jacks (der Name des Quartetts setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Vornamen seiner Mitglieder zusammen) war auf den ersten Blick alles in Ordnung. Aber spätestens als sich John Pickford Richards (Viola), Ari Streisfeld (Violine II), Christopher Otto (Violine I) und Kevin McFarland (Violoncello) in den vier Ecken des Kirchenschiffs aufstellten, schienen die Himmelsrichtungen neu justiert werden zu müssen, und die Köpfe des Publikums drehten sich wie Kompassnadeln in der Mitte. Das aufgeführte 5. Streichquartett von Georg Friedrich Haas zeichnet die Karte unseres musikalischen Navigationsgeräts nicht neu – es zeigt vielmehr, wohin uns das Navi führt: Folgen wir einem Magnetpol oder einem durch Satelliten künstlich festgelegten Punkt?

So haben die vielen Glissandi und die huschenden, in ihren einzelnen Schritten kaum mehr nachvollziehbaren Tonleitern zu Beginn des Stücks eine fast Schwindel erregende Wirkung. Aus allen Richtungen zogen die Jacks die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf sich und führten sie dabei weg vom gleichstufigen Halbtonsystem. Dafür erklangen plötzlich mit erstaunlicher Klarheit die Alphornseptime und andere Intervalle, die man in einer Halbtonwelt sonst nie so rein hört.

Welche Welt Streichinstrumente bereithalten, zeigt auch das Stück «Gran Torso. Musik für Streichquartett» des deutschen Komponisten Helmut Lachenmann. Zunächst war kein klassischer Ton vom Jack Quartet zu hören. Dafür zauberten die vier Streicher mit scheinbar primitiver Technik eine neue Klangwelt hervor, die einem irgendwie vertraut vorkam; plötzlich war das Sausen des Windes in einem Rohr zu hören, ein Trommelwirbel, das Atmen eines Schlafenden, ein Möbelstück, das zurechtgerückt wird, ein Schiffshorn. Faszinierend ist diese Welt vor allem in dem Moment, in denen man merkt, dass sie in einem klassischen Ton oder einem reinen Intervall steckt.

Zusammen mit Iannis Xenakis’ Streichquarett «Tetras für Streichquartett» öffneten die zeitgenössischen Stücke von Haas und Lachenmann das Feld für die Arrangements von Rodericus’ «Angelorum Psalat» und Dufays «Muribus et genere», deren Kirchentonarten mit dem modernen Halbtonsystem nicht wirklich kompatibel sind.

Faszinierender Electrosound

Das Navigationssystem scheint für das Bourbaki besser zu funktionieren als für die Lukaskirche. Während am Kammermusikabend die hinteren Kirchenbänke leer blieben (und nach der Pause zum Teil auch die vorderen), war später die «Lounge» auf der anderen Seeseite voll. Viele Studenten aus dem Lucerne Academy Orchestra fanden sich als Zuhörer bei diesem ersten Freitagskonzert «zwischen Klassik und Clubkultur» ein. Stijn Berkouwer aus Holland und George Jackson aus Grossbritannien, beide Teilnehmer des Meisterkurses Dirigieren, schätzen die entspannte Atmosphäre. Heidi Fischer aus Luzern ist fasziniert vom Electrosound des New Yorker Streichquartetts Mivos und des Elektrokünstlers Sam Pulta. Das Bourbaki liege auf ihrem Weg zwischen Arbeit und Wohnung. Dabei hat sie hier auch die Studentin aus der Academy getroffen, die bei ihr zu Gast ist. Auch bei Maisha (16) zu Hause ist eine Studentin untergebracht. Die Luzerner Fachmittelschülerin sitzt mit ihren Freunden etwas abseits an einem Tisch. Ob sie das Konzert nicht interessiere? Es sei nicht so ihre Musik, antworten einige aus der Gruppe. Es wäre interessanter, wenn sie einige ihrer Poplieder wiedererkennen könnten.

MEHR ZUM FESTIVAL

Lesen Sie morgen unsere Berichterstattung über den grossen Jubiläumstag «75 Jahre Lucerne Festival» heute Sonntag im KKL.

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