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LUCERNE FESTIVAL: KKL Luzern: In der Dirigentenschmiede

Nicht zu viel mit den Händen machen und klug die Akzente setzen: Bernard Haitink erklärt seinen Schülern am Lucerne Festival behutsam, wie Dirigieren geht.
Rolf App
Der Meister und sein Schüler: Bernard Haitink und Vitali Alekseenok. (Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival)

Der Meister und sein Schüler: Bernard Haitink und Vitali Alekseenok. (Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival)

Rolf App

Der Jüngste, der Israeli Oren Gross-Thaler, ist 21, die Älteste, die Kolumbianerin Lina González-Granados, 31. Und Bernard Haitink ist vor einigen Wochen 89 geworden – ein Altmeister des Dirigierens, der während des Osterfestivals im KKL acht jungen Menschen beim Dirigieren der Lucerne Festival Strings zuschaut und zuhört – und ein paar Ratschläge gibt. Mehr sind es nicht. «Denk darüber nach», sagt er ein paar Mal, als er zweifelnden Blicken begegnet. Haitink weiss: ­Jeder Dirigent, jede Dirigentin muss einen eigenen Zugang zur Musik finden. Deshalb fehlt seinem Auftreten auch jede Überheblichkeit.

Das von Haitink entworfene Programm ist anspruchsvoll, es reicht von Wolfgang Amadeus Mozart über Johannes Brahms bis zu Claude Debussy. Jeder Teilnehmer hat eine halbe Stunde, dann kommt der nächste dran. Was ihr Lehrmeister dabei zutage fördert, das ist für den Zuhörer hochinteressant. «Die Einleitung ist das Schwierigste», sagt er zum Weissrussen Vitali Alekseenok, als der die Ouvertüre zu Carl Maria von Webers Oper «Oberon» zu Ende gebracht hat. Wie man Spannung aufbaut, das ist da zu lernen, vor allem aber: dass man, was man will, als Dirigent oder als Dirigentin auch mit dem Körper ausdrücken muss.

Dirigieren – mit der Hand in der Hosentasche

Und zwar möglichst klar und ökonomisch. Ein befreundeter Dirigent habe ihm einmal geraten, die linke Hand in die Hosentasche zu stecken, erzählt er dem Chinesen Alvin Ho und rät ihm statt dessen: «Mach es mit den Augen.» Dann nimmt er ihm noch die Partitur weg, er soll den zweiten Satz von Brahms’ Sinfonie Nr. 2 D-Dur auswendig probieren. So sucht er stärker den Kontakt zu den Musikern.

Obwohl er vieles korrigiert, vermeidet Bernard Haitink harte Urteile. Man spürt aber schon, dass ihn Lina González-Granados oder der Portugiese Nuno Coelho mit ihrem sicheren, temperamentvollen Auftreten auf Anhieb weit mehr überzeugen als die Brahms-Interpretation der Norwegerin Tabita Berglund. «Das ist einer der schwierigsten Sätze, die Brahms komponiert hat», sagt Haitink und fügt hinzu: «Das kann rasch langweilig werden.»

Dieser Satz zieht sich als eine Art Leitmotiv durch die zwei halben Tage, die wir Haitinks ­Dirigierkurs folgen. Denn langweilig wird es, wenn ein Diri­- gent oder eine Dirigentin sich zu wenig bemüht, die Feinstruktur eines Stücks herauszuar­beiten.

Was also bringt ein solcher Dirigierkurs? Der Deutsche Paul Marsovszky sagt es so: «Im Idealfall funktioniert der Lehrende wie ein Spiegel. Er reflektiert, was wir mit dem Orchester machen. Und er hilft uns, Mittel und Wege zu finden, um das auszudrücken, was wir ausdrücken wollen, aber noch nicht schaffen.» Natürlich sage der Leiter eines Dirigierkurses seine Meinung. «Aber wir müssen seine Ansicht nicht teilen. Denn es gibt unendlich viele Wege, ein Musikstück zu gestalten.» Marsovszky, der in Budapest studiert, nimmt vom Kurs mit Haitink «vor allem mit, dass ich noch etwas weniger geben kann». Und fügt er rasch bei: «Die Differenziertheit innerhalb dieses Weniger. Das ist in jedem Fach so. Dass man, je weiter man fortschreitet, sich in der Feinheit noch steigert.»

Mit grosser Feinheit und Klarheit

Gerade Haitink dirigiere mit grosser Feinheit und Klarheit, deshalb habe er sich auch bei ihm um diesen Dirigierkurs beworben, sagt Marsovszky. Das ist in der Tat ein ganz auffälliger Zug in der musikalischen Gestaltung jener Stücke, die Haitink ausgewählt hat und auf die er nun bei jedem Dirigat eingeht. Mit ganz sparsamen Gesten vermag er selber das Orchester in jene Richtung zu lenken, die er sich beim Studium der Partitur zurechtgelegt hat. Wenn seine Kursteilnehmer das gelernt haben, dann haben sie viel erreicht.

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