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LUCERNE FESTIVAL: Mozart als impressionistisches Farbenspiel

Ein Star seines Faches und eine junge Aufsteigerin spielen zusammen im Konzert. Und es ist erstaunlich, welche Unterschiede zwischen András Schiff und Schaghajegh Nosrati zu Tage treten.
Die Cappella Andrea Barca unter der Leitung von Sir András Schiff. Schaghajegh Nosrati am zweiten Klavier. (Bild: Bild: Peter Fischli / Lucerne Festival)

Die Cappella Andrea Barca unter der Leitung von Sir András Schiff. Schaghajegh Nosrati am zweiten Klavier. (Bild: Bild: Peter Fischli / Lucerne Festival)

Die Technik zu Hause mag immer besser werden. Die Musikanlage ist hochauflösend, der Schall gestochen scharf. Ungezählt bleiben die Module, um den Ton zu variieren. Und doch gibt es bis heute kein Klangerlebnis, welches das Livekonzert, den ­Augenblick der Kreation, zu übertrumpfen vermag. Dies zeigte sich beispielhaft am Donnerstagabend im KKL während des Konzertes von András Schiff und seiner Cappella Andrea Barca. Ihre Interpretation des Klavierkonzertes in c-Moll von Wolfgang Amadeus Mozart ist ein solcher Moment der Schöpfung. Eine Türe, die sich öffnet. Ein Moment, wo ein Stück, dutzendmal gehört, zu etwas Neuem, ja Ungeheuerlichem wird. Es ist ein Mozart, der farbig, fast schon klangmalerisch bunt seine Pracht entfaltet.

Einerseits ist hinter einer solchen Interpretation natürlich viel Geist zu finden. Das Ausleuchten der Couleur, die feine Justierung der verschiedenen Register setzt Wissen, aber auch Gespür für die Entwicklung und Dramaturgie des Stückes voraus. Dies zeigt sich in einem perfekten Bündnis der Instrumente, des Orchesters mit dem Solisten. In einem fort werden die Schattierungen gewechselt, eine variantenreiche Einheit aus Stimmung und Formen macht aus dem Klavierkonzert ein plastisches Stimmungsgemälde, ein organisches Tier, das mit einem Geist und Herzen spricht. Denn neben der Analyse, dem Wissen um die richtige Gewichtung der verschiedenen Töne und Phrasierungen lebt dieses Stück, diese Aufführung von seiner grossen Seele. Wie natürlich, schieben sich die Register ineinander, ohne den Fluss des Solisten nur im ­Geringsten zu stören.

Lebendig und selbstverständlich wird das grosse Kunstgebilde in der Zeit entfaltet. Musikalische Empfindsamkeit in ihrem grossartigsten Leuchten. Fast möchte man meinen, dass die Farben Mozarts den Impressionismus um fast 300 Jahre vorverlegen. Es ist der Höhepunkt des Abends.

Schade, erreicht der andere Mozart des Konzertes, die Bläser­serenade in c-Moll, bei weitem nicht diese Reflexion und diesen Weitblick. Überhaupt tritt das ­Orchester eigentlich nur beim Mozart’schen Klavierkonzert aus des Meisters Schatten. Bei den anderen Werken von Bach begleitet es eher brav.

Zwei Pianisten – zwei Stile

András Schiff veredelt indes die selten gespielten Kompositionen von Johann Sebastian Bach für zwei Klaviere in c-Moll. Alle wurden sie am Lucerne Festival zum ersten Mal aufgeführt. Auch hier verweben sich der Meister und die junge deutsche Pianistin Schaghajegh Nosrati (28) nahtlos ineinander. Und doch ist es erstaunlich, welch deutliche Unterschiede zwischen den beiden zu Tage treten. András Schiff spielt klar und prägnant, mit männ­lichem Anschlag gar. Während er Mozart mehr in einer lichten Schwebe hielt, so zeichnet er den Bach mit strengem Gestus, metrisch strikt, gibt seinen Linien durch die Grenzen Kraft und ­Tiefe. Es ist ein Bach fern jeder Sentimentalität.

Schaghajegh Nosrati spielt dagegen eine Spur zurückhaltender. Vor allem im zweiten Stück (BWV 1062), wo sie die Führung innehat, erreicht sie nicht ganz diese Klarheit, setzt öfters die Pedale ein, raubt dem Bach etwas von seiner Prägnanz und Wirkung. Aber vielleicht ist es einfach das Zusammentreffen mit einem absoluten Meister seines Faches, welches das Licht der jungen Pianistin etwas unter den Schemel stellt. Hat sie doch in ihrer CD «Die Kunst der Fuge» mehr als angedeutet, dass sie zu Grossem fähig ist. Fazit: ein Abend, der nach einem guten ersten Teil im zweiten so richtig abhebt. Ein aus­sergewöhnlicher musikalischer Moment, den das Publikum mit langem Applaus verdankt.

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

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