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LUCERNE FESTIVAL: Mozarts Ideen treffen auf Düsteres

Die Festival Strings Lucerne und Sir James Galway boten im Traditionskonzert am Montagabend im KKL differenzierte Spielfreude und souveräne Virtuosität. Dabei gab es spannende Kontraste.
Gerda Neunhoeffer
Die Festival Strings Lucerne und Sir James Galway an der Flöte harmonierten im KKL prächtig. (Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival (14. August 2017))

Die Festival Strings Lucerne und Sir James Galway an der Flöte harmonierten im KKL prächtig. (Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival (14. August 2017))

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

Gleich in drei Konzerten hintereinander war Wolfgang Amadeus Mozart im Programm des Lu­cerne Festival zu hören, zweimal (Sonntag und gestern) mit dem Chamber Orchestra of Europe unter Bernhard Haitink, gepaart mit Liedern von Gustav Mahler, dazwischen am Montag mit den Festival Strings.

Ob in grösserer Besetzung mit Dirigent oder in kleinem Kammerorchester, wo der Konzertmeister die Impulse gibt – Mozarts Sinfonien lassen einen weiten Spielraum. Und wie sich ein Ensemble mit Mozarts Ideenreichtum identifiziert, konnte man gleichermassen spannend erleben. Die Festival Strings, die sich im Lauf der vielen Jahre mehrfach gewandelt haben, verknüpften in ihrem Traditionskonzert Mozart mit nordischer Spätromantik. Und hatten Sir James Galway, den «Mann mit der goldenen Flöte», als Publikums­magnet auf der Bühne.

Innig-sanfte Töne und opernhafte Dramatik

Zunächst aber zeigten sie in Mozarts Sinfonie A-Dur KV 201 differenzierte Spielfreude. Klar strukturiert und mit feinen Abstufungen, die Konzertmeister Daniel Dodds vom ersten Pult aus gab, liessen sie innig-sanfte Töne aufleuchten. Die zeitweise opernhafte Dramatik gipfelte in den «aufschiessenden Ketten von Sechzehnteln im Staccato», die rasant ausgespielt wurden.

Sir James Galway, der sein Debüt bei Lucerne Festival 1977 hatte, zelebrierte sein 40-Jahr-Jubiläum publikumswirksam. Im silbern glänzenden Jackett mit leuchtend violetter Krawatte betrat er die Bühne, doch wohin sollte das blaue Tuch, das er mit der goldenen Flöte noch in Händen hielt? Schliesslich hängte er es an den Notenständer von Daniel Dodds, bevor er sich in die Mitte des Orchesters, quasi an den Platz eines Dirigenten, stellte.

Von dort aus spielte er den Part in Mozarts Flötenkonzert D-Dur KV 314 mit souverän routinierter Virtuosität, die in der Höhe glitzerte, in den tiefen Tönen etwas an Substanz verlor. Die Festival Strings passten sich seinem Tempo an; die wie improvisiert klingenden, sehr virtuosen Solokadenzen gaben dem Altmeister Gelegenheit, seine Fingerfertigkeit zu beweisen.

Und er «dirigierte» nicht nur das Orchester, sondern auch das Publikum, das er aus dem kräftigen Applaus mit drei Gesten zur Ruhe brachte, um dann unvermittelt in die berühmte «Bardinerie» aus Bachs zweiter Orchestersuite zu springen. Als er danach nochmals, scheinbar ohne Instrument, auf die Bühne kam, brachte er die Zuhörer mit einer winzigen irischen Flöte und irischen Weisen zum Staunen und Lachen.

Mit der Suite aus «Pelléas et Mélisande» von Jean Sibelius, die aus acht kurzen Sätzen besteht, tauchte man in die Märchenwelt dieser geheimnisvollen Frau ein. Ihre Identität ist unbekannt, und schwebend gestaltete das Englischhorn die klagende Melodie der Mélisande, die sich im düsteren Schloss verloren fühlt. In dem Satz «Mélisande am Spinnrad» wurde durch die ständig schnurrende Bewegung in den Bratschen und die vorwärtsdrängenden Themen der Holzbläser die unheimliche Stimmung verstärkt. Die Pausen zwischen den Sätzen schienen lang, und man wurde zwischen tragischer Schwere und tänzerischer Bewegung hin- und hergerissen.

Wunderbar einheitlich dagegen war die Zugabe: «Valse ­Triste» von Sibelius wurde in der Interpretation von Dodds und den Festival Strings zum Ereignis, in dem die tiefe Klangdichte in allen Schattierungen ausgespielt wurde. Wie die Strings aus dem getragenen Thema in fast wienerische Walzerseligkeit wechselten und sanft in den Anfang zurückfanden, war grossartig. Und zeigte erneut, wie die Identitäten der einzelnen Musiker in der Interpretation zur gemeinsamen Identität verschmelzen können.

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