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LUCERNE FESTIVAL: Philippe Jordan dirigiert Debussys «Prélude à l’après-midi d’un faune»

Man muss kein Shootingstar sein, um als Dirigent grosse Karriere zu machen: Der Schweizer Philippe Jordan zeigte im KKL mit dem Orchestre de l’Opéra national de Paris, was wirklich zählt.
Fritz Schaub
Einer von vier Schweizer Dirigenten am Festival: Philippe Jordan im KKL. (Bild: LF/Priska Ketterer)

Einer von vier Schweizer Dirigenten am Festival: Philippe Jordan im KKL. (Bild: LF/Priska Ketterer)

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

Bei den 29 Sinfoniekonzerten, die das Rückgrat des Lucerne Festival bilden, treten nicht weniger als vier Schweizer Dirigenten auf. Nach Heinz Holliger und Matthias Bamert war, bevor am 8. September Charles Dutoit den Reigen schliesst, am Dienstag die Reihe an Philippe Jordan. Auf ihn ist man gegenwärtig besonders gespannt.

Jordan hat unter den jüngeren Dirigenten bisher vielleicht die erstaunlichste Karriere gemacht: Er ist im Gegensatz zu andern seiner Generation kein Shootingstar, sondern hat das Metier von der Pike auf gelernt. Er war Korrepetitor, Kapellmeister und Assistent, bevor er die Positionen bei der Pariser Oper und bei den Wiener Symphonikern übernahm. Und im Gegensatz zu den andern Schweizern ist er vor allem Operndirigent. Das wurde vor kurzem damit bekräftigt, dass er als Musikdirektor an die Wiener Staatsoper berufen wurde (ab 2020). Aber schon als Musik­direktor der Opéra national de Paris seit 2009 und teilweise als Chefdirigent der Wiener Symphoniker seit 2014 ist er stark mit der Oper verbunden.

Operndrama ohne Sänger

Aus dem Pariser Opernorchester ein Konzertorchester zu machen, fällt ihm offensichtlich leicht, ja bereitet ihm Lust. Und wenn er dann ein Werk wie die «Symphonie fantastique» von Hector ­Berlioz dirigiert, kommt beides zusammen, Schönheit und Transparenz der französischen Orchesterkultur und brachiale Dramatik eines Opernthrillers. Denn diese bahnbrechende Berlioz-Sinfonie ist nichts anderes als ein imaginäres Operntheater. Aber selten hat man es derart überzeugend und eindringlich erlebt wie jetzt im KKL. Ein Mann (der 26-jährige Berlioz) begegnet einer Frau (es ist die irische Schauspielerin Harriet Smithson, die in Paris gastiert), verliebt sich unsterblich in sie und geht auf einen Egotrip: Er porträtiert die Geliebte mit einer «idée fixe», steigert sich in eine Liebesglut, tanzt mit ihr auf einem Ball, sucht sie in ländlicher Einsamkeit zu vergessen. Im Opiumrausch glaubt er, er habe die Frau getötet, sei zum Tode verurteilt worden und wohne seiner eigenen Hinrichtung bei.

Man kann die Horrorbilder dieses Egotrips mit weniger gestischem Aufwand evozieren, als es der auswendig dirigierende Jordan tat, aber der Aufwand gab ihm Recht. Als er die Militär­musik im «Gang zum Richtplatz» in den Fortissimo-Abschluss katapultierte, meinte ein Teil des Publikums mit Beifall und Bravorufen, der Höhepunkt sei erreicht. Dabei kam er erst, als im Hexensabbat die in eine Hexe verwandelte Geliebte mittanzte und sich das Dies Irae in den Hexentanz mischte. Es war bewundernswert, wie hier das Orchester Jordans fordernder Zeichengebung folgte, die reine Schönheitshaltung abstreifte und sich in den Höllenritt stürzte, der in einem Jubelschrei des Publikums endete.

Feinste Klangnuancen

Was Klarheit, Leichtigkeit und Schönheit französischer Orchesterkultur ausmacht, hatte man umso mehr im ersten Teil erlebt. In Debussys «Prélude à l’après-midi d’un faune» liess Jordan die Musik fliessen und evozierte über feinste Klangnuancen hinaus die Sehnsüchte des verliebten Fauns. Handfester ging es beim «Ägyptischen» Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns zu, das zum ersten Mal am Festival erklang. Von einer Entdeckung möchte man nicht sprechen, den Mittelsatz ausgenommen. Wunderbar, wie hier der ebenso quirlige wie sensible Bertrand Chamayou die fremdländisch klingenden Melodien aus den Tasten zauberte. Dabei blieb das Programm bis hinein in die Zugaben (Klavier: Ravels «Pavane pour une infante défunte», Orchester: Bacchanal aus «Samson et Dalila») aufeinander abgestimmt: französische Musik total, aber in den Aspekten jedes Mal grundverschieden.

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