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LUCERNE FESTIVAL: «Querschnitt durch ein Jahrhundert»

Susanna Mälkki (47) tritt als einzige Dirigentin seit 2002 regelmässig am Lucerne Festival auf: Und spricht trotz ihrer Karriere lieber über aufregende neue Musik.
Interview Katharina Thalmann
«Das Musikgeschäft ist hungrig auf neue Namen. Man sollte bescheiden bleiben und keine Hast haben», sagt Susanna Mälkki (47). (Bild: PD/Simon Fowler)

«Das Musikgeschäft ist hungrig auf neue Namen. Man sollte bescheiden bleiben und keine Hast haben», sagt Susanna Mälkki (47). (Bild: PD/Simon Fowler)

Interview Katharina Thalmann

Als Spezialistin für zeitgenössische Musik leitete die Finnin Susanna Mälkki 2006 bis 2012 das von Pierre Boulez gegründete Ensemble Intercontemporain, dessen Mitglieder als Dozenten an der Lucerne Festival Academy mitwirken. Neben ihren Engagements als erste Gastdirigentin in Lissabon (seit 2013) und Los Angeles Philharmonic (ab 2017) wird sie ab dieser Saison Chefdirigentin des Helsinki Philharmonic Orchestra. Am Luzerner Primadonna-Festival leitet sie erstmals das Orchester der Academy unter anderem in der Uraufführung eines Schlagzeugkonzerts der Gastkomponistin Olga Neuwirth.

Susanna Mälkki, Ihre enge Verbundenheit mit Luzern und dem Festival geht zurück ins Jahr 2004, als Sie mit dem Ensemble Intercontemporain Werke von Harrison Birtwistle aufführten. Daraufhin wurde Ihnen die Stelle als Chefdirigentin beim EIC angeboten. Worauf freuen Sie sich beim diesjährigen Auftritt besonders?

Susanna Mälkki: Ich freue mich darauf, die jungen Musiker der Academy kennen zu lernen, auf das Musizieren im grossartigen Konzertsaal und auf das aussergewöhnliche Programm mit dem neuen Werk für Schlagzeug und Orchester «Trurliade-Zone Zero» von Olga Neuwirth.

Der dafür engagierte Solist Martin Grubinger musste seinen Auftritt vor ein paar Tagen absagen. Wie reagiert man als Dirigentin auf eine solch kurzfristige Änderung in der Besetzung?

Mälkki: Zunächst ist so etwas natürlich eine Enttäuschung für alle Beteiligten – so kurzfristige Absagen sind ziemlich selten. Als Dirigentin kann ich nicht viel tun, ich kann aber beispielsweise gute Namen für einen möglichen Ersatz empfehlen.

Neu übernimmt Victor Hanna den Solopart. Er ist Mitglied des Ensemble Intercontemporain und unterrichtet Teilnehmer der Academy. Kennen Sie ihn aus Konzerten mit dem Ensemble?

Mälkki: Ja, mit Hanna haben wir grosses Glück! Weil er bereits in Luzern ist, wird er die nächsten Tage möglicherweise mit der Komponistin arbeiten können. Er ist bezüglich zeitgenössischer Musik äusserst spezialisiert und ein toller Performer. Ich habe bereits mit ihm zusammengearbeitet, und er hat so viele Herausforderungen angenommen, dass ich glaube, er ist sich so etwas gewohnt.

Welche Erfahrungen haben Sie bislang mit der Festival Academy gemacht?

Mälkki: Es ist das erste Mal, dass ich mit der Academy arbeite. Nach dem Konzert 2004 wurde es zur Tradition, dass das Ensemble Intercontemporain mit einem Konzert die Academy-Phase eröffnet. Also habe ich bislang die Academy lediglich umrahmt und freue mich jetzt auf die Zusammenarbeit.

Das Konzertprogramm reicht von Filmmusik von Arnold Schönberg bis zu Geräuschmusik von Helmut Lachenmann. Gibt es einen roten Faden?

Mälkki: Das Programm ist sehr aufregend! Es vereint vier hochkreative Komponisten: Zunächst ist da wie gesagt Olga Neuwirths Schlagzeugkonzert. Es ist eine sehr reiche und sehr unterhaltsame Partitur. Mit den Stücken von Schönberg, Webern und Lachenmann bildet das Programm Pierre Boulez’ Grundidee für die Academy ab, nämlich die Tradition der musikalischen Moderne in einer Art Querschnitt durch das 20. Jahrhundert aufzuzeigen und weiterzuführen. Das ist schön, zumal ja das Festival Boulez gewidmet ist. Ein interessantes Scharnier bildet hierbei Helmut Lachenmanns Stück «Schreiben»: Er gehört zwar Boulez’ Generation an, das Stück ist aber aus dem Jahr 2002, also relativ neu. Für mich ist Lachenmann ein wahrer Musiker! Seine Musik ist gar nicht so «anders», wie viele Leute immer sagen.

Vor Ihrer Karriere als Dirigentin waren Sie bis 1998 Solocellistin bei den Göteborger Symphonikern, haben also auch viel Erfahrung «auf der anderen Seite» gesammelt. Welchen Rat würden Sie jungen Musikern und Dirigenten geben, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen?

Mälkki: Es ist sehr wichtig, sich immer daran zu erinnern, dass wir diesen Beruf für die Musik ausüben. Die Leute reden so viel über Karrieren. Aber die Karriere wird passieren, wenn man seine Dinge aus dem richtigen Antrieb tut. Als ich begonnen habe, Cello zu studieren, hatte ich keinerlei Vorstellungen einer Karriere, ich wollte einfach das Instrument so gut ich konnte erlernen. Musikerin wurde ich ganz einfach deswegen, weil ich Musik liebe.

Und als Dirigentin?

Mälkki: Für Dirigenten gilt dasselbe: Man sollte respektvoll gegenüber der Musik bleiben. Es ist ein langer Prozess, niemand ist gleich nach dem Studium ein fertiger Dirigent. Das Musikgeschäft ist hungrig auf neue Namen. Man sollte bescheiden bleiben und keine Hast haben. Heute sagen junge Musiker Anfang zwanzig manchmal: Es ist zu spät! Aber das ist ein falsches Bild. Wer im Kontakt bleibt mit der Musik, wird nie arm sein.

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