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LUCERNE FESTIVAL: Revolutions-Sommer fulminant eröffnet

Enthusiastischer Beifall für das Eröffnungskonzert unter Claudio Abbado: Aber schon die Eröffnungsredner erreichten die Herzen des Publikums.
Urs Mattenberger
Das Eröffnungskonzert: Claudio Abbado dirigiert im KKL das Lucerne Festival Orchestra. (Bild: Lucerne Festival/Georg Anderhub)

Das Eröffnungskonzert: Claudio Abbado dirigiert im KKL das Lucerne Festival Orchestra. (Bild: Lucerne Festival/Georg Anderhub)

Wie eröffnet man ein Festival, das sein stolzes 75-jähriges Bestehen feiert? Lucerne Festival spart sich besondere Festivitäten für den Jubiläumstag am 25. August auf und beschränkte sich am Freitag auf den protokollarischen Ablauf wie jedes Jahr. Allerdings gab es hier einen Glücksfall. Mit Daniel Barenboim hielt ein Musiker die Rede, der dem diesjährigen «Revolutions»-Thema wenigstens am Rand jene politische Dimension gab (vgl. Kasten), die Stiftungspräsident Hubert Achermann in seiner Begrüssung relativierte: mit dem Hinweis, das Thema dieses Sommers sei «die Revolution in der Musik».

Bundesrat macht Kammermusik

Ein zweiter Glücksfall im Eröffnungsakt vor dem Konzert im Konzertsaal war das Grusswort von Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Denn sie hatte vor 30 Jahren am Luzerner Konservatorium Klavier studiert und als Platzanweiserin viele Konzerte an den damaligen Musikfestwochen besucht.

Eine Pianistin als Politikerin also, wie ihr ein Bürger in einem gehässigen Brief vorwarf. Daraus zog Sommaruga Parallelen zwischen Musik und Politik: Hier wie dort, so die Bundesrätin, müsse man auf die anderen hören und so zu einem gemeinsamen Resultat finden – so gesehen mache «der Bundesrat jeden Mittwochmorgen Kammermusik».

«Leichtigkeit im Musikmachen»

Erfrischend war diese flüssige und persönliche Rede, weil sie bereits für emotionale Momente sorgte. Etwa mit der Erinnerung an eine Mozart-Zugabe von ihrem Nachredner Barenboim vor 32 Jahren: «Damals begriff ich», so die Bundesrätin, «dass es keine ‹leichte› Musik gibt, sondern nur eine Leichtigkeit im Musikmachen. Und dass, wer sie erlangt, auch die Herzen der Hörer erreicht.»

Revolutionsjubel zum Jubiläum

Diese Leichtigkeit liegt auch in der Selbstverständlichkeit, mit der Claudio Abbado das Lucerne Festival Orchestra selbst in einer Riesenbesetzung mit 20 ersten Geigen erklingen lässt: ohne straffe Führung und im Vertrauen darauf, dass die hier versammelten Solisten, Kammermusiker und Freunde so aufeinander hören, wie es Sommaruga als Ideal für die Politik formulierte.

Der erste Konzertteil bewegte sich stilistisch nahe an den Sinfonien von Gustav Mahler, die den einzigartigen Ruf des Festival-Orchesters begründeten: Da war er, in Ausschnitten aus Schönbergs Gurreliedern – wieder – der hypnotische, in gewaltige Dimensionen gesteigerte und eben doch leichte, konturenscharfe und verblüffend schlanke Klang dieses Ausnahmeorchesters, das dieses Jahr sein 10-Jahr-Jubiläum feiert.

Zuvor hatte Abbado mit solch hochemotional vermenschlichtem Ausdrucksmusizieren Brahms’ «Tragische Ouvertüre» aufgeladen. Die Überraschung war, wie stark das auch für Beethovens «Eroica»-Sinfonie trotz reduzierter Besetzung galt – in einer Wiedergabe, die zunächst auf alles Aggressive verzichtete, aber zunehmend zu dramatischer Pointierung und Schärfe fand. Der Revolutionsjubel der exzellenten Blechbläser um Reinhold Friedrich, die individualisierte Kammermusik der auch mal mit grellen Farben aufwartenden Holzbläser um Sabine Meyer (Klarinette), Jacques Zoon (Flöte) und Macias Navarro (Oboe), der warme, im Trauermarsch fahl verlöschende Klang der Streicher versammelte alle Qualitäten, die das Orchester berühmt gemacht haben und im zweiten Programm mit Bruckner grossorchestral vorführt.

Von der Musik fürs Leben lernen

Barenboim mat. Ein Musiker als Redner: Damit ging Lucerne Festival zum Thema «Revolution» bei der Eröffnung vom Freitag neue Wege. Der Dirigent Daniel Barenboim war dafür die ideale Besetzung. Zu Gast in Luzern seit 1966, würdigte er die historische Bedeutung des Festivals seit dem Gründungskonzert des Anti-Nazis Toscanini im Jahr 1938. Die Charakteristika des Lucerne Festival seien gegenüber anderen Festspielen der «Fokus auf die Musik selbst» (statt auf die Oper), im Weiteren Claudio Abbados Festival­orchester sowie die Beschäftigung mit neuer Musik «auf höchstem musikalischem Niveau».

Politische Dimension

Mit seinem aus jüdischen und arabischen Musikern zusammen- gesetzten West-Eastern Divan Orchestra verbindet Barenboim zudem die Musik mit einer politischen Dimension. Das Orchester entstand aus der Überzeugung, dass es «keine militärische Lösung für den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern geben kann». Denn der «schöne jüdische Traum» von der Rückkehr «zu den eigenen Ursprüngen» habe nicht berücksichtigt, «dass das Land in Realität bewohnt war». Nur wenn man die Vergangenheit berücksichtige, könne man «die Gegenwart und die Zukunft» auch für das palästinensische Volk «gerecht gestalten».

Daniel Barenboim forderte zudem eine «kulturpolitische Revolution», die durch eine Musikerziehung ab dem Kindergarten sicherstelle, dass Musik «nicht eine elitäre Angelegenheit, sondern für einen sehr viel grösseren Bevölkerungsanteil relevant» sei. Am Beispiel der «Annäherung an den Tod» zeigte Barenboim, wie man «von der Musik lernen könne, mit schwierigen Dingen und Konflikten umzugehen»: «Ich habe von der Musik fürs Leben gelernt, nicht anders herum.»

Lesen Sie in der «Zentralschweiz am Sonntag» über das Revolutionsstück «Anschlag» von Lukas Bärfuss und das Porträt eines Musikerehepaars im Festival-Orchester.

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