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LUCERNE FESTIVAL: Schatzgräberin Cecilia Bartoli überraschte sprachlich

Im einzigen Konzert «Alte Musik» dieses Jahres begeisterte die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli mit Barock-Arien, die erstmals in Russland erklungen waren. Allerdings selten in Russisch.
Fritz Schaub
Cecilia Bartoli liess sich von der Begeisterungsfähigkeit des Luzerner Publikums sichtlich berühren. (Bild: Lucerne Festival/Peter Fischli)

Cecilia Bartoli liess sich von der Begeisterungsfähigkeit des Luzerner Publikums sichtlich berühren. (Bild: Lucerne Festival/Peter Fischli)

Cecilia Bartoli und I Barocchisti unter der Leitung von Diego Fasolis eröffneten das Konzert mit der C-Dur-Ouvertüre aus «Farnace» von Antonio Vivaldi und leiteten damit einen Vivaldi-Block ein, der noch kaum etwas zu tun hatte mit den aus Russland stammenden Barock-Arien. Denn das Konzert war auf das Projekt ausgerichtet, das Cecilia Bartoli 2014 unternahm, als sie sich nach St. Petersburg begab und – nachdem sie von Valery Gergiev das Placet erhalten hatte – in den Archiven nach verborgenen Schätzen von italienischen Komponisten forschte, die nach Russland gerufen worden waren. Ihre Schätze hatte Bartoli noch vor den Live-Darbietungen auf CD präsentiert (siehe Hinweis).

Koloraturen-Feuerwerk

Schon im Vivaldi-Teil wurde freilich deutlich, wie eng die Sängerin und die von Diego Fasolis an einem der beiden Cembali angefeuerten Orchestermusiker miteinander kooperierten. Die stehend musizierenden Mitglieder des Ensembles begeisterten auf Anhieb durch ihren Drall, ihre Durchsichtigkeit und federleichte Spielweise, die ihnen die mit Darmsaiten aufgezogenen Streichinstru­mente alter Bauart erlaubten.

Dass sie ihren Namen «Primadonna assoluta des Barock» zu Recht erhalten hat, bewies die Künstlerin spätestens bei der Arie des Farnace aus der gleichnamigen Oper Vivaldis («Gelido in ogni vena»), die sowohl instrumental (mit hart am Steg erzeugten Streicherklängen) wie auch gesanglich zu einem ersten, begeistert applaudierten Höhepunkt wurde. Hatte die Bartoli in der Arie «Agitata da due venti» der Costanza aus «Griselda» mit ihren rasenden Koloraturen und ihrem furiosen Temperament geglänzt, gab sie hier dem Mutterschmerz ergreifend Ausdruck, indem sie die Stimme zu einer total verinnerlichten Gesangslinie zurücknahm.

Italienisch und russisch

Überhaupt beeindruckte, wie sie gegenteilige Affekte mit derselben Überzeugungskraft bewältigte. Das Prinzip, mehr lyrische und mehr dramatische Gesänge einander gegenüberzustellen, bewährte sich erst recht bei den «russischen» Arien. Weshalb die Anführungszeichen? Galuppi, Araia, Popora – das klingt italienisch, und tatsächlich waren es vor allem Italiener, die im 18. Jahrhundert nach Russland eingeladen wurden, und meistens schrieben sie auch in italienischer Sprache.

Aber es gab auch Opern in russischer Sprache, und als Kostprobe sang die Römer Mezzosopranistin mit der Arie der Altesta aus der gleichnamigen Oper von Hermann Raupach ein einziges Mal auch russisch, während alle andern Arien italienisch dargeboten wurden. Raupach steht stellvertretend für deutsche Komponisten, die auch an den Zarenhof gerufen wurden. Im Allgemeinen zeichneten sich die «russischen» Zeugnisse mehr durch Verinnerlichung und Vertiefung aus, wie die Ausschnitte aus der Opera seria «La clemenza di Tito» von Johann Adolf Hasse zeigten, die bereits an den Mozart der gleichnamigen Oper erinnerten.

Mit dem Publikum geflirtet

Hatte Bartoli den ersten Teil in blendendem Weiss absolviert, präsentierte sie sich nach Pause in einer türkis Robe. Überhaupt zeigte sie immer wieder ihren Sinn für Inszenierung und ihre Entertainer-Qualitäten, indem sie mit dem Publikum flirtete, das sie schon bald um den Finger gewickelt hatte. Bei den Zugaben, die sich mit dem Applaus auf rund 20 Minuten erstreckten, kam dies erst recht zum Ausdruck, und die ersten Standing Ovations setzten schon lange vor dem Ende ein.

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