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LUCERNE FESTIVAL: Viel Frauenpower in der Musik und auch auf der Bühne

Das Luzerner Sinfonieorchester machte Ernst mit dem Thema Primadonna: mit fünf aussergewöhnlichen Frauenporträts und einer Mezzosopranistin im Zentrum.
Fritz Schaub
James Gaffigan und Ekaterina Semenchuk holen sich ihren verdienten Applaus ab. (Bild: PD/Lucerne Festival/Patrick Hürlimann)

James Gaffigan und Ekaterina Semenchuk holen sich ihren verdienten Applaus ab. (Bild: PD/Lucerne Festival/Patrick Hürlimann)

So perfekt auf das Festivalthema Primadonna zugeschnitten war noch kein Programm: Nicht weniger als fünf Frauenfiguren kamen im von Radio SRF 2 direkt übertragenen neunten Sinfoniekonzert am Montagabend zu Gehör: die Meerjungfrau Melusine, die schöne Kleopatra, die Nationalheilige Jeanne d’Arc, die männermordende Prinzessin Turandot, die verführerisch-laszive Salome. Es sind teils mythische, teils biblische, aber auch mächtige Frauengestalten, die wirklich gelebt haben und in die Geschichte eingingen wie Kleopatra und Jeanne d’Arc, die durch die Singstimme direkt verkörpert werden.

Hochdramatischer Mezzosopran

Schon rein optisch repräsentierte die zunächst ganz in Rot gewandete Mezzosopranistin Ekaterina Semenchuk in «La Mort de Cléopatre» von Hector Berlioz die stolze Titelheldin eindrucksvoll. Rein vokal war sie mit ihrer auch in der Höhe voll klingenden Stimme den hochdramatischen Anforderungen in hohem Masse gewachsen.

Berlioz hatte, auch wenn er rein konzertante Musik schrieb, immer eine dramatische Vorstellung, und das gilt erst recht für diese Kantate, die zu einer regelrechten Opernszene geriet – allerdings in Harmonik und im Aufbau in einer überaus eigenwilligen Form, die an die Ausführenden höchste Anforderungen stellt. Dass Semenchuk über ein grosses Operntemperament verfügt und James Gaffigan sich auch im Orchestergraben wohl fühlt, konnten und wollten die beiden in dieser Wiedergabe nicht verleugnen.

Eine Barriere bedeutete allenfalls die französische Sprache, die hier nicht so idiomatisch wie gewünscht zum Ausdruck kam. Ganz anders die Kantate «Giovanna d’Arco» von Gioachino Rossini, in der es zwar auch zu Forte-Ausbrüchen kommt und die Stimme hohe und tiefe Lagen bewältigen muss. Jedoch mit dem Wohllaut der italienischen Sprache und dem im Stil des Belcanto geführten Gesangspart wirkt das ganze Werk bis hinein in die mühelos bewältigten Koloraturen viel eingängiger und kann sich die Stimme unangestrengt entfalten.

Zudem muss sie hier nicht gegen gepanzerte, wenn auch glühende Orchesterfarben ankämpfen, denn die Rossini-Kantate erklang mit der vom Avantgardisten Salvatore Sciarrino anstelle des originalen Klavierparts stilgerecht bewerkstelligten Orchesterversion.

LSO glänzte zum dritten Mal

Zum dritten Mal nach 2012 und 2014 unter James Gaffigan gesellte sich das von zwei sich abwechselnden Konzertmeisterinnen am ersten Pult angeführte Hausorchester des KKL zur Schar der Weltklasse-Klangkörper und machte dabei wieder ausgezeichnete Figur, ganz abgesehen davon, dass es mit seinem Programm mit eher selten gespielten Werken eine echte Eigenleistung zum Festival beitrug.

Schon die Ouvertüre «Die schöne Melusine» von Felix Mendelssohn Bartholdy liess ein klares Konzept erkennen, bei dem Gaffigan das Orchester sofort in den Griff bekam. Ausdrucksmässig hielt sich die Wiedergabe noch in Grenzen und wirkte der Klangkörper noch nicht überaus präsent.

In den sechs ausgewählten Sätzen der achtsätzigen Orchestersuite «Turandot» von Ferruccio Busoni, in der im Unterschied zu Puccinis «Turandot» das düstere, groteske Element vorherrscht, gewannen indes die Farben an Leuchtkraft, wobei vor allem die Blechbläsergruppe hervorstach. Sein Meisterstück aber lieferte das Orchester mit dem «Tanz der sieben Schleier» aus der Oper «Salome» von Richard Strauss ab.

Entfesselter Zusammenbruch

Klanglich raffiniert und erotisch knisternd reizten die Musiker, allen voran Flöte und Oboe (beide gespielt von Frauen!) sowie Solobratsche, das orientalische Kolorit aus. Kühl kalkulierend wurde die Steigerung in Gang gesetzt bis zu dem regelrecht entfesselten Bolero-ähnlichen Zusammenbruch, der dem «sehr schnell und heftig» voll und ganz entsprach. Das nicht bis auf den letzten Platz besetzte Haus (ohne den obersten Rang) geriet dabei regelrecht aus dem Häuschen.

Fritz Schaub

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