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LUCERNE FESTIVAL: «Wie Chinesisch und Spanisch»

Eine strahlende Sopranistin und ein Dirigent, der als Sänger brillierte – im letzten Jahr waren Julia Lezhneva und Dmitry Sinkovsky die Überraschung des Festivals. Zu ihrer Rückkehr haben wir mit ihnen gesprochen.
Roman Kühne
Die Sopranistin Julia Lezhneva und der Violinist, Sänger und Dirigent Dmitry Sinkovsky bei ihrem letztjährigen Auftritt mit La Voce Strumentale am Lucerne Festival Ostern in der Luzerner Hofkirche. (Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival (Luzern, 1. April 2017))

Die Sopranistin Julia Lezhneva und der Violinist, Sänger und Dirigent Dmitry Sinkovsky bei ihrem letztjährigen Auftritt mit La Voce Strumentale am Lucerne Festival Ostern in der Luzerner Hofkirche. (Bild: Peter Fischli/Lucerne Festival (Luzern, 1. April 2017))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Diese Sopranistin müssen Sie gehört haben! So euphorisch begrüsste das Lucerne Festival vergangenes Jahr die Debütantin. Ein hochfliegender Satz und jeden Buchstaben wert. Denn was Julia Lezhneva an ihrem ersten Luzerner Auftritt zeigte, war schlichtweg fesselnd. Technik, Koloratur, Geschwindigkeit, Hingebung – ein Fest für jeden Stimmenliebhaber. Kein Wunder, hat Intendant Michael ­Haef­liger die Sängerin auch dieses Jahr für zwei Konzerte eingeladen. Das Eröffnungskonzert des Festivals gestaltet sie wieder zusammen mit La Voce Strumentale und seinem singenden Dirigenten und Violinisten Dmitry Sinkovsky.

Für das Publikum war seine Arie als Countertenor damals eine Überraschung, für ihn der musikalische Alltag. «Ich habe schon als Kind immer Kopfstimme gesungen», erklärt Sinkovsky. «In einer Opernprobe als Violinist habe ich einem jungen Tenor einen möglichen Weg zu seiner Rolle gezeigt. Die Sopranistin dieser Oper hat mich singen gehört, war begeistert und hat mich ermutigt, Unterricht zu nehmen.» Ein schwieriger Sprung? Sinkovsky lacht: «Zuerst dachte ich, das wird einfach, du hast ja Violine studiert. So viel anders wird es wohl nicht sein. Doch dies war ein grosser Irrtum. Ich musste viel Leidenschaft und Zeit hineinstecken.»

Die Leichtigkeit des Lebens

In den Zeiten des Barocks war es ja durchaus gebräuchlich, dass der Komponist seine Schöpfungen auch selber spielte und sang. Heute ist dies eher die Ausnahme. Ebenfalls nicht gerade dem Klischee entspricht, dass zwei russische Künstler sich intensiv mit der Barockmusik und ihrer historischen Aufführungspraxis beschäftigen. Für Julia Lezhneva hat dies viel mit ihrer Stimme und ihrer Kindheit zu tun: «Ich spielte früh Klavier und dort vor allem Bach. Er wurde so etwas wie mein Hauptlehrer. Im Chor habe ich dann auch Händel gesungen. Mit elf Jahren habe ich die CD ‹Viva Vivaldi› von Cecilia Bartoli gehört. Da war es endgültig um mich geschehen. Kommt hinzu, dass meine Stimme wie geschaffen ist für diese Zeit.»

Lezhneva war ein Wunderkind, wurde schon früh gefördert, konnte ihre einzigartige Stimme durch ihre Kindheit bis ins Erwachsenenalter transportieren. Ist so ein Organ nicht einfach angeboren, kann man so eine Stimme überhaupt antrainieren? «Die Farbe war immer da», erklärt die 28-jährige Sopranistin. «Natürlich musste ich auch arbeiten. Aber eigentlich ist es das falsche Wort. Für mich war es nie Arbeit. Seit meiner Kindheit konnte ich etwas machen, was mir unendlichen Spass und Glück gibt. Für mich war Singen immer etwas Natürliches.» Lezhneva wechselte schon mit 16 Jahren nach England an die Cardiff International Academy of Voice. Es war dann Kiri Te Kanawa, die sie ans Royal College of Music in London brachte, wo ihre Karriere so richtig begann.

Mit dem ganzen Körper

Sinkovsky musste da härter arbeiten: «Vor allem die Wechsel von der Violine auf die Singstimme brauchen Energie. Für das Gehirn sind dies zwei völlig verschiedene Aufgaben, zwei verschiedene Sprachen wie Chinesisch und Spanisch. Bei der Violine braucht man nicht so viele Muskeln, es ist wichtig, loszulassen. Beim Singen hingegen ist es der ganze Körper, den man einsetzt. Die Spannung ist ganz eine andere. Und beide Instrumente brauchen eine ganz eigene Einstimmung und Warm-up.» Und was den Barock anbelangt, sieht er dies ganz entspannt. Für ihn ist es ein altes Klischee, dass die Russen eher den melancholischen Romantikern erliegen. «Auch in Russland kann man heute problemlos barocke Literatur studieren, historisch fundiert und original», ist Sinkvosky überzeugt. Und die Ergebnisse überzeugen.

Auf ihren letzten CD-Aufnahmen pflegen beide eine historisch informierte Aufführungspraxis, wieder ganz dem Barock verpflichtet. Julia Lezhneva singt Arien des deutschen Komponisten Carl Heinrich Graun. «Ich habe schon vor Jahren sein Lied ‹Mi Paventi› gesungen und war begeistert. Mit meinem Freund Mikhail Antonenko verbrachte ich dann einen Nachmittag in der Bibliothek und habe die Werke für die Platte ausgesucht, in nur fünf Stunden.»

Bei Dmitry Sinkovsky ist es die überzeugende CD «Telemann Trio-Sonatas». Man liegt wohl nicht völlig falsch, wenn man dieser Aufnahme, mit der schlanken, singenden Violine Sinkovskys, Referenzcharakter zuweist.

Gefunden haben sich die beiden über ihr gemeinsames Steckenpferd Barock. «Vor zwei Jahren traten wir zusammen an den ‹December Nights›, dem Festival des verstorbenen Pianisten Sviatoslav Richter, auf», führt Julia Lezhneva aus. «Zum Spass haben wir zusammen gesungen, und es hat auf Anhieb gefunkt.» Das Konzert in Luzern ist jetzt das erste Mal, dass die zwei ein ganzes Programm singend bestreiten. Begleitet werden sie vom Orchester La Voce Strumentale unter der Leitung – wie könnte es anders sein – des Multitalentes Dmitry Sinkovsky.

Hinweis

Das Eröffnungskonzert von heute Abend ist ausverkauft. Tickets gibt es noch für das Rezital von Julia Lezhneva vom Dienstag, 20. März, 19.30 Uhr im Kirchensaal Maihof.

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