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LUCERNE FESTIVAL: Zurück in der «alten Turnhalle»

Andreas Schaerer verschmilzt Jazz und Klassik zu einem eindrücklichen Konstrukt. Das kann gehörig grooven, zieht aber auch viel Energie aus der Reibung zwischen den Stilen.
Jazzsänger Andreas Schaerer und das Lucerne Festival Orchestra mit Dirigent Mariano Chiacchiarini. (Bild: Priska Ketterer/LF (25. November 2017))

Jazzsänger Andreas Schaerer und das Lucerne Festival Orchestra mit Dirigent Mariano Chiacchiarini. (Bild: Priska Ketterer/LF (25. November 2017))

Er freue sich sehr, sagt Andreas Schaerer, dass er nach der Elbphilharmonie jetzt auch noch in diese «alte Turnhalle» eingeladen worden sei. Damit meinte er den Luzerner Saal im KKL. Er meinte es durchaus charmant, aber der Saal wirkt im Lucerne-Festival-Rahmen tatsächlich etwas schmucklos.

Aber es ist für Schaerer und sein Projekt «Hildegard lernt fliegen» ein spezieller Ort: In dieser «alten Turnhalle» feierte vor zwei Jahren «The Big Wig» Premiere. Der Jazzsänger schrieb ein Werk für Band und Orchester und zusammen mit dem Orchester der Lucerne Festival Alumni kam es so richtig zum Fliegen. Begeisterung im In- und Ausland.

Und der Höhenflug dauert an. Nach einem Zwischenstopp in der Hamburger Elbphilharmonie konzertierte das Projekt am Samstagabend wieder im KKL. Und es ist noch immer grossartig. Schaerer, der Vokalakrobat, und Band, durchaus Instrumentalakrobaten, funktionieren mit dem Orchester der Lucerne Festival Alumni hervorragend. Das kann zu einem schwer groovenden Jumbojet werden. Oder zu einem Kleinflugzeug in heftigen Turbulenzen.

Andsnes überzeugt im grossen Saal

Schaerer sucht nicht den sinfonischen Wohlklang, sondern ergötzt sich an der Reibung, zwischen Jazzband und Orchester. Schlüsselmoment war am Samstag das Stück «If Two Colossus», wo Schaerer die beiden musikalischen Welten erst aufeinanderprallen, dann verschmelzen und am Schluss in sich zusammenfallen lässt. Schaerer spielt mit den beiden Welten und vor allem lässt er beiden ihre Eigenheiten. Mit diesem Projekt wollte er «Grenzen einreissen», sagte Schaerer bei einer seiner Ansprachen. Es ist aber nicht so, dass nachher der eine Stil den anderen dominiert. Viel mehr suchen sie als gute Nachbarn die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede.

Kein Element fällt in diesen 90 Minuten ab, die Perkussion zwirbelt wie wild, das Blech setzt freche Akzente und Schaerer macht mit dem Mund Instrumente nach – oder waren es womöglich doch echte Instrumente, die da spielten?

Egal. Es ist alles fliessend und ansteckend fröhlich in dieser fast bis auf den letzten Platz gefüllten Turnhalle. Aber Band und Orchester (unter der Leitung von Mariano Chiacchiarini) würden eh in fast jeden Saal passen. Eigentlich ist es fast schade, dass man kein Bier mit in den Saal nehmen konnte. Bezüglich Anstandsregeln dominierte da eindeutig noch die Klassikwelt. Und der Rahmen war ja eigentlich dieses Piano-Festival, obwohl sich im Luzerner Saal kein einziges Klavier, ja nicht einmal ein Keyboard befand.

Dafür konnte man am früheren Abend im Saal nebenan einen Klaviervirtuosen erleben. Der Norweger Leif Ove Andsnes spielte Werke von Sibelius, Chopin, Widmann, Schubert und Beethoven. Andsnes führte die Zuhörer gekonnt durch die Stücke und setzte dabei immer wieder schöne Akzente. Beeindruckend, mit welcher Eleganz er die «Sturmsonate» spielte und wie viele Feinheiten alleine im Zugabenblock steckten.

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

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